[Nihon Basics] Schuhe ausziehen!!

Ich möchte eine kleine neue Reihe ins Leben rufen, nachdem ich denke, dass vielleicht doch nicht alle die Basisregeln für das Leben in Japan kennen.

Auslöser war, das ist jetzt etwas fies, aber Pech, meine neue Praktikantin.
In den Bewerbungsmails schrieb sie, sie hätte großes Interesse an japanischer Kultur und Natur und sie lerne auch schon Japanisch.
Außerdem war sie schon einmal für einen Monat in Kyoto um für ein Uniprojekt zu arbeiten.
Hörte sich gut an!
Sie ist auch eine ganz Liebe und sehr motiviert, aber beim Wissen um die Basics hapert es doch gewaltig!

Ich begleitete sie an ihrem ersten Tag in Japan vom Flughafen bis zum Abendessen.
Der erste Weg führte uns zu ihrem Sharehouse, wo ein Angestellter sie bereits erwartete um den Papierkram zu erledigen.
Er ließ sie zuerst ins Haus gehen.
Sie ging hinein, zögerte kurz bei der kleinen Stufe im Eingangsbereich und setzte dann ihren Fuß darauf.
STOP!!!!!
Ich gebot ihr sofort Einhalt.

写真 (23)
Latschen für draußen. Nicht für den Wohnungsgebrauch!

Wohnungen in Japan (mit Ausnahme von Wohnungen, die oft von Expats genutzt werden) gibt es hinter der Tür einen kleinen Bereich, der durch eine Stufe von der eigentlichen Wohnung getrennt ist.
Hier werden IMMER! die Schuhe ausgezogen bevor man die Wohnung betritt.
Das gilt auch für Sharehouses! In meinem Leben habe ich jetzt noch nicht so viele von innen gesehen. Um genau zu sein nur 6. Diese 6 Sharehouses waren alle unterschiedlich. Vom teureren Neubau bis zur schäbigsten Altbaubude. Aber was sie alle gemein hatten, war, dass man die Schuhe ausziehen muss.

Für mich war das von Beginn an absolut verständlich, weil ich auch in Deutschland hinter der Tür immer die Schuhe ausgezogen habe. Nicht nur bei uns, auch bei all meinen Freunden ist das so. Selbst ohne kleine Stufe.. Im Flur Schuhe aus!
Gibt es tatsächlich Leute, die mit den übelsten Schneematsch-Schuhen bis ins Wohnzimmer durchlaufen? Da muss man doch viel intensiver putzen?
Tägliches Wischen anstatt Staubsaugen-Wischen-Kombi.. Also ne danke…

Naja.. Auf jeden Fall wechselte die Praktikantin, übrigens aus England, nicht nur die Kleidung in ihrem Zimmer während ich am Eingang wartete, sie zog sich auch bequemere Schuhe an. In ihrem Zimmer.. Und lief damit nach unten um mich dort zu treffen..
Und das Sharehouse ist mit Teppich ausgelegt.
Wirklich ein No-Go!
Aber ich hoffe, inzwischen hat sie es drauf!

Es geht das Gerücht um, dass selbst Feuerwehr und Ärzte sich die Schuhe ausziehen, bevor sie in eine Wohnung gehen.
Ich hatte diesen Fall noch nicht..
Aber ich gehe mal stark davon aus, wenn es brennt und die Feuerwehr löschen muss, ist ihnen die Schuhregel herzlich egal. Sie ruinieren ja eh alles mit Wasser, Schaum oder Pulver.
Bei Ärzten richtet es sich wohl je nach Situation.
Allerdings gibt es da eine ganz tolle Erfindung!
Plastiküberzüge für Schuhe!
Die werden von Ärzten, aber auch von der Polizei benutzt.
Und man findet sie auch manchmal in Tempeln.
Denn: bei Schuhe ausziehen im Haus bleibt es natürlich nicht!
Wenn ihr Tempel besichtigen geht, werdet ihr meistens die Schuhe ausziehen müssen. Manchmal gibt es Latschen zum Ausgleich, manchmal müsst ihr damit rechnen, dass euch die Füße abfrieren, wenn ihr Tempel im Winter besucht.
Ist der Ausgang ein anderer als der Eingang, werdet ihr eure Schuhe in Plastikbeuteln mitnehmen müssen.

Auch beim Arzt heißt es oft: Schuhe aus!
Im größeren Krankenhaus nicht, aber wenn ihr in eine kleinere Praxis kommt, kann es durchaus vorkommen, dass ihr Schuhe gegen Latschen tauschen müsst. Guckt am Eingang nach der kleinen Stufe und ob sich im Eingangsbereich ein Schuhregal befindet. Dann wisst ihr bescheid, ob ihr die Schuhe anbehalten könnt oder nicht!

Wenn ihr umzieht, benutzt ihr eventuell ein Umzugsunternehmen. Auch für die Mitarbeiter heisst es selbstverständlich Schuhe aus.
Sie tauschen vor Beginn der Arbeit ihre normalen Schuhe gegen Latschen, die sie dann in der Wohnung einfach an- und ausziehen können. Denn auch wenn ihr in einer leeren Wohnung steht, gilt die wichtigste Regel überhaupt: Schuhe aus!

