Kyoto 2015 Teil 1

Wenn ich mich recht erinnere, steht immer noch der Bericht über meinen dritten Tag in Kyoto 2014 aus und jetzt schreibe ich schon über Kyoto 2015.. Peinlich, peinlich.
Ich bezweifle irgendwie auch, dass ich den diesjährigen Bericht irgendwann komplett fertig bekomme. Aber fangen wir doch überhaupt erst einmal an.

Nach letztem Jahr hatte ich überhaupt keine Lust Kyoto noch einmal zur Herbstfärbung zu besuchen. Es war 2014 so dermaßen voll! Außerdem konnte ich nach 3 Tagen keine roten Blätter mehr sehen.
Trotzdem musste ich dieses Jahr wieder hin. Mein Chef hat mich ganz fies ausgetrickst. Er hat einfach die Praktikantin gefragt, ob sie nach Kyoto (Geschäftsreise) fahren möchte. Mit bezahlten Shinkansen Tickets, bezahltem Hotel und gesponserten Eintrittspreisen. Natürlich sagte sie nicht nein und ich musste mit.
Mein Chef kam nur am ersten Tag nach dem Mittag dazu.

Für uns ging es am 3. Dezember, also eigentlich nach der Hauptreisezeit, morgens mit der ersten Bahn los. Wenn ich schon mal die Zügel in der Hand habe, will ich auch was sehen und plane ein straffes Programm.
Wir haben auch bis auf einen Tempel alle an diesem Tag geschafft.
Den groben Plan hat die Praktikantin ausgearbeitet, ich musste nur einen Abend lang ein wenig korrigieren, da sie irrelevante Ziele (Herbstfärbungsspots ohne Bezug zu Gärten) ausgesucht hatte und sich mit den Fahrzeiten ordentlich vertan hat.
Aber so konnte ich einfach die Spots ohne Gärten streichen und es passte wieder alles einigermaßen.

Da alle mittelmäßigen Businesshotels ausgebucht waren, fanden wir uns in einem Twinroom im Granvia Kyoto wieder, wo wir zuerst nur unser Gepäck abgaben, denn früher Check-in ist nicht möglich.
Ich habe meinem Chef schon letztes Jahr erzählt, dass ich mit einer kleinen gemütlichen Minshuku mit Tatamizimmer und Gemeinschaftsbad total zufrieden bin (und es atmosphärischer finde), aber er hört ja nie auf mich..
So saßen wir also zwei Morgende vor einem reichhaltigen Frühstücksbuffet eines sehr teuren Hotels (das aber nur mittelmäßig schmeckte).

Vom Hotel ging es ans andere Ende der Stadt zum Ninna-ji (仁和寺).
Er gehört zum Weltkulturerbe, ist einer der ältesten Tempel Kyotos und war das Zentrum des Gartenbaus in der Kamakura Periode.
Also ein wichtiger Besuch für mich!

