Ueno Park (mit Kind)

Tessa fragte mich eines Tages, ob ich an einem Sonntag nicht mit raus wolle. Wollte ich! Eigentlich war der Plan der Kaiserpalast gewesen, was mir sehr gut gepasst hätte, da ich dort noch gleich Fotos für die Arbeit hätte machen können, aber irgendwie wurde es dann doch Ueno.

Ich kann der Ueno Gegend nicht viel abgewinnen. Einmal da gewesen sein reicht meiner Meinung nach. Zumindest mir..
Deshalb kam ich auch nur wegen des geplanten Zoobesuchs mit.

Eigentlich wollte ich in Japan nie wieder in den Zoo, aber bei anderen Ausländern hatte ich gelesen, dass der Ueno Zoo westliche Standards hätte.
Nun ja, dazu später mehr…

Der Ueno Park ist recht groß und hat für Erstbesucher einiges zu bieten.

Kadomatsu vor dem National Museum.

Um ihn herum befinden sich viele viele Museen sowie eine Musikhalle.
Rasenflächen sucht man aber vergebens.
Die Museen sind u.a die folgenden: Tokyo National Museum, National Museum für westliche Kunst, Ueno Royal Museum, National Museum für Naturwissenschaften, Ueno Shitamachi Museum und das Tokyo Metropolitan Art Museum.
Ich war bisher nur im Tokyo National Museum, da dies einen Garten besitzt. Aber das Museum für westliche Kunst bekommt viele interessante (und dann sehr überfüllte) Ausstellungen und der Blauwal in Lebensgröße vor dem Science Museum ist auch beeindruckend.
In der Musikhalle war ich ebenfalls bereits. Allerdings kommen die großen und guten Orchester nicht hierher.

Eingang zur Kinderbibliothek

Etwas anderes Interessantes findet man ein Stück entfernt, westlich vom Tokyo National Museum. Dort gibt es nämlich eine internationale Kinderbibliothek.

Alter Eingang zum Bahnhof Zoo.

Noch ein Stückchen weiter weg findet man das alte Eingangsgebäude zum Bahnhof Ueno Zoo der Keisei Linie.
Sucht diesen Bahnhof mal auf einer Karte!
Nicht gefunden? Kein Wunder! Den gibt es nämlich nicht mehr!
Nun ja, gibt es doch, wird aber nicht mehr angefahren. Mit Glück könnt ihr aus der fahrenden Keisei Linie einen Blick auf ihn erhaschen.

Das Ueno Park Areal gehörte früher zum Kan’ei Tempel. Es war ein riesiger und mächtiger Tempel, der eng mit dem Tokugawa Shogunat verknüpft war.
Als es während der Meiji Restauration zum Boshin Krieg kam, stellte sich der Tempel auf Seiten des Shogunats und verlor mit ihm.
Viele Teile des Tempels wurden während des Krieges zerstört, doch so manche Überreste und Neubauten finden sich doch.
Die Haupthalle befindet sich ein ganzes Stück weit Richtung Nippori und ist wenig spektakulär. Sie stammt von einem Tempel aus Kawagoe und ist eine typische Haupthalle wie man sie überall findet.
Spannender ist da die große Pagode im Zoo, die riesige Laterne vor dem Toshogu Schrein, dieser selbst, das große Buddhagesicht auf dem Hügel, sowie die Kiyomizudera nachempfundene Halle mit Terrasse.
Auch der Inari Schrein ist interessant und dort habe ich das einzige Neue entdeckt.
Der Inari Schrein beherbergt eine sehr starke Gottheit. Tokugawa Ieyasu bat diese ihm zu helfen und siehe da, er wurde Shogun und begründete eine der mächtigsten Dynastien Japans.
Die Gottheit befindet sich hinter einer Gittertür in einem grottenähnlichen Teil.
Es wird auf einem Schild (nur Japanisch) darauf hingewiesen, dass nur Menschen, die die Gottheit ehren wollen hinein dürfen.
Mein Mann meinte zu mir, ich könne ruhig gucken gehen, was ich auch tat.
Er selbst jedoch blieb lieber draußen, denn er als Japaner hätte vor der Gottheit mehr zu befürchten als ich Ausländerin.
Wir waren nun mal nicht gekommen um die Gottheit zu besuchen..

Haupthalle des Kan’ei-ji aus Kawagoe.

