[Nihon Basics:] Günstig Trinken

Hat zwar jetzt nichts mit Benimmregeln zu tun, kann man aber trotzdem in diese Kategorie einordnen…

Und nein! Hier wird es nicht um Alkohol gehen! (Dafür haltet an Schildern vor Restaurants nach 飲み放題 Ausschau.)

Am praktischsten, da fast an jeder Ecke, sind natürlich die berühmt-berüchtigten Getränkeautomaten.
Auf der Ginza gibt es übrigens keine soweit ich weiß, aber oft bin ich nicht im Osten, daher kann ich es nicht genau sagen.

Getränkeautomaten sind zwar am praktischsten, aber am günstigsten sind sie definitiv nicht.
Orientieren wir uns mal am Preis für Wasser in Tokyo.
Die Preise für eine Flasche bewegen sich zwischen 120 und 100 Yen. Dabei muss man beachten, dass nicht alle Flaschen gleich viel Inhalt haben. Manche haben 530ml, manche 560ml.
Es lohnt sich selbst Preise zwischen Getränkeautomaten zu vergleichen, die direkt nebeneinander stehen!

Miu Wasser 550ml 100¥
Asahi Wasser 530ml 100¥ – beide stehen direkt nebeneinander

Das nächst-praktische wären nach den Automaten wohl die Konbini, die 24h Läden.
Auch hier gilt: Konbini sind nicht am günstigsten und man sollte ml und Preise vergleichen wenn man kleine Flaschen für unterwegs kauft.
Bevorzugt man ein Getränk mit Geschmack, braucht man höchstens unter den Konbini vergleichen. Meist kosten sie so um die 140 Yen ohne Steuer, aber manchmal sind bestimmte Sorten in einigen Konbini im Angebot, da gibt es sie dann für 129 Yen.

Ich stehe dazu. Seven Eleven ist meine liebste Kette…
Ein Teil vom Konbini Angebot. Aquarius für 129¥!

Kommen wir zur günstigsten Variante..
Kusuriya und Supermarkt!
Nicht ganz so häufig, aber dennoch oft vertreten, sind die Drugstores, gekennzeichnet mit diesem Kanji 薬. Dabei handelt es sich nicht um Apotheken, das wären Yakkyoku 薬局.
Die Drugstores sind mit Budni, dm, Rossmann und Co. vergleichbar und haben eigentlich immer Getränke, meist auch gekühlt oder gewärmt. Und hier findet man tansan 炭酸 (kohlensäurehaltige Getränke) eigentlich immer für unter 100Yen oder genau 100Yen (ca. 500ml Flasche).

Supermärkte sind ähnlich im Preis, je nach Kette (es gibt natürlich auch in Japan günstigere und teurere) auch billiger.
In meinem einem Supermarktes gibt es oft sogar Angebote wenn die Flaschen nah am Verfallsdatum sind.
So habe ich mich ca. 2 Wochen lang von einer Hassaku Limonade ernährt, bis ich deren gesamten Vorrat aufgetrunken hatte.
Der Supermarkt kauft häufig solche Reste extra ein.
Momentan kann man verschiedene Teesorten, von Grün bis Schwarz, für 69Yen die ca. 500ml Flasche kaufen. Am Automaten zahlt man für den gleichen grünen Tee oft 150Yen!

Und nun zu der absolut günstigsten Möglichkeit: nehmt euch eine kleine Thermosflasche mit (oder kauft einmal eine 500ml PET Flasche) und kauft in einem Supermarkt eine 2l Flasche. Wasser findet man je nach Supermarkt schon ab 59Yen.
Lagert die Flasche in eurem Hotel-/Hostelzimmer oder im Airbnb oder wo ihr sonst so übernachtet, und füllt jedes mal eure Thermosflasche auf bevor ihr raus geht.
Übrigens!
Das Tokyoter Leitungswasser kann man trinken!
Im Sommer ist es allerdings gerne mit Chlor versetzt und schmeckt nicht gut.
Auch den Leitungen in älteren Häusern würde ich nicht trauen.
Aber theoretisch könnt ihr auch einfach Leitungswasser mitnehmen.
Und falls euch unterwegs das Wasser ausgeht, in eigentlich allen Spielplatz-Parks (公園) gibt es umsonst Leitungswasser, das man trinken kann!

