Schwanger in Tokyo Teil 1

Schwangerschaftsanhänger in Tokyo

Dieses Thema ist eigentlich zu lang fuer einen Eintrag… Wenn es mir zu viel wird, mache ich einfach eine Serie draus, aber erstmal fange ich so an und versuche mich kurz zu fassen…

Ich bin sicher nicht die Einzige, die das Thema in Tokyo durchgekaut hat, aber in meinem Freundeskreis auf jeden Fall die erste..
Deshalb dachte ich mir, dass ich hier mal ein paar Dinge festhalte, die anderen eventuell nuetzlich sein koennten..

Wenn man kein sorgloses japanisches Paerchen ist, wie ich beim letzten Krankenhausbesuch eins getroffen habe, ist eine Schwangerschaft ja normalerweise geplant… Und dass es nicht immer beim ersten Mal klappt, wissen die meisten auch.
Schon in dieser Zeit sollte man, obwohl noch nicht schwanger, schon mit einigen Vorbereitungen anfangen..

Die Wahl des Krankenhauses
Naemlich mit der Suche nach einem passenden Krankenhaus/ Geburtsklinik/ Geburtshaus/ Frauenarzt…
Sonst artet die Freude ueber einen positiven Schwangerschaftstest naemlich ganz schnell in Stress aus..
Normale Frauenaerzte betreuen Schwangere oft naemlich nicht. Wer einen Frauenarzt fuer Pille und Co hat, wird sich fuer die Untersuchungen in der Schwangerschaft zwischen einer dafuer ausgelegten Klinik oder einem Krankenhaus entscheiden muessen.
Da kann man sich dann gleich mal ueberlegen, wie und wo man sich die Geburt vorstellt. Es gibt Geburtshaeuser, die von Hebammen geleitet werden. Die sind am guenstigsten*, meist am offensten den eigenen Wuenschen gegenueber, aber leider nicht ueberall ansaessig.
Ausserdem muss man sich bei Geburtshaeusern im Klaren sein, dass man im Falle eines Notfalls keine grosse Wahl beim Krankenhaus hat und, falls es waehrend der Geburt zu Komplikationen kommt, kein Arzt zur Stelle ist.

*zu den Gebuehren die anfallen spaeter mehr.

Geburtskliniken sind einfach spezialisierte private Mini-Krankenhaeuser, die sowohl die Untersuchungen in der Schwangerschaft uebernehmen, als auch die Geburt und Nachsorge. Je nach Ausstattung und Prestiege variiert der Preis sehr.

Es gibt auch spezielle Kliniken, die nur die Untersuchung in der Schwangerschaft machen und wo man zur Geburt in ein anderes Krankenhaus gehen muss.
Diese Kombi ist vor allem bei Expats mit einem bestimmten Arzt + Krankenhaus sehr beliebt, dazu spaeter mehr..

Man kann sich jedoch auch von Anfang an fuer ein bestimmtes Krankenhaus entscheiden und dort auch die Untersuchungen machen lassen.

Ich entschied mich fuer die letzte Variante, da ich keine Lust auf viele Arztwechsel hatte und die Klinik ueber die gesamte Zeit schon kennenlernen wollte.
Leider finden die Untersuchungen nicht auf der Station statt, sondern innerhalb des normalen Krankenhausbetriebs.
Hier kann es gerne etwas voll, eng und stressig werden, weshalb ich diese Kombination nur bedingt empfehle..

Wahrscheinlich ist eine reine Geburtsklinik oder die Kombination von Spezialklinik + Krankenhaus die bessere und stressfreiere Option..

Was man gerne bei der Wahl des Krankenhauses beachtet:
※ NICU (Neonatal Intensive Care Unit – Neugeborenen Intensiv) vorhanden? – Wenn nicht kann es passieren, dass Mutter und Kind getrennt werden, da die Muetter nicht mit den Kindern zusammen verlegt werden.
※ Entfernung zum Wohnort.
※ Ruf des Krankenhauses.
※ PDA (epidural) – wird in Japan normalerweise ueberhaupt nicht eingesetzt. Auch nicht auf Wunsch. Ein Grund, weshalb ein bestimmtes Krankenhaus in Tokyo bei Expats beliebt ist.
※ Kosten – Jedes Krankenhaus hat unterschiedliche Kosten fuer die Geburt mit anschliessendem Aufenthalt.
※ Aufenthaltsdauer nach der Geburt
※ Zimmer(ausstattung)
※ Eindruck/ Sauberkeit

Es gibt also viel zu ueberlegen und zu recherchieren bevor man sich entscheidet. Ausserdem moechte man sich die Krankenhaeuser gerne vorher einmal ansehen. Die Beliebten unter ihnen kann man aber nicht einfach mal so besuchen, man muss vorher einen Termin machen. Bei dem beliebtesten Krankenhaus in meiner Gegend war es zum Beispiel so, dass man nur fuer ein Beratungsgespraech, wo man nach den Preisen, Zimmern, der Ausstattung etc. fragen konnte, 3 Wochen warten musste. Da wir innerhalb von 2 Wochen waehlen mussten, fiel dieses Krankenhaus gleich mal weg.

