Kimono Date Odaiba

Ich glaube, es wir langsam Zeit über eine neue Leidenschaft von mir zu schreiben. Obwohl ich im Frühling schon mal kurz von einem Kimono Date geschrieben habe, hat sich das inzwischen doch ganz schön weiterentwickelt..
Um zum Kimono Date im März mitzukönnen, hatte ich mir an einem Tag alles was man so für einen Kimono braucht zusammen gekauft.
Also vor allem einen Juban, einen Kimono und einen Obi.
Das war allerdings gar nicht so einfach, wie man denken könnte..
Denn Kimono ist nicht gleich Kimono und Obi nicht gleich Obi..
Bisher hatte ich nur einen Yukata mit Obi gekauft, quasi die „Light“ Version. Viel falsch machen kann man da nicht, beim Kimono schon..

Mein erster Kimono wurde ein blauer Wollkimono mit rotem Muster für nicht ganz 10€ und ein silberner Nagoya-obi, der im Prinzip ein bisschen zu fein für den Kimono ist. Aber ich hatte ja keine Zeit lange nach etwas anderem zu suchen.
Obwohl der Kimono so günstig war, gab ich mit allem Kleinkram, den man sonst noch so braucht, ca. 90€ aus..
Hier mal eine Liste, was man alles so benötigt. Nur damit man mal eine Vorstellung bekommt, was in so einem Kimono Outfit alles drin steckt..
Kimono Unterwäsche, Nagajuban, Erishin, 4 Koshihimo, 2 Datejime, Handtücher (optional), 2 Kimonoclips (optional), Obimakura, Obiita, Obiage, Obijime, Kimono, Obi, Tabi, Zori

Ich kaufte alles was ich noch brauchte, bis auf die Zori, in Asakusa zusammen. Dort hat man die größte Ballung an Kimono Second Hand Läden und kann mit Glück das eine oder andere Schnäppchen machen.

Kurze Zeit später fanden wir uns zu dritt beim Kimono-Ankleide-Unterricht für 500¥ wieder, bevor es zum richtigen Date gehen sollte.

Kurz nach unserem Date war ich schon wieder in Asakusa..
Da war nämlich dieser rote Kimono, der mir so gut gefallen hatte, nur leider etwas kurz war..
Im Endeffekt wanderte er als zweiter Kimono in meine Sammlung und wird seither regelmäßig ausgeführt. Um ehrlich zu sein ist es mein meist-getragenster Kimono.
Denn bei zwei Kimono ist es nicht geblieben..
Ein halbes Jahr später besitze ich über 10 Kimono und noch mehr Obi, die sich zu den unterschiedlichsten Anlässen tragen lassen.
Bei Gelegenheit werde ich mal ein paar Kombinationen vorstellen.

Jetzt aber zurück nach Odaiba!

Am 20. September stand wieder ein Date mit Anji von Onegai Kaeru an.
Aus mangelndem Interesse unserer Freunde an Kimono müssen wir nämlich immer alleine los..
Dieses Date sollte jedoch noch etwas Besonderes beinhalten.
Als wir eines Tages mal zusammen in einem Kimono Second Hand Shop in Shinjuku waren, kam Anji mit der Geschäftsführerin ins Gespräch, die uns erzählte, dass da vielleicht ein kleines Event im Herbst anstehen würde.
Nach einem Telefonat etwa ein Monat vor der Veranstaltung hatten wir einen Link, und kauften sofort Karten, als diese verfügbar waren.
Es handelte sich beim Event um ein Seminar zum Thema „Casual Kimono“. Also wie man Kimono für den Alltag aufpeppen kann.
Die Fähigkeit, einen Kimono anziehen zu können, stirbt in Japan langsam aus. Viele Japaner haben in ihrem Leben noch nie einen Kimono getragen oder bekamen zum Beispiel am Coming of Age Tag einen angezogen.
Die junge Generation hat kein großes Interesse an Kimono.
Inzwischen gibt es einen kleinen Boom an hippen Kimonoassecoirs und das Seminar wollte in die selbe Richtung gehen.
Jedoch ohne groß Werbung zu machen..
Aber lasst mich später nochmal auf das Seminar zurück kommen.