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[Nihon Basics:] Miso-Suppe isst man nicht mit Löffel!

Grad bei „YOUは何しに日本へ“, einer beliebten Fernsehsendung, ein Junge, der versucht Miso-Suppe aus den üblichen Schüsseln mit einem normalen Löffel zu essen.
Das sah für mich so urkomisch aus, dass ich mal ein bisschen drüber schreiben muss.

Also.. Miso-Suppe isst man mit Stäbchen! Ja! Wirklich! Aber wohl nicht so wie manche jetzt denken ^_-
Natürlich führt man die Schüssel an den Mund, die Stäbchen in der Hand.
Mit diesen hält man je nach Situation die „Innereien“ der Suppe, wie Wakame (Algen), zurück oder „schaufelt“ sie in den Mund.
Man darf Miso-Suppe auch schlürfen.

Ramen, Udon und Soba in Suppe werden mit Stäbchen gegessen und unbedingt geschlürft! Allerdings können die wenigsten Ausländer richtig schlürfen, was sehr zur Belustigung der umstehenden Japaner dient.
Wird ein Löffel gereicht, dann kann die Suppe gelöffelt werden. Gerne nimmt man die Stäbchen in die eine Hand und den Löffel gleichzeitig in die andere.
Eigentlich sollte man, wenn ein Löffel gereicht wurde, die Schüssel nicht an den Mund führen, vor allem bei Ramen nehmen das die meisten aber nicht so genau.

In der gleichen Sendung habe ich jemanden gesehen, der japanisches Curry mit Stäbchen gegessen hat.
Das ist für mich genauso komisch wie Miso-Suppe mit Löffel. Japanisches Curry ist man nämlich mit Löffel!!
(Indisches auch…)

Donburi (Sachen auf Reis) isst man mit Stäbchen. Wird einem (vor allem als Frau) ein Löffel dazu gelegt, muss man sich nicht ärgern, dass der Staff denkt man könne das als Ausländer nicht mit Stäbchen essen.
Der Löffel hat einen anderen Hintergrund..
Die „Sachen“ sind häufig mit Soße.. Das macht es sehr schwer die Reste des Reis‘ mit Stäbchen zu essen.
Normalerweise nimmt man dafür die Schüssel in die Hand, führt sie zum Mund und schiebt den Rest Reis hinein.
Das sieht ja nun aber nicht „fein“ aus und so gibt es zumindest für Frauen gerne einen Löffel für diesen Zweck dazu..

Edomae Sushi
Und wie ist das jetzt eigentlich mit Sushi?
Mit der Hand? Mit Stäbchen? Wird Wasabi in die Sojasauce gerührt oder nicht?
Tja… Das wissen viele Japaner auch nicht so genau..
Generell sagt man ja, Sushi mit Hand essen ist ok.
Bei normalem Sushi sehe ich aber meist nur, dass Maki-Sushi mit der Hand gegessen wird. Und natürlich Temaki.. Sagt ja schon der Name..
Maki-Sushi kann man aber auch mit Stäbchen essen..
Übrigens, wenn Japaner „Sushi“ sagen, meinen sie meist weder Maki noch Sashimi..
Und das Sushi, also Nigiri-Sushi, dass man normalerweise mit der Hand isst, ist Edomae Sushi (江戸前寿司).
Und wie ist das jetzt mit dem Dippen?
Also theoretisch mischt man kein Wasabi in die Sojasauce… (Habe das aber auch schon bei Japanern gesehen..)
Eigentlich nimmt man ein bisschen Wasabi mit den Stäbchen, schmiert es auf sein Sushi und dippt es.
Natürlich mit dem Fisch in die Sojasauce! Nicht mit dem Reis!!

Tja.. Schon nicht so einfach mit dem Essen in einer anderen Kultur ^_-

Anmerkungen Silvester / Neujahr 2015/2016

Dieser Beitrag basiert auf meinem kürzlichen Re-post von meinem Neujahr 2012/2013. Ich möchte kurz auf die Dinge zu sprechen kommen, die damals fehlten.

