Ausländersticker auf Leihwagen

Bild von japantoday.com

In Japan findet man nicht nur „Baby on board“ sticker, es gibt auch Sticker (Magnete) für Fahranfänger und ältere Leute.

Auf Okinawa und Hokkaido kam jetzt noch der „Ausländer fährt“ Sticker hinzu und erhitzt die Gemüter der ausländischen Community..

Da möchte ich doch mal meinen Senf dazu abgeben!

Als ich in Japan anfing zu fahren, hatte ich bereits seit 10 Jahren meinen Führerschein.
Trotzdem musste auf mein Auto der Anfängersticker.
Ich habe ihn geliebt und war absolut deprimiert als meine Kollegen ihn mir wieder abnahmen mit der Begründung ihn länger als benötigt zu benutzen sei nicht erlaubt.

Warum ich den Sticker geliebt habe?
Die anderen Autofahrer waren einfach rücksichtsvoller. Noch rücksichtsvoller!

In Hamburg bin ich ungerne in die Stadt gefahren, weil mich Spurenwechsel unglaublich gestresst haben. Kannte ich den Straßenverlauf nicht und musste innerhalb kurzer Zeit wechseln oder habe meine Abzweigung gesucht, war es unglaublicher Stress.
Entweder die anderen Autofahrer ließen einen nicht rein oder hupten wenn man langsamer wurde um zu gucken, ob es schon Zeit für die Abzweigung ist.

In Saitama und auch an Tokyos Rand habe ich solche Erfahrungen nie gemacht! Spurenwechsel war gar kein Problem! Sowohl mit als auch ohne Sticker. Jedoch waren die Lücken mit Sticker eindeutig größer ^_-
Auch jetzt noch, nachdem ich wieder einige Jahre nicht gefahren bin, würde ich mich ohne zu zögern in Tokyos zentrales Getümmel werfen. Kein Problem!

Aber zurück zu den Ausländer Stickern.
Diese sind natürlich für Touristen gedacht.
Leider machen die zuständigen Behörden hier ihren ersten Fehler.
So steht auf dem Sticker „外国の方“ – Ausländer und nicht, wie es meiner Meinung nach gehört „観光客“ – Tourist.
Die ausländische Community unkt schon, dass die, die hier schon 20+ Jahre im Land leben und täglich fahren nun auch so einen Sticker bekommen, wenn sie ein Auto mieten.

Obwohl ich denke, dass es nicht passiert sobald man einen japanischen Führerschein vorlegt, kann ich ihre Gefühle sehr gut verstehen.
Hier geht man einfach mal wieder davon aus, dass alle Ausländer Touristen sind und Japaner in unbekannten Gegenden sicher fahren.

Ich gebe zu, würde mir jemand in München so einen Sticker verpassen, würde ich auch schief gucken, aber wie schon gesagt, die Sticker werden sicher nur an Autos angebracht, die ohne japanischen Führerschein gemietet wurden. Es sollte also kein Problem sein die „richtigen“ Leute zu erwischen.

Gehen wir weiter: Touristen, die zu Hause seit zig Jahren unfallfrei fahren fühlen sich auf den Schlips getreten.

Tut mir leid, aber das kann ich nicht nachvollziehen.
Wenn man aus einem Land mit Linksverkehr kommt vielleicht noch. Aber man braucht einfach zumindest eine kurze Zeit um sich an den Linksverkehr zu gewöhnen! Und wenn es nur darum geht nicht Blinker und Scheibenwischer zu verwechseln!
Man braucht einfach manchmal ein paar Sekunden um zu schalten (im Kopf, die Autos hier sind Automatik) oder die fremden Verkehrsschilder einzuordnen.
Hat man nun so einen Sticker auf dem Auto und die Rücksicht der anderen Fahrer, fährt es sich einfach sicherer. Punkt.

Jemand argumentierte, dass es dann auch Sticker für Leute geben sollte, die während der Fahrt fernsehen (ein leidiges Problem..), sich rasieren, die Zigarette aus dem Fenster hängen haben oder 90 Jahre alt sind..
(Nicht alle alten Leute nutzen den entsprechenden Sticker.)
Einfach, weil man vor diesen Fahrern auch gewarnt sein möchte.
Das stimmt natürlich, aber zumindest die ersten sind Sache der Polizei und die letzten Sache der Regierung.