Blieben genau zwei andere in naeherer Umgebung (da die Geburtskliniken alle schon ausgebucht waren oder einen schlechten Ruf hatten). Das Krankenhaus, zu dem ich zu Fuss gehen koennte, hatte sehr schoene Kreissäle (分娩室) mit viel Platz fuer die Vaeter.
In Japan bleibt man jedoch ungefaehr eine Woche im Krankenhaus (nein, das ist ein Vorteil, weil einem hier die Hebammen das Stillen etc zeigen) und die Zimmer dieses Krankenhauses waren so klein, dass man mit ausgestrecktem Arm seinen Bettnachbarn angrabbeln konnte. Der einzige freie Raum wird dann noch mit den Kinderbetten vollgestellt.
Die Untersuchungszimmer waren ausserdem mehr als veraltet und machten absolut keinen guten Eindruck.

Also das letzte Krankenhaus auf der Liste… Hier war es nicht moeglich sich die Kreissäle vorher anzusehen, aber im Internet fand ich einige Bilder. Typische Krankenzimmer und typisches schmuckloser Kreissaal…
Aber immer noch besser als der Oma-flair der einen ausgebuchten Geburtsklinik!
Ausserdem konnte ich ohne Termin zum Beratungsgespraech und der Staff war sehr nett!
Also.. warum nicht..

Man sieht jedoch hier vielleicht schon den Grund weshalb viele Frauen doch einen etwas weiteren Weg auf sich nehmen..
Anstatt das Krankenhaus in Gehreichweite zu waehlen, laufe ich jetzt 10 Minuten zur Bahn, fahre 10 Minuten und laufe nochmal etwa 15 Minuten zum Krankenhaus.

Kommen wir zu den Kosten…
Das ist in Japan kein Pappenstiel!

Die Krankenhausrechnung belaeuft sich fuer eine normale Geburt und Aufenthalt auf ca. 60万円 (600.000 Yen) – 70万円 (5.330,84 – 6.218,73 Euro). Ja, ihr habt richtig gelesen!
Wer in ein modernes Krankenhaus mit gutem Ruf geht, zahlt eventuell noch mehr. Geburtskliniken variieren ebenfalls stark. Viele halten das Krankenhausniveu, aber natuerlich gibt es nach oben keine Grenze.
Hebammen-Geburtshaeuser sind die guenstigste Variante und bleiben meist unter 60万円.

Aber wir haben Glueck! Denn da sich natuerlich nicht jeder diese horrenden Preise leisten kann, unterstuetzt die Stadt ihre Buerger.
Man bekommt fuer die Geburt naemlich 42万円 zurueck!
Trotzdem noch ein schoener Batzen, den man selbst zahlen muss.

Dazu kommen dann noch die regelmaessigen Untersuchungen. Hier gilt: Krankenhaus ist teurer als Klinik!
Zumindest soweit ich gehoert habe..
Die ersten Untersuchungen hat noch meine normale Frauenaerztin gemacht und oft zahlte ich nichts oder nur um die 1000 Yen. Im Krankenhaus stieg der Preis abrupt auf 3000 Yen.
Mit Coupon wohlgemerkt!

Im 10. Monat schwanger. Kein Grund Bon-Odori sausen zu lassen!

Sobald der Schwangerschaftstest positiv ist (ich meine jetzt die Plastikteile aus der Apotheke), sollte man sich naemlich schleunigst auf den Weg zum Rathaus machen und ein Babypaket mit den Coupons abholen.
Diese Coupons verguenstigen die Untersuchungen waehrend der Schwangerschaft um einiges und man bekommt ausserdem diesen tollen Schwangerschaftsanhaenger mit dem man in den Bahnen Salaryman wegpoebeln kann, die auf den Plätzen für Ältere, Kranke und Schwangere schlafen. Wunderbar!
Man braucht für dieses Paket vom Rathaus übrigens keinen Nachweis vom Arzt.
Eher fragen die Ärzte gleich beim ersten Termin wo denn der Coupon sei..
Denn schon bei dem offiziellen Nachweis der Schwangerschaft kann man den ersten Coupon theoretisch benutzen.

Dazu möchte ich anmerken, dass es nicht unbedingt sinnvoll ist gleich am Anfang alle Coupons rauszuhauen. Man sollte sich gut überlegen wofür man sie einsetzt.

Die Untersuchungsr-Regel ist:
4. – 11. Schwangerschaftswoche: jede oder jede zweite Woche.
12. – 27. Schwangerschaftswoche: einmal im Monat.
28. – 35. Schwangerschaftswoche: jede zweite Woche.
36. – 40. Schwangerschaftswoche: jede Woche einmal.

