Mal kurz was Politisches fuer zwischendurch..

Wie viele vielleicht wissen, hat auch Japan ein grosses Problem mit der veralternden Gesellschaft und der niedrigen Geburtenrate.

Japan moechte dem Problem nicht dadurch begegnen, dass man mehr Auslaender ins Land laesst, sondern dadurch, dass man Frauen mehr in die Arbeit einbinden moechte und versucht die Geburtenrate zu steigern.

Natuerlich ist das nicht ganz so einfach… Japan steckt immer noch sehr in dem System „Mann geht arbeiten, Frau bleibt zuhause“ fest.
In vielen Firmen wird erwartet, dass die Frau kuendigt wenn sie heiratet oder schwanger wird. Weiterbeschaeftigung nach der Schwangerschaft ist noch relativ selten (aber vorhanden!!). Oft sind auch gar nicht die Firmen das Problem, sondern die altmodischen Vorstellungen der Familie und Gesellschaft.
Eine arbeitende Frau vernachlaessigt ihre Pflicht gegenueber der eigenen kleinen Familie.
Ausserdem sind auch Angebote fuer Muetter sowie Oeffnungszeiten von verschiedenen Einrichtungen darauf ausgelegt, dass ein Elternteil unter der Woche frei hat..
Dadurch, dass die Frauen dann so lange aus ihrem Beruf herausgehalten wurden, bleibt ihnen oft nur die Arbeit an der Supermarktkasse wenn das Kind gross genug ist um fuer sich selbst zu sorgen.

Ein anderes Problem sind die Kindergartenplaetze. Den Deutschen auch wohl bekannt…
Die Anzahl der Plaetze sind hier nach dem Alter der Kinder gestaffelt.
Nehmen wir als Beispiel einen oeffentlichen Kindergarten. Fuer unter 1 jaehrige gibt es 12 Plaetze. Diese Plaetze sind wiederum geteilt in unter 8 Monate und ueber 8 Monate (jeweils 6). Ab 1 Jahr geht es dann los mit 17 Plaetzen.
In dem Viertel gibt es 2 oeffentliche Kindergaerten, die Kinder unter 1 Jahr aufnehmen.
Das Viertel hat sehr viele Kinder, da es nur Apartmenthaeuser fuer Familien gibt…
Oeffentliche Kindergaerten sind vor allem bei Geringverdienern beliebt, da sich die Gebuehr nach dem Einkommen der Eltern richtet.
Ich habe mal ein bisschen gerechnet und in unserem Fall waeren das etwa 340 Euro im Monat bei einem Kindergeld von 121 Euro im Monat. Also muessten wir 219 Euro aus eigener Tasche zahlen.
Private Kindergaerten gibt es auch, kosten nur mehr. Im oben beschriebenen Viertel gibt es zwei private Kindergaerten mit etwa der gleichen Platzanzahl fuer Kinder unter einem Jahr.

In diesem Jahr haben wir wieder Wahlen und so kommt in den politischen Diskussionen nun so einiges hoch.. Unter anderem wurde vor kurzem ein stinknormaler Blogeintrag im Parlament diskutiert!
Natuerlich von der Opposition vorgebracht.. Urheber ist eine anonyme Frau, wohnhaft in Tokyo, in den 30ern und Mutter.
Sie liess sich darueber aus, dass es wohl kaum moeglich sei arbeiten zu gehen wenn es keinen Platz fuer die Kinder in den Kindergaerten gaebe.
Denn natuerlich gibt es Wartelisten…
Man muss jedoch eingestehen, dass sich die Situation der Kindergartenplaetze ueber die letzten Jahre schon deutlich gebessert hat.