Auch sind viele genervt, dass auf Englisch und Japanisch nicht das gleiche steht – möglicherweise der zweite große Fehler der Behörden.

Fasse ich zusammen: Die Behörden müssen an der Wortwahl feilen und die Touristen ihren Stolz überwinden und schwupps gibt’s (hoffentlich) keine Probleme mehr!

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8 Gedanken zu „Ausländersticker auf Leihwagen

  1. Die Wortwahl ist halt wirklich unpassend, ich fahre zwar gar nicht Auto, aber würde mir jemand versuchen so ein Ding überzuhelfen, wäre ich wahrscheinlich sehr verletzt.

    • Wenn es ein schicker Sticker ist und ich wirklich fremd im Land bin und die Verkehrsregeln nicht komplett beherrsche, dann immer her damit!
      In Japan? Nein danke!
      In Deutschland würde ich inzwischen aber einen nehmen xD
      Ich kann mich einfach nicht ans rechts fahren gewöhnen..

  2. Ich finde, das ist mal wieder eines dieser „Probleme“, das eher auf unserer heutigen Gesellschaft, als auf den Behoerden beruht.
    Dass Jeder auch nur beim geringsten Piep schon direkt sich persoenlich angegriffen fuehlt und dies lauthals kundtun muss ist einfach ein Geschwuer, das Momentan sich total entfalten kann.
    Genauso, wie immer noch manche Menschen sich aufregen, wenn sie „Gaijin“ genannt werden. Ich meine, ich bin Auslaender und kein Japaner, also warum sollte man das nicht so aussprechen duerfen?

    Wenn man sich davon irgendwie auf den Schlips getreten fuehlt oder aehnliches, sollte man eventuell erstmal selbst mit sich klarkommen bevor hier wieder ein Fass ueber nichts aufgemacht wird.

    Klingt jetzt am Ende eventuell wieder heftiger als es gemeint ist, aber dieses andauernde Gejammere wegen allem und nichts ist einfach anstrengend.

    • Zum Teil stimme ich dir da zu. Es wird gerne gleich überreagiert.
      Jedoch basiert das „Gaijin“ auf einer ernsten Beleidigung. Der korrekte Begriff wäre Gaikokujin oder eben Gaikoku no kata.
      In Deutschland sagt man ja das N Wort auch nicht.
      Man sollte jedoch in Japan unterscheiden lernen wie Gaijin benutzt wird. Manche machen es ohne Hintergedanken, andere aber leider schon.

      Und die Behörden sind leider wirklich (noch) unsensibel wenn es um Ausländer geht. Auch sie müssen erst lernen mit der steigenden Zahl an in Japan lebenden Ausländern klar zu kommen.
      Schön wäre da ein Dialog oder in den Behörden arbeitende Ausländer.
      Gerne wird jedoch noch auf beides verzichtet und dann kommen dabei oft politisch leicht unkorrekte Sachen bei raus..

      • All die Zeit in Japan hatte ich nie jemanden, der „Gaijin“ als Beleidigung nutzt.
        Auch wenn es zu irgendeiner historischen Zeit so genutzt wurde, ist es mittlerweile einfach nur die Abkuerzung; man weiss ja wie Japaner zu „langen“ Woertern stehen, wenns kuerzer geht wird es genutzt.
        Kann man meiner Meinung nach nicht wirklich mit dem N-Wort vergleichen, wobei das wohl auch Ansichtssache ist.

        Naja, ich bin ein Mensch der der Meinung ist, dass der „Auslaender“ an sein Gastland anzupassen zu hat und nicht umgekehrt. Sieht man ja in Deutschland wo das hinfuerht.
        Ich moechte in Japan leben, also hab ich mich auch dementsprechend zu verhalten (meiner Meinung nach auch als Tourist)
        Das „politisch Unkorrekte“ ist eben auch nunmal sehr stark nach diversen westlichen Werten gewertet. Hier gelten aber in erster Linie die Landeseigenen Werte.