 Silvester-Soba 年越し蕎麦 (Toshikoshi Soba): traditionell werden an Silvester Soba gegessen. Soba sind gräuliche Buchweizennudeln, die sich vor allem kalt im Sommer ungemeiner Beliebtheit erfreuen.
Es gibt unterschiedliche Geschichten, warum man Soba isst.. Sie sind ein Zeichen für langes Leben, geben Glück im neuen Jahr, etc. pp. Eine andere Geschichte besagt, Frauen, die schon genug mit der Zubereitung der Osechi zu tun hatten, hatten keine Lust noch etwas großartiges für Silvester vorzubereiten. Soba sind unglaublich schnell und einfach zuzubereiten.
Wir sind nicht traditionell, wir essen normalerweise keine Soba. Nur letztes Jahr (2014) gab es mal welche.

 

Anime Kōhaku: AKB als Sailor Moon

Kohaku 紅白
Ein Fehrnsehprogramm, das immer noch fast 50% der Bevölkerung zu Silvester ansieht.
Eigentlich geht es hierbei nur um einen Singewettstreit.. Sehr bekannte Gruppen und Einzelsänger werden in rot (紅) oder weiß (白) eingeteilt und treten gegeneinander an. Am Ende wird dann die Siegergruppe ermittelt.
Dieses Spektakel dauert mehrere Stunden und man findet jegliche Musikrichtung vertreten. Dieses Jahr tritt auch die berühmte Gruppe X-Japan an. Natürlich neben anderen Größen wie AKB48, Sekai no Owari, Perfume, Ishikawa Sayuri und Sakamoto Fuyumi.

Das Jahr des Affen
Das Jahr 2016 ist das Jahr des Affen. Deshalb sind natürlich alle Neujahrskarten mit Affen dekoriert.
Ich bin kein Fan von Affen.. Das ist kein Geheimnis.
Während alle davon träumen einmal die Schneeaffen in Nagano zu besuchen, fange ich nur an zu stöhnen, wenn mal wieder die Zeit des Jahres kommt, wenn überall Fotos von ihnen aufpoppen.
Ihr könnt euch also vorstellen wie begeistert ich von den allgegenwärtigen Affen bin.
Aber bald ist der Rummel um Neujahr ja vorbei und wenn ich mich nicht irre, haben wir 2017 das Jahr des Hahns.
Übrigens! Wenn in einer Familie jemand gestorben ist, schickt man ihnen keine Neujahrskarte!
Man möchte sie nicht mit der eigenen Freude in Verlegenheit bringen.
Zu sterben und beerdigen komme ich demnächst mal. Das ist nämlich nicht ganz so wie in Deutschland.

 O-Zōni お雑煮
Das ist eine Suppe, die zu Neujahr zubereitet und gegessen wird. Nur diese Suppe war von dem drei-tägigen Kochverbot ausgenommen.
Es gibt verschiedene Arten Zōni zuzubereiten, je nach Region.
Kanto Zōni ist eine klare Suppe, während in Kansai eine Misosuppe die Basis bildet.
Besonders an Zōni sind die Mochi. Auch die Mochi haben je nach West und Ost eine andere Form.. Im Osten (Kanto) sind sie viereckig und im Westen (Kansai) eher rund.
Mochi werden aus Reis hergestellt. Gedämpfter Reis wird geschlagen, bis er ein klebriger Brei geworden ist.
Die Mochi für Zōni werden normalerweise getrocknet und in großen Tüten verkauft. Sie werden in der Suppe wieder weich.
Da man möglichst viele Mochi zu Neujahr essen soll, Japaner gerne schnell essen und Mochi nun mal klebrig sind, ersticken jedes Jahr einige Menschen an Mochi und Zōni hat dadurch sogar in den westlichen Ländern einige Berümtheit erlangt.
Wenn man es nicht übertreibt, kann man Zōni jedoch bedenkenlos essen.

Yoi otoshi wo 良いお年を
Ist die Abkürzung für Yoi otoshi wo o-mukae kudasai 良いお年をお迎えください. Die lange Form benutzt aber niemand.
Kann man mit „Ich wünsche dir einen guten Rutsch“ übersetzen.
Es wird vor dem Jahreswechsel benutzt.

(Shin’nen)Akemashite omedetō gozaimasu (新年)明けましておめでとうございます
„Frohes neues Jahr“ auf Japanisch. Man sagt es erst im neuen Jahr. Meist allerdings abgekürzt zu Akemashite omedetō.
Im Beruf folgt auf jeden Fall noch: Kotoshi mo yoroshiku onegaishimasu 今年もよろしくお願いします
Das ist schwer zu übersetzen.. Ich lernte damals „Bitte bleiben sie mir auch dieses Jahr gewogen“. Aber der Ausdruck ist im Deutschen so alt..
Neudeutsch wäre vielleicht in diesem Umfeld ein „Lass uns auch in diesem Jahr gut zusammen arbeiten“ passend..