Aber zurück zum Tempel. Besucht man die Haupthalle, so kann man auf einer Tafel nachlesen, dass das Tokugawa Shogunat sich bemühte in Ueno ihr kleines Kyoto nachzubilden.
Kyoto wurde damals aufgrund der Lage an genau dem Ort gebaut wo es heute ist. Nach Feng Shui ist das nämlich ein äußerst vorteilhafter Platz.
In Tokyo baute man somit um den Biwa See (Shinobazu Teich) Kyoto nach. So gibt es Kiyomizudera (Kiyomizu Kannon-do) und den Hiei-zan Enryoku-ji Tempel (Tōei-zan Kan’ei-ji Tempel).
Der vorher erwähnte Toshogu Schrein ist natürlich besonders für diejenigen interessant, die es auf ihrer Japanreise nicht nach Nikko schaffen.
Zwar gibt es in Ueno keine drei berühmten Affen und keine schlafende Katze, aber natürlich viele Laternen und ein mit Gold verziertes Tor.
Trotzdem, wer es schafft sollte Nikko besuchen. Vor allem im Sommer versprüht das Grab von Tokugawa Ieyasu ein ganz besonderes, etwas schauriges Flair.
Es gibt übrigens noch mehr Toshogu Schreine in Japan. Mindestens zwei weitere befinden sich in der Präfektur Shizuoka und warten darauf von meinem Mann und mir besucht zu werden.
Auf dem Gelände des Kan’ei-ji gab es insgesamt sechs Mausoleen von Tokugawa Shogunen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten blieben die vom 4. Shogun Ietsuna, und die des 5. Shoguns Tsunayoshi.
Direkt neben dem Toshogu Schrein befindet sich der Päonien Garten, der auch winterblühende Päonien beherbergt. Für einen saftigen Eintrittspreis zur Saison im Winter von 700¥ habe ich mir das aber noch nie angetan. Geht man außerhalb der Saison kostet der Spaß 500¥.
Man merke, dass der Eintritt in einen der großen und berühmten Gärten Tokyos normal nicht mehr als 300¥ kostet.

Die Kiyomizudera Nachbildung, die meiner Meinung nach übrigens nicht die hübscheste in Tokyo ist (das ist eine in Ochiai), blickt auf den „Biwa See“. Davor findet man die berühmte Kiefer Tsuki no matsu, die im Kreis gewachsen ist und so schon auf einem Holzschnitt von Hiroshige zu sehen.
Allerdings ist es nicht die gleiche Kiefer wie damals, es wurde 2012 eine neue gepflanzt.
Unterhalb der Kiyomizu Kannon-do liegt der Shinobazu Teich mit einer Insel in der Mitte. Diese wurde später in den Teich gebaut und der Insel Chikubu im Biwa See nachempfunden. Genau wie beim Original befindet sich auf ihr ein Schrein für Benzaiten, eine shintoistische wie auch buddhistische Gottheit, die ihren Ursprung in der indischen Göttin Sarasvati hat.
Der Teich ist besonders schön wenn die vielen Lotus blühen oder wenn sie im Winter ihre Saatstände in den Himmel recken.

In der Nähe findet man eine Nachbildung der Glocke, die früher in Edo die Zeit angab, und das Gesicht des Daibutsu, des großen Buddhas, der hier einmal stand.

Für diejenigen, die die Taiga-dorama auf NHK verfolgen, ist möglicherweise noch die Statue von Saigō Takamori interessant.
Dieser ist Hauptcharakter des diesjährigen (2018) Doramas und diente als Vorlage für „Last Samurai“ mit Tom Cruise.
Saigō ist einer der Leute, die bei dem Sturz des Shogunats eine große Rolle gespielt haben.

Ueno Park Karte
Klicken für Wege mit Treppen.

Der Park mit Kinderwagen:
Leider wurde der Kan’ei-ji damals auf dem Shinobu ga oka Hügel gebaut und somit erstreckt sich der Park über mehrere Ebenen.
Viele direkte Wege führen nur über Treppen und man muss Umwege nehmen um zum Beispiel vom Bahnhof Ueno aus den See oder den Inari Schrein zu erreichen.
Sehenswürdigkeiten wie das Buddhagesicht bleiben einem gleich ganz verwehrt und der Zugang zum Toshogu ist sehr sehr holprig.
Obwohl es im Park überall Toiletten gibt, auch Multifunktionstoiletten, sind nicht alle mit einem Wickeltisch ausgestattet.
Die vorhandenen Wickelmöglichkeiten empfehle ich nicht, da eng und nicht klimatisiert.
Geht am besten ins Tokyo Bunka Kaikan, die Konzerthalle. Die Toiletten können von jedem genutzt werden und es gibt gleich zwei geräumige Toiletten mit Möglichkeiten zum Wickeln oder Stillen.
Es gibt einen kleinen Kinderspielplatz nahe des Haupteingangs zum Ueno Zoo (auf der rechten Seite).

Der Beitrag zum Park ist nun schon so lang geworden (und ich musste mich schon bremsen, ich könnte noch Romane zum Thema Kimon und Urakimon des Edo Schlosses verfassen), deshalb verschiebe ich den Zoo auf demnächst!

Details:
Anfahrt:
via Bahnhof Ueno

    JR:

  • Yamanote Linie
  • Keihin-Tohoku Linie
  • Joban Linie
  • Utsunomiya Linie
  • Takasaki Linie
    Keisei:

  • Keisei Hauptlinie Endbahnhof
    Shinkansen:

  • Akita
  • Joetsu
  • Hokuriku
  • Tohoku
  • Yamagata
  • Hokkaido

Alle Bahnhöfe sind mit Fahrstühlen ausgestattet.

via Bahnhof Nezu

  • Chiyoda Linie

via Bahnhof Yushima

  • Chiyoda Linie

via Bahnhof Ueno-hirokoji

  • Ginza Linie

via Bahnhof Ueno-Okachimachi

Öffnungszeiten und Eintrittspreise:
Der Park hat immer geöffnet und kostet keinen Eintritt.
Zoo, Bootverleih, Museen und der Toshogu Schrein haben ihre eigenen Öffnungszeiten und Preise.
Es gibt ein Kombiticket für den Päoniengarten und den Toshogu Schrein (1100¥).

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