        Sorry :D
        Wollte hier deinen Post jetzt eigentlich nicht so sehr in diese Richtung ziehen.
        Ich hoer mal besser auf ;)

      • Da könnten wir jetzt lange diskutieren ^_-
        Ich habe Gaijin schon negativ bewertet erlebt.
        Und ja, natürlich muss man sich anpassen, aber auch Japan muss sich bei gewissen Dingen im Zuge der Globalisierung anpassen.
        Wenn ein Land jetzt findet, dass Vergewaltigungen und Missbrauch von kleinen Mädchen voll in Ordnung ist, muss es nicht drauf hoffen, dass Touristen oder Einwanderer es akzeptieren. Um es mal überspitzt darzustellen.
        Ja, man muss nicht in so ein Land auswandern, wenn man damit nicht einverstanden ist, aber vielleicht bietet dieses Land ja andere Dinge, die es total erstrebenswert machen dort zu leben oder dorthin zu reisen…
        Da würde man sich dann wünschen, dass dieses Land die Standards der anderen Länder übernimmt.

        Und es gibt ja auch immer noch die im Land geborenen oder diejenigen, die die Staatsangehörigkeit angenommen haben. Als so jemand mag man auch nicht gerne als „Ausländer“ betituliert werden und Japan ist da ja doch gerne sehr voreilig. Selbst Hafus werden ja noch nicht gänzlich akzeptiert.

        Ich persönlich sehe mich aber als Ausländerin. Ich bin nicht hier geboren und ich habe nicht vor meine Staatsangehörigkeit aufzugeben.
        Ich passe mich soweit an, dass ich niemanden störe und möchte dann aber im Gegenzug bitte ebenfalls mit Respekt behandelt werden.
        Und um Respekt geht es hier oft.

        Ich finde auf jeden Fall die Sache mit dem Sticker nicht schlecht. Nur wäre wahrscheinlich ein neutraler Sticker ohne Beschriftung vollkommen ausreichend und niemand würde sich dran stören.

        Und was Deutschland angeht mag ich mal behaupten, dass sich die Mehrzahl der Einwanderer in der Öffentlichkeit anpasst, weil sie eben schon froh sind in Deutschland leben zu dürfen.
        Dass eine gänzlich nicht deutsche Familie in Deutschland zu Hause komplett angepasst lebt, ist ziemlich unwahrscheinlich und sollte auch nicht verlangt werden.
        Es tut mir leid, aber wäre mein Mann nicht Japaner, ich würde sicher häufiger Deutsch kochen oder Abendbrot essen und jeden Tag Baden käme mir auch nicht unter. Außerdem würde mit Sicherheit nur Deutsch zu Hause gesprochen werden.
        Ich käme mir sehr komisch vor mit einem deutschen Mann zu Hause Japanisch zu sprechen, nur weil wir in Japan leben.
        Und was das Lernen einer Fremdsprache angeht, da werde ich sicher auch über niemanden urteilen, da ich selbst weiß wie schwer es ist.
        Es ist immer leicht aufgrund von Negativbeispielen auf eine gesamte Gruppe zu schließen.
        Wer mir in Deutschland negativ auffällt sind fast ausschließlich in Deutschland geborene.

  3. Also ich habe keinen Führerschein (und weiß auch nicht, ob ich jemals einen haben werde ^^), finde aber, dass solche Sticker an sich eine gute Sache sind. Wie du schon sagst, ist es für einen selbst vermutlich einfach sehr viel angenehmer und für den Rest des Straßenverkehrs auch sicherer, wenn man in fremden Terrain als „Anfänger“ ausgezeichnet wird, zumindest temporär.

    Beim Aufkleber selbst hat es in mir allerdings auch kurz gezuckt ^^ Dass sich davon einige Leute angegriffen fühlen, kann ich gut nachvollziehen. Da eine politisch korrektere Bezeichnung wie „観光客“ schon angebrachter. Aber gut, in dem Zusammenhang sind japanische Behörden leider wirklich oft etwas … unsensibel :3

    Und was das „Du bist in Japan, also pass dich an“ angeht: Klar, dass man sich nicht über alles aufregen und bei jedem Thema überreagieren muss, da schließe ich mich komplett an. Auch, dass man sich in soweit anpasst, dass man sich nicht nur selbst wohlfühlt, sondern auch seinen Mitmenschen gegenüber respektvoll agiert, sollte eine Selbstverständlichkeit sein.
    Das bedeutet aber nicht gleichzeitig, dass man sich stumm mit allem abfinden muss, was einem als „Gaijin“ so entgegen schlägt. (Und nein, dass das Wort mittlerweile nur noch als Kürzel benutzt wird, glaube ich nicht ;) )
    Ob nun bei „banalen“ Sachen wie Autoaufklebern oder in ernsteren Situationen, gegenseitiger Respekt ist immer ein Schlüsselwort.

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