Und zum Schluß als Anmerkung zu Hatsumode..
Im Fernsehen laufen zwei TV Spots von großen Tempeln, die die Leute zu ihnen zum Hatsumode locken sollen.
Könnt ihr euch TV Spots von Kirchen vorstellen, die mit ihren Weihnachtsmessen werben?
Also zumindest für mich mutet das etwas merkwürdig an..

[Nihon basics] Arbeiten in Japan

Die nackte Wahrheit!

Viele träumen, in Japan zu wohnen ohne jemals dort gewesen zu sein. In ihren Vorstellungen ist Japan ein wundervoller Ort: überall Anime und Manga, süße Mädchen in Kostümen, Sushi, Tempel und Kultur.

Träumt bitte weiter!

In einem Urlaub kann man Japan genau so erleben. Aber wenn man hier wohnt, wird man auch mal mit der anderen Seite konfrontiert und merkt, dass auch Japan ein Land mit positiven und negativen Aspekten ist.
Heute möchte ich ein wenig über die Arbeit sprechen. Inspiriert durch meine Praktikantin, die nicht nur aus Europa kommt, sondern auch ihre erste richtige Arbeit bei uns angetreten hat..

Ich bin keine große Jobwechslerin. In Deutschland hatte ich einen Nebenjob während Schule und Abitur und später wurde ich in meinem Ausbildungsbetrieb übernommen.
In Japan arbeitete ich immer beim gleichen Gärtner, bevor ich zum Gartendesign wechselte.
Ich schaue also auf eine Berufserfahrung von vier Arbeitgebern zurück.

Von diesen kann ich euch speziell berichten, von anderen Arbeitgebern in Japan, was hier normal ist usw., aber eher nur vom Hörensagen.
Um das ganze ein wenig einzugrenzen, schreibe ich vom Fall „Ausländer arbeitet in Japan“ und lasse Japaner in Japan zumeist außen vor.

Trotzdem muss ich verallgemeinern…
Ich möchte zunächst die Ausländer in verschiedene Gruppen einteilen.

※ Expats mit Expatpaket

※ Aus dem Ausland angeworbene Ausländer

※ Selbstständige

※ Als Arbeitnehmer in einer normalen japanischen Firma.


>※ Jeder, der ohne Expatpaket hier ist, schaut ab und zu neidisch auf die Expats.. Wohnungen in bester Lage, gesponsorte Heimflüge, regelmäßige Einkäufe im internationalen Supermarkt..
Als Expat bezeichnen wir hier, entgegen der eigentlichen Übersetzung des Wortes, Arbeitnehmer, die von ihrer ausländischen Firma nach Japan geschickt wurden.
Sie erhalten oft ein sogenanntes Expatpaket, das es ihnen ermöglicht in Japan den gleichen Lebensstandard zu halten wie in Deutschland. Wie ungewöhnlich viel Geld sie dadurch bekommen ist ihnen meist nicht bewusst. Viele Expats bleiben nur 2-4 Jahre und leben in dieser Zeit in der sogenannten Expatbubble, aus der heraus sie das wahre Leben in Japan nicht kennenlernen.

Natürlich ist das sehr verallgemeinert.. Es gibt auch Expatpakete, die nur eine winzige Wohnung am Stadtrand und das typische japanische Gehalt beinhalten.
So wie es Expats gibt, die sich in der Gesellschaft gut einleben, Anschluß finden und später zu den regulären Angestellen wechseln.

>※ Aus dem Ausland angeworbene Arbeitnehmer (oft durch ein japanisches Unternehmen) sind Experten auf ihrem Gebiet und bringen Fähigkeitskombinationen mit, die man unter Japanern nur schwer findet.
Meist werden auch sie mit Paketen gelockt, wie zum Beispiel ein bezahlter Heimflug pro Jahr.
Sie arbeiten normalerweise zu japanischen Bedingungen, können sich aber mehr herausnehmen als japanische Angestellte, weil sie nur bedingt dem gesellschaftlichen Zwang unterliegen.

