Schwanger in Tokyo – Tragehilfen

Das ist jetzt zwar nicht unbedingt in der zeitlich richtigen Reihenfolge, aber ich möchte trotzdem erstmal über Tragehilfen berichten.

Spätestens kurz vor der Entlassung aus dem Krankenhaus stellt sich ja die Frage, wie man mit Kind nach Hause kommt…
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln, eigenem Auto oder Taxi..
Sowohl im eigenen Auto als auch im Taxi sind natürlich ein Kindersitz von Nöten (ja, man kann spezielle Taxis mit Kindersitz vorbestellen!).
Fährt man jedoch mit Bus oder/und Bahn, braucht man eine Tragehilfe (oder einen Kinderwagen – dazu später mehr).
Und es gibt so unglaublich viel Auswahl!!!
Am Anfang ist man da ziemlich aufgeschmissen, vor allem weil die üblichen Tragehilfen alle erst ab einem Alter von 4 Monaten (wenn das Kind den Kopf eigenständig halten kann) empfohlen werden.
Jedoch gibt es, bei gründlicher Recherche, auch genug Optionen ab Geburt.

Die beste Option ist das Tragetuch! Hier wird das Baby optimal in der „Anhock-Spreiz-Haltung“ getragen und das Tuch wächst mit.
Allerdings erfordert es auch Übung und Courage das Kind einzubinden!
Oft wird im Internet empfohlen mit einer Puppe oder einem Teddy zu üben. Aber ganz ehrlich, ein lebendiges Kind ist was ganz anderes! Vor allem wenn es brüllt und sich steif macht..

Als nächstes springen einem wohl die üblichen Tragehilfen wie Ergobaby ins Auge..
Und da fängt bei einer Marke schon die Qual der Wahl an! Da gibt es den Ergo Original, den 360, den Performance, Organic Cotton, Adapt, und und und! (Wobei nicht alle in allen Ländern angeboten werden, bzw. manche Modelle nicht mehr verkauft werden. Glaube ich zumindest..).
Beim Ergobaby braucht man für alle Modelle, bis auf beim Adapt, einen Neugeborenen Einsatz für die ersten Monate.
Und auch hier.. Nicht alle Babys finden die toll… Chibi-Mamo-chan hat beim Ergo gebrüllt!! Allerdings hat er das auch beim Tuch, beim Sun&Beach und sämtlichen anderen Tragehilfen…
Und ich selbst war mir auch nie sicher, ob ich den Neugeborenen Einsatz richtig in der Tragehilfe positioniert hatte.. Vielleicht hatte ich ja etwas falsch gemacht und der Lütte hatte Schmerzen?
(Inzwischen weiß ich, dass er sich einfach dran gewöhnen musste..)
Weil mir Neugeborenen Einsätze also suspekt waren und außerdem zu warm erschienen, musste etwas anderes her, was man ab Geburt nutzen kann.
Das wären dann z.B. Ring Slings, Mei Tais, Fly Tais etc…
Einen Ring Sling wollte ich nicht.. Das ist im Prinzip ein Tragetuch, dass mit zwei Ringen an einer Schulter befestigt wird, so dass sich eine Tasche for dem Bauch bildet. In diese kann man das Kind legen oder setzen.
Ich finde aber, Ring Slings sehen super aus zum für relativ kurze Zeit auf die Hüfte setzen, was erst für ältere Kinder geeignet ist.
Also Mei Tai oder Fly Tai..
In einem Land, in dem gefühlt 90% der Mütter einen Ergobaby benutzen und man nie Tragetücher sieht, eine Fly Tai oder Mei Tai zu bekommen ist nicht so einfach, ging dann aber doch.
Ich entdeckte die Mei Tai von Infantino auf Yahoo Auction und Anji ersteigerte sie mir.
Und so begann unsere Tragegeschichte..
Mit viel Frust zu Anfang und viel Freude über Fortschritte!
Bei der Infantino Mei Tai muss man zu Beginn den Steg unten abbinden, da er zu breit für kleine Babys ist.
Wenn ein Baby auf dem Rücken liegt, hat es die Beine oft in der empfohlenen „M“ -Haltung und man kann einfach von Kniekehle zu Kniekehle Maß nehmen.
So breit sollte der Steg der Tragehilfe sein.
Zu Anfang gab es wie gesagt ordentlich Gezeter, aber mit der Zeit gewöhnte sich Chibi-Mamo-chan daran in die Mei Tai gesetzt zu werden.
Er mochte übrigens nur das Reinsetzen nicht. Sobald er drin war schlief er sofort ein..