Dabei sind die Untersuchungen am Ende der Schwangerschaft teurer, weil jedes Mal ein NST (non-stress-test) gemacht wird. Der alleine kostet 2000-3000 Yen. Die Untersuchung an sich, die durch den Coupon abgedeckt wird, kostet etwa 5000 Yen.
Die Coupons braucht man übrigens, weil die Krankenkassen die Untersuchungen nicht abdecken. Man ist schließlich nicht krank sondern schwanger ^_-

Weil es bei meiner Schwangerschaft am Anfang Probleme gab und ich häufiger zum Arzt musste, sind mir am Ende die Coupons ausgegangen und ich saß jede Woche mit einer Rechnung von etwas über 1万円 da. Das ist nicht gerade angenehm.. Natürlich sollte man auch nicht unbedingt schlecht pokern.. Jeder ungenutzte Coupon am Ende ist ärgerlich!

Übrigens bekommt man auch noch Geld für die Zeit vor der Geburt und die Zeit nach der Geburt. Insgesamt für etwa 3 Monate.
Wer kein Festangestellter ist oder ein spezielles Arrangement mit seinem Arbeitgeber hat, geht für die Zeit danach recht leer aus. Geld gibt es meines Wissens nur, wenn der Arbeitgeber sich verpflichtet einen nach der Pause weiter zu beschäftigen.
Ansonsten heisst es: Auf einen Kindergartenplatz nach nur zwei Monaten zusammen mit dem Baby hoffen, oder den Mann anhalten sich einen gut-bezahlten Job zu suchen..

Vielleicht gibt es noch andere Möglichkeiten für Part-Timer Geld für ein ganzes Jahr Pause zu bekommen, aber da das auf mich nicht zutrifft, habe ich mich damit nicht wirklich befasst.

Ich arbeite als Festangestellte in einer Firma mit unter 100 Angestellten (wir sind genau 2 Personen *hust*), das bedeutet für die meiste Zeit meines Ausfalls muss die Krankenkasse zahlen (größere Firmen müssen selbst zahlen).
Die ersten 6 Monate bekomme ich 67% meines Gehalts, wenn ich mich nicht irre, für weitere 6 Monate wären es dann 50%. Davon gehen noch Steuern runter..
50% Brutto würde in meinem Fall nicht mal für einen Monat Miete reichen müsste ich sie alleine bezahlen ^_-

Im nächsten Teil dann hoffentlich etwas zu den Untersuchungen und Angeboten von der Stadt bzw. dem Stadtteil!

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13 Gedanken zu „Schwanger in Tokyo Teil 1

  1. Viele sehr hilfreiche Tipps – vielen Dank! Wir bei uns ja auch irgendwann demnächst aktuell^^

    Dieses Land will so unbedingt Kinder und trotzdem muss man so viel bezahlen – verrückt!

  2. Bei uns noch immer nicht akut, aber es kann ja nicht schaden sich trotzdem schon Gedanken zu machen. Vielen Dank für die ausführlichen Informationen!

  3. Liebe Anika, tolle erste Zusamenfassung! Ich und sicherlich mehr Leute freuen sich auf weitere Infos zum Thema „Schwangerschaft in Japan“. Ich hatte bisher immer mit Kosten ab ca. 30万円 gehoert….? Doch 40万円 und mehr?? Oje! :)

    • Also überall wo ich geguckt habe waren es um die 60万円 oder mehr mit Ausnahme der Geburtshäuser.
      Aber da man ja 42万円 zurück bekommt…
      Ich glaube die Stadt wird da schon win Auge drauf haben dass man mit dem Geld keinen Gewinn machen kann..

      Ich versuche am Ball zu bleiben und ein bisschen mehr zu schreiben, aber mit größeren Abständen, sonst wird es für die anderen so langweilig ^_-

  4. Oh vor nem Jahr oder so gings mir ähnlich!
    Sehr erfrischend dokumentiert, danke dafür.
    Ich drücke die Daumen für die Geburt (falls noch nicht überstanden) \(^^)/

      • Ja! Das habe ich weiterlesend im Blog nun auch gecheckt… Glückwunsch! Ich hoffe, ihr kommt halbwegs zum Schlafen/Essen… Wenn nicht, es wird wieder (außer mit dem Schlafen) ;-)
        Also ich verfolg den Blog weiter mit Spannung ¥^^¥

      • Schlafen geht meistens, auch wenn ich nicht mehr auf meine benötigten 8 Stunden komme…
        Essen ist schwieriger, da ich nicht mehr kochen kann. Ich habe einen echten Tragling, der den ganzen Tag auf mir klebt und man soll ja nicht unbedingt mit Kind am Herd stehen..

  5. Diesen tollen Anhänger habe ich sogar bekommen als ich 2010 schwanger in Tokio Urlaub gemacht habe.
    Jetzt hat er einen tollen Platz im Bad.
    Lg aus Kisdorf (nördlich von Hamburg )

    • Das ist ja toll, dass man ihn sogar bekommen kann, wenn man nicht in Tokyo wohnt!
      Liebe Grüße zurück nach Kisdorf! (Ich komme ja ursprünglich aus Hamburg :) )

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