>※ In Japan als Selbstständiger arbeiten.
Ist für Ausländer möglich, wenn sie ein Visum haben, genug Japanisch verstehen um Papierkram selbst zu erledigen, oder aber genug Geld um jemanden dafür zu beschäftigen.
Zum Papierkram gehört einiges dazu. Unter anderem regelmäßige Steuererklärungen, auf Behörden-Japanisch…
Mir wurde ans Herz gelegt, mich irgendwann selbstständig zu machen. Denn dann definiert man seine eigenen Arbeitsbedingungen und ist nicht den teils verrückten der japanischen Arbeitswelt unterlegen.

>※ Als „normaler“ Arbeitnehmer in einer japanischen Firma arbeiten.
Hier warten die Probleme..
In Japan gibt es Arbeitsgesetze. In Japan gibt es sogar Gewerkschaften!
Aber leider gibt es auch viele Grauzonen und Arbeitgeber und Arbeitnehmer!, die sich ungern an die Gesetze halten..
Was den Ausländer interessiert sind natürlich: Geld, Urlaub, tägliche Arbeitszeiten.
Über Geld kann ich nicht viel sagen..

Als Baito (Aushilfsjob) in der Nähe von Tokyo, habe ich mit 850 und später 900 Yen pro Stunde recht wenig bekommen. In Tokyo kann man Baito für 1000 Yen die Stunde finden. (Andere Regionen zahlen weniger!!)
Meine Arbeitgeber schieben die geringe Bezahlung auf meine nicht ausreichenden Sprachkenntnisse. Ich bin nicht in der Lage in Japan alleine zu arbeiten. Damit haben sie recht. Bin ich nicht.

Bei meinem jetzigen Arbeitgeber bin ich festangestellt. Mein Satz liegt über dem von Baito, jedoch unter dem von Vertragsangestellten.
Sollte mein Japanisch jemals besser werden und ich mehr alleine machen können, möchte mein Chef mein Gehalt anheben.
Optimal für einen japanischen Festangestellten ist ein Gehalt über 300.000 Yen im Monat. Damit kann man schon eine Familie gründen und die Frau wird entlastet. Hier wird immer noch sehr oft erwartet, dass die Frau ihren Job aufgibt, wenn Kinder im Anmarsch sind. Zumindest für die Jahre bis zur Grund- oder Mittelschule. Jedoch sind immer weniger Arbeitgeber bereit den Männern ein Gehalt zu zahlen, das ihnen dies erlaubt. Vertragsjobs sind schwer im Kommen!

Kommen wir zum Urlaub. Einem Knackpunkt, der mich auch veranlasste, diesen Beitrag zu schreiben.
Natürlich haben Japaner Urlaub! Und wenn man es mal richtig ausrechnet, sogar gar nicht so wenig.. Als normaler Büroangestellter zumindest.

Da hast du zum einen Golden Week, Obon and Neujahrsferien.
Alle so 5-7 Tage am Stück frei.
Dann 10 Tage regulärer Urlaub und sämtliche Nationalfeiertage.
Das sind pro Monat mindestens einer, nur der Juni und August haben keinen. Bleiben trotzdem zusätzlich 10 Tage. Wir haben also für Neujahr, Golden Week und Obon grob gerechnet 15 Tage frei. Plus 10 Tage regulärer Urlaub und 10 verbleibende Nationalfeiertage.
Nun ist es aber so, dass Japaner normalerweise ihre Urlaubstage für eventuelle Krankheitstage benutzen, oder falls man mal anderweitig Termine wahrnehmen muss.
Junge Japaner nutzen ihren Urlaub aber tatsächlich gerne zum Urlaub machen. Wenn auch vielleicht nicht alle 10 Tage..

Fakt bleibt: Drei Wochen Urlaub auf Gran Canaria? Kannst du knicken! Du kannst 5 Tage in der Golden Week/Obon/Neujahr wegfahren, aber dazwischen sei es dir gestattet mal ein Wochenende oder so um einen Tag zu verlängern!
Wer frei nimmt, bürdet damit automatisch seinen Kollegen mehr Arbeit auf. Das Deutsche „wie ich dir so du mir“ funktioniert hier nicht.