Allerdings stand irgendwann ein Termin an, zu dem ich nicht die Mei Tai benutzen wollte, da ich nach einiger Zeit immer üble Rückenschmerzen von ihr bekomme und eventuell auch ein Großelternteil den Lütten mit Tragehilfe tragen soll.
Also musste ich Chibi-Mamo-chan an etwas anderes gewöhnen..
Von Verwandten hatten wir eine Tragehilfe der japanischen Marke Sun&Beach bekommen.
Allerdings ohne Neugeborenen Einsatz, den kauften wir dazu..
Ich benutzte zuerst den Sun&Beach und nicht den Ergo, weil der Sun&Beach einfach luftiger ist und auch der Neugeborenen Einsatz nicht so dick und warm ist.
Schließlich hatten wir Sommer…
Wieder gab es am Anfang Theater, das stellte sich aber später ein..
Inzwischen hatte ich auch so viel Übung Chibi-Mamo-chan zu halten und weniger Angst ihn kaputt zu machen, so dass die Benutzung des Neugeborenen Einsatzes besser klappte..
Bis auf einmal, als ich in die Firma fuhr um ein paar Dokumente beim Chef abzuliefern und Chibi-Mamo-chan dem Architekten vorzustellen.
Irgendwas muss falsch gelaufen sein, denn der Lütte schrie wie am Spieß und ließ sich kaum beruhigen.
Von da an hatte ich unglaubliche Panik ihn unterwegs aus der Tragehilfe zu nehmen. Denn wenn er sich nicht wieder einpacken lässt, wie kommt man denn dann nach Hause?
Inzwischen denke ich auch, dass er das Kissen was beim Sun&Beach zwischen die Beine kommt nicht mehr mag. Er ist in der Tragehilfe jetzt immer unruhig, schläft schlecht ein und weint oft beim einpacken.

Zeit also für den Ergo! Zum Glück ist es inzwischen auch oft kühler, so dass ich kein schlechtes Gewissen mehr habe den wärmeren Neugeborenen Einsatz zu benutzen (inzwischen gibt es auch luftigere für den Sommer soweit ich weiß).
Und obwohl ich mir nie ganz sicher bin ob der Po jetzt richtig auf dem Kissen sitzt, scheint Chibi-Mamo-chan es momentan lieber zu mögen als das von Sun&Beach.
Es gibt kein Geweine und er schläft auch schneller ein, wobei immer noch oft unter Protest. Allerdings wahrscheinlich eher, weil er am liebsten beim Stillen einschläft und ihm das in der Tragehilfe nicht geboten wird.. Deshalb protestiert er..

Ich habe also in zwei Monaten vier unterschiedliche Tragehilfen ausprobiert.
Kommen wir zu meinem Fazit:

Infantino Mei Tai: Super in der Wohnung um unruhiges Kind einzutüten um Wäsche aufzuhängen, da kein Neugeborenen Einsatz gebraucht wird.
Nachteil: Geht extrem auf den Rücken! Fly Tai ist da sicher besser geeignet!

Sun&Beach: Besser als der normale Ergo für den Sommer, da luftiger (Ergo bietet für den Sommer z.B. aber den Performance Ventus). Tolle Designs, kleine lokale Marke (Kamakura).
Nachteil: Geht bei mir nach 1-2 Stunden auf den Rücken. Ist für japanische Mütter, die schmaler und kleiner sind, gedacht.
Ich mag den Sonnenschutz nicht.

Ergobaby Performance: Sitzt bei mir sehr bequem, aber der Bauchgurt ist so lang! Das Ende hängt fast auf dem Boden und es ist keine Schlaufe zum Befestigen vorhanden. Werde ich mir noch selber bauen müssen.
Nachteil: Der Neugeborenen Einsatz ist meiner Meinung nach zu warm für den japanischen Sommer.

Tragetuch: Das Tuch ist am Bequemsten, am Vielfältigsten verwendbar und am Besten für die Haltung des Babys.
Nachteil: Nervig zu binden. Meins ist zu lang und schleift beim Binden immer auf dem Boden.

Ich muss gestehen, auch wenn ich das Tuch am Bequemsten finde, benutze ich es nicht oft..
Das Binden ist mir einfach zu lästig.. Obwohl es sicher auch eine Sache der Übung ist… Als Chibi-Mamo-chan ganz klein war, war es eine Qual.. Ich war mir beim Positionieren nicht sicher, ob er genug „gebeutelt“ war (der Po tief genug hing), die Beine die richtige M Position hatten und sowieso und überhaupt..
Als ich es später nochmal versuchte ging das Reinsetzen viel besser!
Allerdings habe ich noch das Problem, dass ich das Tuch nie richtig richtig straff bekomme, da es sich immer mit meiner Kleidung und in meinen Achselhöhlen verklemmt.
Außerdem sackt Chibi-Mamo-chan in sich zusammen wenn er einschläft, so dass ich nachstraffen müsste, was aber wegen der Achselhöhlen-Verklemmung nicht richtig funktioniert..
Wie gerne hätte ich eine Trageberatung in Tokyo!!

