朝霞クリーンセンター – Asaka Clean Center

Dieser Eintrag ist aus dem Jahr 2013, wurde aber erst 2016 veröffentlicht^^;;

Am Anfang meines Praktikums habe ich sehr viel Zeit hier verbracht. Jetzt, seit kurz vor Weihnachten, war ich wieder häufiger dort und deshalb wollte ich diese Einrichtung doch mal etwas näher vorstellen.
Vor allem, weil die Angestellten einfach super nett sind und sie somit einen Eintrag in meinem Blog verdient haben.

Wenn wir die 公園, also die Parks, säubern, muß der Müll ja irgendwo hin. Jeden Montag, Mittwoch und Freitag haben wir diesen zum Clean Center von Asaka gebracht.
Das ist eine Mischung aus Recyclinghof und Zwischenmülldeponie.
Man trifft dort also wirklich alle möglichen Leute. Von den ganz normalen Müllmännern, über Privatleute in schicken Autos, bis zu den kleinen Firmen, die ihren Müll oder den für andere entsorgen, so wie wir.
Weil unsere Firma den Auftrag für die Säuberung der Parks von der 市役所 – dem Rathaus – bekommen hat, ist die Anmeldeprozedur sehr kurz.
Meist erkennen die Angestellten unser Auto von weitem und halten die beiden Karten, die wir für die Waage benötigen, schon bereit.
Privatleute müssen noch ein Formular ausfüllen, auf dem sie vermerken, was genau sie entsorgen möchten. Erst dann bekommen sie die entsprechende Karte.
Mit den Karten geht es nun also zur Waage. Wir haben meistens zwei unterschiedliche Arten Müll dabei, weshalb wie die ganze Prozedur zwei Mal durchmachen müssen. Einmal für brennbaren Müll (可燃 – kanen) und einmal für nicht Brennbaren (不燃 – funen).
Der brennbare Müll wird in einen großen Müllschacht gekippt. Hier kommen wir zum ersten Angestellten, den ich unbedingt erwähnen muß.
Er ist der Platzanweiser. Es gibt zwei große Tore, an die man rückwärts heranfährt und dann mit dem Kipplader den Müll direkt in den großen Schacht entsorgt. Diese beiden Tore werden vor allem von den normalen Müllautos genutzt. Aber auch wir dürfen sie benutzen, wenn wir zum Beispiel mit dem ダンプ – unserem einzigen Kipplader, kommen.
Die andere Möglichkeit hier Müll zu entsorgen, ist über etwas, das aussieht wie eine Schublade. Alles wird in die Schublade geworfen, dann wird das große Tor geöffnet und die Schublade in den Schacht gekippt.
Der Anweiser ist nun dafür zuständig die Tore zuzuweisen und zu öffnen und zu schließen.
Wenn nicht so viel los ist, sich also keine lange Schlange gebildet hat, dann hilft er uns auch oft beim Abladen. Vor allem wenn meine Kollegin und ich alleine unterwegs sind.
Außerdem erkundigt er sich oft nach den anderen Kollegen von uns, die er kennt. Und er hat einen äußerst netten Humor, was man daran sieht, was er so für Dinge aus dem Müll sammelt und auf sehr interessante Weise an den Wänden arrangiert. Es gibt beispielsweise eine große Galerie von Riesen-Stoff-Gorillas, die alle unterschiedliche Accessoires tragen. An den Tagen um den Kindertag herum, werden riesige Stoffkarpfen gut sichtbar ausgehängt. Und er sammelt auch so kuriose Dinge wie einen ca. 50cm großen Stoff-E.T.

Vom brennbaren Müll geht es nun wieder auf die Waage und weiter zum nicht Brennbaren. Hier entsorgen wir Dosen, PET-Flaschen, Glas, Karton und Zeitschriften und Sperrmüll, der sonst nirgendwo hinein passt.
Auch hier gibt es vor allem zwei Arbeiter, die mir ans Herz gewachsen sind.