Bei mir in der Firma sieht es mit Urlaub anders aus.
Ich habe zur Golden Week, zu Obon und zu Neujahr Urlaub. Und das war’s. Keine zusätzlichen Urlaubstage und auch kein frei an Nationalfeiertagen.
Dafür kann ich aber mal, wenn nicht so viel zu tun ist, Arbeitstage tauschen. Also mal einen Wochentag freinehmen und dafür am Wochenende arbeiten.
Meine Firma ist sehr klein. Außerdem arbeiten wir in einem Sektor, der es nötig macht auch dann zu arbeiten, wenn alle anderen frei haben.

Daraus ergibt es sich zum Beispiel, dass mein Chef nicht selten sieben Tage in der Woche arbeitet und gerne auch mal nachts bis 4h, um dann morgens um 10h wieder beim Kunden auf der Matte zu stehen.
So verrückt bin ich allerdings nicht.. Das mache ich nicht mit..
Überstunden mache ich auch selten. Die werden nämlich nicht bezahlt.

Gute Firmen bezahlen Überstunden. Schlechte Firmen verlangen ein großes Maß an Überstunden und zahlen nichts.
Meistens werden Überstunden aber gar nicht erst gemeldet oder Arbeitgeber bitten ihre Arbeitnehmer inständig darum nur einen Bruchteil ihrer Überstunden einzutragen.
Daher werden die offiziellen Zahlen zu Arbeitszeiten in Japan ziemlich verfälscht.

Trotzdem ist man sich des Problems mit der zu vielen Arbeit bewusst und so kam die Regierung auf die Idee bezahlte Überstunden abzuschaffen..
Dadurch will sie erreichen, dass die Leute wirklich nach Hause gehen..
In vielen Sektoren bedeutet das jedoch, dass die Leute einfach ohne Bezahlung Überstunden machen werden. Denn obwohl es zwar viele gibt, die durch unnötige Überstunden Extrageld scheffeln, gibt es auch genug, die wirklich Überstunden machen müssen, weil es zu viel Arbeit gibt (zum Beispiel die Angestellten in den Rathäusern, die jetzt auf vielen vielen unzustellbaren MyNumber Karten sitzen..).

Wenn es nötig ist, mache ich auch ohne Geld Überstunden. Ich kann sie schließlich später wieder abbummeln.. Mein Chef ist da sehr tolerant. Er zahlt mir mein festes Gehalt und meinte, ich muss nur darauf achten, dass ich dafür angemessen arbeite.
Nun ja.. Und ich bin ja nicht umsonst Deutsche.. Wenn ich einen Auftrag habe schaffe ich es normalerweise immer alles so zu timen, dass ich die Sachen fertig bekomme ohne Überstunden zu machen..
Wenn man jedoch so ein Arbeitsfanatiker wie mein Chef ist, der immer 4-5 Sachen gleichzeitig auf dem Tisch hat, dann..
Aber er arbeitet auch wirklich gerne..

Als Ausländer in einer japanischen Firma wird man sich anpassen. Man wird wahrscheinlich nicht bei dem Wettbewerb „wer kommt als erstes in die Firma“ und nicht beim Wettbewerb „wer bleibt am längsten“ mitmachen, aber wenn Überstunden notwendig sind, wird man sie machen. Natürlich, denn das ist in anderen Ländern auch nicht anders!

Oft hört man übrigens von der Regel „niemand geht vor dem Chef“.
Hier muss man sehen, wie man darauf reagiert falls es diese Regel in der eignen Firma gibt. Ich gehe natürlich vor dem Chef nach Hause. Er kommt oft erst um 13h in die Firma, bleibt dann aber bis 24h oder so..
Manche Chefs haben auch kein Privatleben oder einen Hausdrachen und leben quasi im Büro.. Wenn ich theoretisch um 18h Feierabend hätte und der Chef bis 22h bleibt, weil er nicht nach Hause möchte, würde ich auf diese Regel wahrscheinlich auch scheißen.. Wenn es sich aber nur um 30 Minuten oder so handelt, würde ich mich schon dran halten.