Ich kaufte dort unser Shuincho für Tempelbesuche. Bisher hatten wir nur eins für Schreine. Mein Mann besteht auf einer strikten Trennung!
Jetzt haben wir ein wunderbar rosanes mit Kirschblüten drauf! Der perfekte Gegensatz zu unserem schwarzen Schreinbuch!
Um das Thema abzuschließen, ich habe natürlich auf unserem Trip fleißig gesammelt. Besonders toll ist der Stempel aus dem Ōbai-in. Der berühmteste Mönch dort persönlich hat mir etwas ins Buch geschrieben. Über zwei Seiten auf Japanisch und Englisch und ich musste nichts dafür zahlen.
Der andere tolle Stempel ist aus dem Saiho-ji, einem durch und durch teurem Tempel. Sie haben dort nicht nur schwarze Tinte benutzt, sondern auch in grau einen Daruma gezeichnet. Super!
So, das war’s aber zu den Stempeln!
Da der Ninna-ji unser erster Kyoto Tempel war, brauchten wir hier besonders lange, weshalb wir nicht ganz im Zeitplan lagen, als wir am Tōji-in (等持院)ankamen.
Der Tōji-in ist ein toller Tempel und sollte bei einem Kyotobesuch nicht fehlen.
Er wurde von Muso Soseki gegründet, der jedem Zen-Begeisterten und jedem Fan Japanischer Gärten etwas sagen sollte.
Der Garten unterhalb des Teehauses sieht wie ein Kobori Enshū Werk aus (wer meine Beiträge über die Gärten rund um Hamamatsu gelesen hat, wird diesen Namen kennen), ist aber ebenfalls von Soseki.
Der Teichgarten ist wunderschön angelegt! Man läuft vom Teehaus nach unten und umrundet den Teich dort einmal, bevor man den Pseudo-Enshū Garten (Soseki Garten) und die Hauptgebäude wieder erreicht.
Der Tōji-in ist übrigens auch der Haupttempel der Ashikaga Shogune gewesen. Diese (bzw. zwei) waren auch ganz erheblich für die Entwicklung Japanischer Gärten verantwortlich.
Diese zwei, Ashikaga Yoshimitsu und sein Enkel Ashikaga Yoshimasa, waren absolute Kunst und Gartenliebhaber und ließen den Goldenen und den Silbernen Pavillon bauen. Sie verhalfen auch den sogenannten Kawaramono (Unreine) zu einem gesellschaftlichen Aufschwung. Der bekannteste von ihnen ist vielleicht Zenami. Die Senzui-Kawaramono wurden zu den Gartenbaumeistern der Muromachi und Azuchi-Momoyama Periode.
Aber ich schweife wieder ab.. Wer sich sehr für das Thema interressiert, kann gerne RJGs eBook über den Saihō-ji (Muso Soseki) oder den Ryoan-ji (Kawaramono) kaufen. Mit den Büchern zur Geschichte Japanischer Gärten bin ich leider noch nicht fertig..

Nach dem Tōji-in ging es zum Daitoku-ji(大徳寺), wo wir unseren Chef + ein paar seiner Freunde treffen sollten. Natürlich waren wir viel zu spät, weshalb wir sie in einem Soba-Restaurant fanden. Gut für uns, denn wir hatten auch noch nichts gegessen und kamen so in den Genuss von heißer Nudelsuppe.
Im Daitoku-ji schafften wir tatsächlich noch alle Gärten, die wir dort besuchen wollten.
Angefangen mit dem Ōbai-in (黄梅院), der auf Googlemaps lustigerweise „Kobai-in“ genannt wird.. Dieser Garten ist normerweise nicht geöffnet, nur im Herbst für kurze Zeit.
Fotos machen war auch nicht erlaubt, hat sich nur niemand dran gehalten. Wirklich niemand! Vor allem nicht die Japaner.. Im Ōbai-in wurden grade die Dachpfannen, 瓦 kawara, ausgetauscht. Das dauert insgesamt zwei Jahre. Wegen der Gerüste war der Kiesgarten momentan nicht zu sehen, aber die interessieren mich sowieso weniger als die anderen japanischen Gartenformen..

Weiter ging es mit einem Kombi-ticket zum Kōrin-in (興臨院). Hier durfte man Fotos machen.
Der Garten war ganz nett, aber sehr klein. Ein Teegarten begrüßt und verabschiedet einen. Es gibt einen kleinen Karesansui Garten mit Steinsetzungen wie ich ihn mag, nämlich eine gute Balance zwischen Kies, Steinen und Pflanzen, und danach nur die üblichen Bepflanzungen, wie man sie oft um Gebäude herum findet.
Hier hat unsere große und laute Gruppe übrigens einen armen Ausländer aufgeschreckt, der wohl in Ruhe längere Zeit in dem Anblick eines Japanischen Gartens versinken wollte.
Kleiner Tipp von mir: Wenn ihr sowas vorhabt, nicht in Kyoto zur Herbstfärbung!
Außer ihr könnt die anderen Besucher komplett ausblenden, die eventuell anfangen extra über euch zu stolpern, damit ihr verschwindet und sie besser Fotos machen können.
Denn man kann ziemlich klar sagen, die Gärten in Kyoto sind nicht mehr zum meditieren da, es sind Sightseeing und Fotospots. Nur als Mitglied eines Tempels hat man vielleicht das Glück den Garten vor den Öffnungszeiten nutzen zu können.