Einer dieser Angestellten kümmert sich oft um das Glas. Er zerkleinert es mit Hilfe eines sehr großen Radladers oder räumt Scherben von der Straße. Ich habe ihn aber auch schon in jedem anderen Bereich herumlaufen sehen.
Im Sommer hat er irgendwann begonnen meiner Kollegin und mir kalte Getränke zu schenken. Aber schon vorher kam er gerne auf einen kleinen Plausch vorbei. Der andere kümmert sich um die Dosen und kommt, wenn ich es richtig mitbekommen habe, aus Südamerika. Er fragt mich jedes Mal wieder ob ich nicht Spanisch spreche, aber letztes Mal meinte er dann, er hält die Augen nach einem Japanisch-Spanisch-Deutschen Wörterbuch offen.
Es gibt noch einen vierten Mitarbeiter, aber mit dem spreche ich nicht so oft. Er hatte sofort erkannt, dass ich aus Deutschland komme und mich auf Deutsch begrüßt. Wenn ich irgendetwas interessiert ansehe, möchte er es mir immer sofort schenken.
Letzte Woche hatte es wieder geschneit und meine Kollegin und ich haben schnell die Mülltour gemacht bevor die Straßen unbefahrbar wurden.
Im Cleancenter wurden wir dann vom Dosen-Mann und vom Glas-Mann (ich nenne sie für mich eigentlich „der Spanier“ und „おじさん* – Ojisan“ weil ich ihre Namen nicht kenne) auf einen warmen Kaffee eingeladen.
Nun haben sie aber in ihrer Jidohanbaiki keine warmen Getränke. Als meine Kollegin und ich in ihre Baracke kamen, saßen beide an einem Gasofen, auf dem ein Topf mit Wasser und zwei Dosen darin stand.
Wir durften uns ein wenig dazu setzen und uns am Ofen aufwärmen. Sowohl der おじさん als auch der Spanier sind absolut witzig und machen immer Scherze. Meine Kollegin wollten sie dann auch spontan mit einem Kollegen von sich verkuppeln, der Benz fährt! Zumindest sollte sie mal bei ihm mitfahren..
Der Spanier und ich verstanden uns auch auf Anhieb, so nutzen wir die gleiche ausländertypische Methode. Sobald auf Japanisch irgendetwas kommt, auf das wir nicht antworten wollen, uns etwas unangenehmes mitgeteilt wird oder wir mit jemandem nicht sprechen wollen, verstehen wir einfach kein Japanisch. Ich denke, Spanisch ist da als Ausweichsprache ebenso nützlich wie Deutsch.
Mir wurde auch von einem anderen Deutschen empfohlen: wenn man in der Bahn angesprochen wird, niemals auf Japanisch oder Englisch antworten sondern auf Deutsch. Damit wird man alle los..
Heute nun wurde ich dann auch noch von den Menschen auf den Arm genommen, die die beiden Karten ausgeben.
Dieses Mal wurden mir die Karten nicht sofort überreicht, sondern ich wurde skeptisch angesehen. Diesen Mitarbeiter hatte ich vorher auch erst einmal, weshalb ich dachte, er erkennt mich nicht wieder.
Also leierte ich den Namen unserer Firma und den Grund unseres Daseins herunter.
Als Antwort bekam ich nur ein „知らない – shiranai“ – kenn ich nicht / weiß ich nicht (es gibt auch noch eine fiesere Übersetzung, aber das hat er sicher nicht gemeint..). Gleich darauf verzog er aber den Mund zu einem schelmischen Grinsen, auch der Mitarbeiter hinter ihm, den ich schon oft am Tresen hatte, grinste ganz diebisch, und mir wurden die beiden Karten überreicht. Da hatten sie mich gut hereingelegt..
Aber solche Kleinigkeiten machen mir die Menschen hier im Clean Center absolut sympathisch! Sie sind immer nett, machen Scherze und können lachen.
In Europa heißt es ja immer noch oft, dass Japaner immer ein Pokerface aufsetzen und nie lachen. In manchen Bereichen mag das auch stimmen, aber eigentlich lacht dieses Volk unglaublich gerne! Wie wohl so ziemlich jedes andere Volk der Erde auch.

*Für das Wort „Ojisan“ gibt es keine richtige Übersetzung. Zum einen heißt es „Onkel“ aber so richtig passen tut es nicht.
Spricht man über Männer ab einem bestimmten Alter, sagt man oft „Ojisan“ oder „Ojichan“, wenn es ein besonders alter Mann ist.

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