Überstunden in Handwerksberufen sind übrigens normal!
Meine vorige Gartenbaufirma war eine sehr große Ausnahme mit festen Arbeitszeiten von 7:30 – 17:30.
Zumindest als Gärtner hat man Vorbereitungszeit, Nachbereitungszeit und die Kernzeit.
In meinem Fall war die Kernzeit von 8:00-17:00 und nur diese wurde bezahlt.
Wir hatten eine halbe Stunde um den Tag vorzubereiten (Geräte heraussuchen und Autos beladen) und eine halbe Stunde zum Abladen und Aufräumen.
In anderen Firmen hat man Vor- und Nachbereitungszeit auch, nur arbeitet man dort auf der Baustelle bis man fertig ist. Und wenn man bis 19:00 arbeitet, muss man trotzdem noch Abladen und Aufräumen. Und der Fahrtweg von der Baustelle bis zur Firma kommt selbstverständlich auch noch dazu.
Das gibt es in Deutschland aber auch ^_-

So.. Ich hoffe, ich konnte ein bisschen etwas über die japanische Arbeitswelt offenbaren..

Theoretisch kann man hier arbeiten wie überall sonst auch. Es gibt nur Gesellschaftsinterne Regeln, die Japaner dazu anhalten zu lange und zu viel zu arbeiten, auch wenn es eventuell gar nicht so viel zu tun gibt.

In wie weit man sich als Ausländer anpasst und anpassen kann, hängt vom eigenen Charakter und von der Firma ab.
Manche verlangen, dass man sich zu 100% anpasst, andere sind toleranter.
Und wie schnell mal sich in die Hierarchie und die Sitten der japanischen Arbeitswelt einfinden und sich an diese halten kann, obwohl sie manchmal komplett bescheuert sind, hängt vom Charakter ab..

[Nihon Basics] Schuhe ausziehen!!

Ich möchte eine kleine neue Reihe ins Leben rufen, nachdem ich denke, dass vielleicht doch nicht alle die Basisregeln für das Leben in Japan kennen.

Auslöser war, das ist jetzt etwas fies, aber Pech, meine neue Praktikantin.
In den Bewerbungsmails schrieb sie, sie hätte großes Interesse an japanischer Kultur und Natur und sie lerne auch schon Japanisch.
Außerdem war sie schon einmal für einen Monat in Kyoto um für ein Uniprojekt zu arbeiten.
Hörte sich gut an!
Sie ist auch eine ganz Liebe und sehr motiviert, aber beim Wissen um die Basics hapert es doch gewaltig!

Ich begleitete sie an ihrem ersten Tag in Japan vom Flughafen bis zum Abendessen.
Der erste Weg führte uns zu ihrem Sharehouse, wo ein Angestellter sie bereits erwartete um den Papierkram zu erledigen.
Er ließ sie zuerst ins Haus gehen.
Sie ging hinein, zögerte kurz bei der kleinen Stufe im Eingangsbereich und setzte dann ihren Fuß darauf.
STOP!!!!!
Ich gebot ihr sofort Einhalt.

写真 (23)
Latschen für draußen. Nicht für den Wohnungsgebrauch!

Wohnungen in Japan (mit Ausnahme von Wohnungen, die oft von Expats genutzt werden) gibt es hinter der Tür einen kleinen Bereich, der durch eine Stufe von der eigentlichen Wohnung getrennt ist.
Hier werden IMMER! die Schuhe ausgezogen bevor man die Wohnung betritt.
Das gilt auch für Sharehouses! In meinem Leben habe ich jetzt noch nicht so viele von innen gesehen. Um genau zu sein nur 6. Diese 6 Sharehouses waren alle unterschiedlich. Vom teureren Neubau bis zur schäbigsten Altbaubude. Aber was sie alle gemein hatten, war, dass man die Schuhe ausziehen muss.

Für mich war das von Beginn an absolut verständlich, weil ich auch in Deutschland hinter der Tür immer die Schuhe ausgezogen habe. Nicht nur bei uns, auch bei all meinen Freunden ist das so. Selbst ohne kleine Stufe.. Im Flur Schuhe aus!
Gibt es tatsächlich Leute, die mit den übelsten Schneematsch-Schuhen bis ins Wohnzimmer durchlaufen? Da muss man doch viel intensiver putzen?
Tägliches Wischen anstatt Staubsaugen-Wischen-Kombi.. Also ne danke…

Naja.. Auf jeden Fall wechselte die Praktikantin, übrigens aus England, nicht nur die Kleidung in ihrem Zimmer während ich am Eingang wartete, sie zog sich auch bequemere Schuhe an. In ihrem Zimmer.. Und lief damit nach unten um mich dort zu treffen..
Und das Sharehouse ist mit Teppich ausgelegt.
Wirklich ein No-Go!
Aber ich hoffe, inzwischen hat sie es drauf!