Allerdings sehe ich noch ein anderes Problem…
Die Firmenpolitik in Japan aendert sich, jedoch nicht unbedingt in erfreuliche Richtungen fuer Frauen und Familien. Lebenslange Festanstellungen sind nicht mehr so weit verbreitet wie frueher und immer mehr Firmen setzen zuerst auf Vertragsangestellte bevor sie jemanden fest einstellen. (Das positive an der Abschaffung lebenslanger Festanstellung ist natuerlich, dass unfaehige Leute aussortiert werden koennen.)
Mein letzter Stand ist, dass Vertraege bis zu 5 Jahren verlaengert werden koennen bevor sie entweder in einer Festanstellung oder einer Entlassung muenden.
Gerne setzen sich Firmen aber darueber auch hinweg und beschaeftigen Angestellte laenger als fuenf Jahre als Vertragsangestellte.
Vertragsangestellte bekommen selbstverstaendlich viel weniger Geld als Festangestellte…
Waehrend Festangestellte zwar auch oft mit einem niedrigeren Lohn anfangen, gibt es fast immer Gehaltserhoehungen nach einer gewissen Zeit oder Boni im Sommer und Winter, waehrend die Loehne von Vertragsangestellten meist gleich bleiben und sie keine Boni erhalten.
Das Gehalt eines Vertragsangestellten reicht in der Regel nicht aus, dass die Frau zu Hause bleiben kann und nicht arbeiten braucht.
Auch das Einstiegsgehalt eines Festangestellten reicht dafuer oft nicht.

Dieser Wandel in den Firmen, die Unsicherheit im Job, die niedrigeren Loehne von Vertragsangestellten, der Zwang der Frauen arbeiten gehen zu muessen bei dem Wissen um wenig Kindergartenplaetze fuehrt meiner Meinung nach nicht dazu, dass die Geburtenraten steigen.

Nach Abes Kommentar zum Blogeintrag (kein Zitat), dass man bei einem anonymen Blog ja nicht sicher sein kann, dass das so alles stimmt was die da sagt, laesst mich gespannt in die Zukunft sehen wie sich das alles weiter entwickeln wird…

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4 Gedanken zu “Mal kurz was Politisches fuer zwischendurch..

  1. Kindergartegenbühren usw. sind von Bezirk zu Bezirk dermaßen unterschiedlich… im Nachbarbezirk ist die Kita spottbillig (ich glaube von unter 10,000 gehört zu haben), bei uns – nicht so. Ich finde es super eigenartig, wie viel hier von Ort zur Ort unterschiedlich ist. Aber ich verstehe ja auch noch immer die riesigen Unterschiede zwischen Universitäten nicht – das ist eine Uni, wie können da „nur dumme Leute“ hingehen?!

    • In Japan verstehe ich die Unterschiede zwischen Universitäten schon…
      Das mit den extrem unterschiedlichen Gebühren von Kindergärten je nach Bezirk wusste ich nicht..
      Ich wohne in einem der größten Bezirke Tokyos und habe einfach da nach den Gebühren geguckt^^;;

  2. In Deutschland gibt es ebenfalls Unterschiede in den Kindergärten.
    Dazu gehört der Träger vom Kindergarten sowie wie viel Zuschuss die Gemeinde springen lässt.
    Um einen gewünschten Kindergarten zu bekommen sollte man sich 2 Jahre vorher auf einen Platz bewerben.
    Bezahlen tut man dann für die Gebuchten Stunden.
    Da ich auf dem Land wohne zahle ich ca. 400€ für beide Kinder.
    Davon ist eines 8 Stunden im Kindergarten und das andere nur 3-4 Stunden nachmittags nach der Schule.

    Wusste nicht das es in Japan Kindergeld gibt.
    Bei uns gab es jetzt eine Erhöhung auf 190€ pro Kind.

    • Hier ist es ebenfalls schwer auf anhieb den gewünschten Kindergarten zu bekommen. Viel früher anmelden kann man sich wohl aber meistens nicht. Wie sie auswählen weiß ich nicht..
      Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Zeit wo Plätze frei werden, immer April ist. Wenn man zwischendurch rein rutschen will ist das schwer.
      Die privaten Kindergärten, in denen man oft eher einen Platz bekommt, kosten bei mir hier im Bezirk so zwischen 60.000 und 70.000 Yen. Das kommt auf das Alter der Kinder drauf an.
      Das sind umgerechnet etwa 550€-650€ pro Kind im Monat.
      Es gibt hier etwa 15.000 Yen Kindergeld. Mehr wird es wohl ab drei Kindern.

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