Um ehrlich zu sein, der erste Monat nach der Geburt war für mich nicht ganz einfach..
Da ich keine Tragehilfe hatte, die ich einfach benutzen konnte, konnte ich nicht raus gehen.. Keine Spaziergänge, keine kurzen Einkäufe..
Ich kam mir vor wie in einem Gefängnis. Es gibt ein schönes Wort:
„Stillkissengefängnis“.
Das traf 100%ig auf mich zu.. Ich saß nämlich nur den ganzen Tag auf dem Stuhl mit dem Stillkissen auf den Knien, darauf Chibi-Mamo-chan und hangelte mich von einem Stillen zum nächsten.
In der Zwischenzeit schlief er auf dem Kissen.
In Japan ist es üblich das Haus in den ersten 1-2 Monaten nicht zu verlassen. Es gibt sogar so aberwitzige Ratschläge das Kind langsam an die Luft draußen zu gewöhnen, indem man nach einem Monat anfängt die Fenster für 10 Minuten zu öffnen…
Den genauen Grund dafür habe ich nicht gefunden, hängt wohl aber mit der Vorstellung zusammen, dass das Kind im ersten Monat vor Krankheiten geschützt werden soll. Außerdem soll sich die Mutter erholen (das ist wichtig!!).
Allerdings soll die Mutter auch nicht verrückt werden, deshalb war es ein großer und wichtiger Schritt für mich als ich endlich die Mei Tai bekam und mir so ein kleines Stück Freiheit zurück eroberte.
Übrigens kurz vor Ablauf des ersten Monats.. Ich wurde nicht eingesperrt ^_-

Was ich sagen möchte ist, es ist wichtig von Anfang an eine Tragehilfe zu haben, die man benutzen kann.
Ich habe zum Beispiel sehr mit der K’tan geliebäugelt, aber wollte sie mir nicht für 50$ kaufen, weil ich ja schon 3 Tragen zu Hause hatte (von der ich mir aber keine selbst ausgesucht hatte).
Es gibt auch Komforttragen von anderen Marken als Ergobaby, die man wie die Adapt ohne Neugeborenen Einsatz tragen kann. Dazu gehört zum Beispiel Lillebaby.
Man sollte sich vorher über die Optionen informieren und versuchen die verschiedenen Systeme Probe zu tragen.
In Tokyo nicht ganz einfach, da es in Geschäften meistens nur Ergobaby und Baby Björn zum testen gibt.
Zu Baby Björn möchte ich kurz sagen, dass in dem gängigen Modell keine Anhock-Spreiz-Haltung möglich ist und er daher eher nicht zu empfehlen ist.
Babys, die in der Anhock-Spreiz-Haltung getragen werden, leiden seltener an Hüftdysplasie und haben weniger Probleme mit schmerzhaften Blähungen (schmerzhafte Blähungen sind ein Problem für Kind UND Eltern! Ich spreche aus Erfahrung!!).
Für Unterstützung in Sachen Tragehilfe empfehle ich die Facebookgruppe „Tokyo Sling Meet“ oder „Tragen von Babys und Kleinkindern“.

Jetzt noch kurz zum Thema Kinderwagen.
Die meisten Kinderwagen, die in Japan angeboten werden, sind eigentlich Karren, deren „Sitzfläche“ man waagerecht stellen kann.
Meist werden sie erst ab einem Alter von 1 Monat empfohlen.
Viele bieten nur die Blickrichtung nach vorne, was ich aus zwei Gründen für ganz junge Kinder nicht toll finde: Eventuelle Reizüberflutung (Auswirkung durfte ich trotz Tragehilfe erleben..) und man kann als Eltern nicht sehen was das Kind macht.. Ebenso kann das Kind keinen Blickkontakt zu den Eltern aufnehmen.
Das Modell, das ich mir ausgesucht hatte, hatte also einen verstellbaren Griff, so dass man das Kind sowohl zu einem gerichtet, als auch nach vorne gerichtet fahren konnte.
Allerdings kam es nie zum Kauf, da wir einen Kinderwagen umsonst bekommen haben. Der ist nur leider erst ab 4 Monate, da die Liegefläche nicht ganz waagerecht gestellt werden kann…
Mal gucken ob Chibi-Mamo-chan den Wagen mit 4 Monaten noch akzeptiert ^_-
Ich freue mich auf jeden Fall schon auf ihn, auch wenn ich das Tragen nicht aufgeben werde!
Ich mache es wie die japanischen Mütter. Wagen und Tragehilfe dabei und munter zwischen beiden wechseln.
Mit Wagen muss man wenigstens nicht mehr die Wickeltasche und Einkaufe tragen.. Die hängen jetzt nämlich auch immer noch über einem Arm und sind nicht gerade leicht..

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3 Gedanken zu “Schwanger in Tokyo – Tragehilfen

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