Zusatz: Eine aufmerksame Leserin machte mich auf zwei weitere Interessante Punkte bezüglich Schuhe aufmerksam, und die will ich euch auch nicht vorenthalten!
Toilettenschlappen!
Der, vielleicht, größte Angstfaktor was Schuhe angeht in Japan (neben fehlenden Schuhenn in größeren Größen..).
Die gemeine Toilettenschlappe gehört nämlich zur gefährlichsten Art ihrer Gattung!
In manchen Toiletten in Privathaushalten, Restaurants, Hotels oder auch Arztpraxen, werdet ihr hinter der Tür Toilettenschlappen vorfinden. Diese muss man gegen die normalen Hausschlappen tauschen, sein Geschäft verrichten und das ganze retour, wenn man die Toilette wieder verlässt.
Nicht selten vergisst man das und läuft dann mit Toilettenschlappen durch das Haus oder Restaurant..
Das ist mega peinlich, weil sie oftmals in wunderschönem Babyrosa oder Babyblau gehalten sind.

An dieser Stelle möchte ich nochmal kurz auf Restaurants eingehen.. Manche Restaurants bieten Tische auf Tatami an. Davor heisst es natürlich Schuhe ausziehen. Muss man zur Toilette, stehen spezielle Latschen für den Weg dorthin zur Verfügung, so dass man nicht erst die eigenen Schuhe suchen muss.

Tatami werden grundsätzlich! ohne Schuhe und auch ohne Schlappen betreten!

Und noch eine kleine Anmerkung zum Schluß.
Zum guten Ton gehört es, Schuhe im Eingangsbereich immer zur Laufrichtung auszurichten. Zieht ein Gast also die Schuhe aus und betritt die Wohnung, dreht der Gastgeber die Schuhe um und stellt sie ordentlich nebeneinander, so dass der Gast es später einfach hat die Schuhe anzuziehen und die Wohnung zu verlassen.
Ist es einem unangenehm, kann man das Umdrehen auch selbst machen.

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4 Gedanken zu “[Nihon Basics] Schuhe ausziehen!!

  1. ich hätte in japan wohl ein echtes problem mit dem ständigen schuhe ausziehen da ich nur schuhe mit einlagen tragen kann und hausschuhe auch nur solche in denen einlagen sind. im augenblick muß ich sogar einen entlastungschuh tragen und der darf auch nicht gegen hausschuhe getauscht werden. damit es bei mir sauberbleibt liegt jetzt vor jeder tür ein feuchter lappen auf dem ich mir die füsse abtreten kann damit nichts von draußen nach drine getragen wird. in japan wäre das ja noch komplizierter als hier. für die wohnungen von freunden hab ich auch immer diese schuhüberzieher in der handtasche damit ich keinem die wohung dreckig mache

    • Oh man :(
      Da kämest du in Japan ja um die Schuhüberzieher wirklich nicht drum herum!
      Im Prinzip kann man hier in der eigenen Wohnung ja auch die Schuhe anbehalten, da es keine bleibenden Schäden hinterlässt. (Anders sieht es mit Nägeln in der Wand aus..)
      Und wenn man das Problem erklärt, sollte eigentlich jeder den Schuhüberziehern gegenüber tolerant sein.

  2. die feuerwehr hatte ich zum glueck nie im haus, damals als ich mal in japan lebte. aber die rettungssanitaeter. und ja, die haben die schuhe ausgezogen.
    mal drauf achten: bei hausbesuchendem servicepersonal sind die schuhe besonders schick runtergelatscht. ganz unverstaendlich isses nicht, macht es aber auch nicht schoener oder fussfreundlicher.
    die toilettenschuhpeinlichkeit, ja die kenn ich auch noch. wobei das problem weniger an babypastell liegt (zumal die meisten, denen ich begegnete kackbraun waren). sondern daran, dass japanerInnen das als unhygienisch und ziemlich eklig empfinden.

    • Hallo Yan,
      freut mich natürlich nicht, dass du die Erfahrung mit Rettungssanitätern machen musstest. Aber danke für den Einblick! Und ich hoffe, es war nicht so ernst, dass sie durch das Schuhe ausziehen Leben riskiert haben.
      Es liegt natürlich bei den Toilettenschlappen nicht am Babypastell selbst, aber durch die Farbgebung erkennt man meist sofort den Fehler. Kackbraun begegne ich am häufigsten. Allerdings meistens außerhalb von Toiletten.
      Die Toilettenschlappen meiner Gasteltern waren knallrot, bis die Schwiegertochter sie gegen eine Mischung aus zartrosa und beige getauscht hat.
      Die Praktikantin hat es letzte Woche geschafft vom Tatamibereich im Restaurant einfach ohne Schuhe aufs Klo zu gehen.
      Von allen Kollegen kamen ungläubige Kommentare und es wurde viel gelacht. Gekratzt hat es da niemanden, weil sie danach ja nicht mit den Socken ins Haus der Anwesenden gegangen ist. Ansonsten wäre sie wahrscheinlich zurechtgewiesen worden..
      Die Sensibilität für Toiletten fehlt ihr also auch…

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