Es geht das Gerücht um, dass selbst Feuerwehr und Ärzte sich die Schuhe ausziehen, bevor sie in eine Wohnung gehen.
Ich hatte diesen Fall noch nicht..
Aber ich gehe mal stark davon aus, wenn es brennt und die Feuerwehr löschen muss, ist ihnen die Schuhregel herzlich egal. Sie ruinieren ja eh alles mit Wasser, Schaum oder Pulver.
Bei Ärzten richtet es sich wohl je nach Situation.
Allerdings gibt es da eine ganz tolle Erfindung!
Plastiküberzüge für Schuhe!
Die werden von Ärzten, aber auch von der Polizei benutzt.
Und man findet sie auch manchmal in Tempeln.
Denn: bei Schuhe ausziehen im Haus bleibt es natürlich nicht!
Wenn ihr Tempel besichtigen geht, werdet ihr meistens die Schuhe ausziehen müssen. Manchmal gibt es Latschen zum Ausgleich, manchmal müsst ihr damit rechnen, dass euch die Füße abfrieren, wenn ihr Tempel im Winter besucht.
Ist der Ausgang ein anderer als der Eingang, werdet ihr eure Schuhe in Plastikbeuteln mitnehmen müssen.

Auch beim Arzt heißt es oft: Schuhe aus!
Im größeren Krankenhaus nicht, aber wenn ihr in eine kleinere Praxis kommt, kann es durchaus vorkommen, dass ihr Schuhe gegen Latschen tauschen müsst. Guckt am Eingang nach der kleinen Stufe und ob sich im Eingangsbereich ein Schuhregal befindet. Dann wisst ihr bescheid, ob ihr die Schuhe anbehalten könnt oder nicht!

Wenn ihr umzieht, benutzt ihr eventuell ein Umzugsunternehmen. Auch für die Mitarbeiter heisst es selbstverständlich Schuhe aus.
Sie tauschen vor Beginn der Arbeit ihre normalen Schuhe gegen Latschen, die sie dann in der Wohnung einfach an- und ausziehen können. Denn auch wenn ihr in einer leeren Wohnung steht, gilt die wichtigste Regel überhaupt: Schuhe aus!

Zusatz: Eine aufmerksame Leserin machte mich auf zwei weitere Interessante Punkte bezüglich Schuhe aufmerksam, und die will ich euch auch nicht vorenthalten!
Toilettenschlappen!
Der, vielleicht, größte Angstfaktor was Schuhe angeht in Japan (neben fehlenden Schuhenn in größeren Größen..).
Die gemeine Toilettenschlappe gehört nämlich zur gefährlichsten Art ihrer Gattung!
In manchen Toiletten in Privathaushalten, Restaurants, Hotels oder auch Arztpraxen, werdet ihr hinter der Tür Toilettenschlappen vorfinden. Diese muss man gegen die normalen Hausschlappen tauschen, sein Geschäft verrichten und das ganze retour, wenn man die Toilette wieder verlässt.
Nicht selten vergisst man das und läuft dann mit Toilettenschlappen durch das Haus oder Restaurant..
Das ist mega peinlich, weil sie oftmals in wunderschönem Babyrosa oder Babyblau gehalten sind.

An dieser Stelle möchte ich nochmal kurz auf Restaurants eingehen.. Manche Restaurants bieten Tische auf Tatami an. Davor heisst es natürlich Schuhe ausziehen. Muss man zur Toilette, stehen spezielle Latschen für den Weg dorthin zur Verfügung, so dass man nicht erst die eigenen Schuhe suchen muss.

Tatami werden grundsätzlich! ohne Schuhe und auch ohne Schlappen betreten!

Und noch eine kleine Anmerkung zum Schluß.
Zum guten Ton gehört es, Schuhe im Eingangsbereich immer zur Laufrichtung auszurichten. Zieht ein Gast also die Schuhe aus und betritt die Wohnung, dreht der Gastgeber die Schuhe um und stellt sie ordentlich nebeneinander, so dass der Gast es später einfach hat die Schuhe anzuziehen und die Wohnung zu verlassen.
Ist es einem unangenehm, kann man das Umdrehen auch selbst machen.