Aber weiter! Der letzte Garten im Daitoku-ji Komplex wsr der Kōtō-in (高桐院). Dieser hat das ganze Jahr über geöffnet und ist berühmt für seinen langen Zuweg, abgegrenzt durch einen sehr einfachen Bambuszaun.
Betritt man den Untertempel, gibt es vier verschiedene Gärten zu sehen, von denen einer zu betreten ist.
Es sind keine großartigen Gärten. Eher nur eine Ansammlung von Büschen und Bäumen (ein Baum hat aber unglaublich beeindruckend geformte Äste). Nur ein Garten lädt dann doch wieder zum meditieren trotz anderer Besucher ein… Vor einem Bambuswäldchen steht eine einsame Laterne auf einer ebenen Fläche mit nur schwachem Moosbewuchs.
Betrachtet wird diese aus einem Raum heraus.
Hier saß ich übrigens schon vor 9 Jahren bei meinem ersten Japanbesuch.

An Gärten war es das für den ersten Tag. Nun ging es zum Hotel zum Check-in, wo es natürlich ein Problem gab..
Aber naja, im Endeffekt bekamen wir unser Zimmer, sogar mit getrennten Betten (sollte eigentlich keins mehr frei sein).
Danach trafen wir uns wieder mit unserem Chef und seinen Freunden. Natürlich zu spät, weil die Praktikantin duschen musste.. Aber zum Duschen gehörte leider nicht nur duschen, sondern auch Make-up, Haare machen etc..
Da es ja aber Probleme beim Check-in gab und wir somit etwa 20 Minuten verloren hatten, war unser Chef gnädig.
Vom Treffpunkt aus ging es hinein nach Gion und in ein Restaurant zum Abendessen. Nein, ein ganz normales Restaurant ohne Geisha ^_-
Gut gespeist ging es weiter in eine Bar. Wenn mich nicht alles täuscht, gehörte sie dem einen Freund meines Chefs.
Es ist eine etwas spezielle Bar / Café…
Im vorderen Bereich zur Straße gibt es Sitzplätze und einen Tresen. Alles ganz normal. Im hinteren Bereich begrüßten mich Clownfratzen an der einen Wand (ich hasse Clowns) und eine Wand voller Waffen auf der anderen Seite (ich hasse Waffen). Wie ihr seht, die perfekte Lokalität für mich..
Naja.. Eine gute Sache hatte es ja. Ich wollte sowieso immer mal ausprobieren zu schießen und gegen eine Gebühr von 700¥ glaube ich, bekam man 25 Schüsse mit einer der Modell Waffen. Denn natürlich sind es keine Echten! Man schießt mit kleinen Plastikkügelchen auf Dosen. Ziel war es sechs normale Dosen und eine Minidose von einem Rahmen zu schießen.
Ich wählte eine Glock und nach kurzer Zeit hatte ich den Dreh raus und schoss alle Dosen vom Rahmen.
Das gelang sonst nur noch meinem Chef. Die anderen hatten wohl zu viel getrunken.. Oder sind einfach nicht begabt..
Mein Chef und noch jemand anderes aus Osaka mussten gegen 12 los um ihren letzten Zug zu erwischen. Eigentlich wollte uns ein anderer noch zum Sushi schleifen, aber ich sagte ab. Ich hatte schon in der Bar genug. Ich war müde und wollte einfach nur ins Bett..
Meine Praktikantin, die zu der Zeit gern noch weiter gemacht hätte, dankte es mir wohl am nächsten Morgen, als um halb acht der Wecker klingelte..

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3 Gedanken zu „Kyoto 2015 Teil 1

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