Anji und ich trafen uns kurz nach Mittag an einem Bahnhof und fuhren dann gemeinsam nach Shimbashi um dort in die Yurikamome zu steigen.

Interessante Kunst o.O Laut Anji kann man sich so die japanischen Business-Verhaltensweisen vorstellen..

Die Yurikamome ist etwas Besonderes in Tokyo. Eine Bahn, die komplett auf sichtbares Personal, sprich Zugführer, verzichtet und auf Reifen fährt. Und noch etwas! sie fährt über die Rainbow Bridge nach Odaiba! Und selbstverständlich warteten wir einen späteren Zug ab um ganz vorne sitzen zu können!
In Daiba stiegen wir aus und stolperten erstmal in ein Mexiko Festival. Leider hatten wir schon gegessen..
Von dort ging es Richtung Freiheitsstatue ans Wasser zum Fotoshoot. Es kamen einige sehr interessante und meiner Meinung nach gute Fotos dabei raus!

Weiter zurück ging es nach Mexiko, mit einem kurzen Fotoshoot mit einer mexikanischen Garnele. Das Maskottchen nannte sich tatsächlich „Ebiamigo“.
An Diver City vorbei zum großen Gundam. Eine Premiere für mich!

Auf dem Weg hörten wir schon die Beats.. Was war denn da los?
Hinter Diver City fand Ultra Japan statt. Eine Dance Veranstaltung, die Anji natürlich kannte, von der sie aber nicht wusste, dass sie genau an dem Tag auf Odaiba stattfinden würde. Was für eine positive Überraschung!
Während Anji im Kimono vor dem Zaun ein bisschen mit feierte, nutzte ich die Gelegeheit mir die Leute etwas näher anzusehen. Es waren ein paar geile Outfits dabei, wobei die besten dann aber auf der Rückfahrt hinter mir in der Bahn standen.
Im Fernsehen sah ich später, dass ein beliebter Stil „Bohème“ war. Da stecke ich wohl zu wenig in der Szene, warum man zu einem Dance/Rave Festival Bohème trägt.. Die richtigen, und meist leicht bekleideten Raver haben sie übrigens in dem Bericht überhaupt nicht gezeigt.
Geht ja gar nicht, dass Japaner so öffentlich rumlaufen!
Irgendwann ging es dann weiter. In ein Einkaufszentrum rein, dass uns über verschlungene Pfade zum Ziel bringen sollte..
Und was für ein Einkaufszentrum!
Zuerst wurden wir in Kulissen der 60/70er Jahre geschmissen. Natürlich mit den passenden Autos dazu!
So durfte ich mich mit einem süßen uralten Skyline ablichten lassen.

Den Käfer gab es in diesem Bereich leider nicht. Erst später in einem Geschäft, vollgestopft mit Kuscheltieren..
Im Geschäftsbereich herrschte dann ewige Dämmerung in einer Südeuropäisch anmutenden Kulisse. Äußerst interessant! Als wir endlich wieder ans Tageslicht kamen, liefen wir in ein Tahiti Festival mit Bauchtanz! Ja.. Auf Odaiba war was los an dem Tag! Und das war ja noch nicht mal das letzte Fest für den Tag.
Hier fanden wir auch eine Wand für Coordinate Fotos. Dafür haben wir gerne einen einfachen Hintergrund ohne Schnickschnack.
Einlass zu unserem Seminar war um 17:30h, um 18:00 sollte es beginnen. Inzwischen war es 17:45h.
Also machten wir uns auf den Weg ins Tokyo Culture Culture!

Das Thema des Seminars war wie schon beschrieben „Casual Kimono“.
Wir erhofften Tipps, wie man Kimono etwas moderner tragen kann, ohne gegen ungeschriebene Regeln zu verstoßen.
Die Geschäftsführerin eines Second Hand Ladens in Asakusa, so wie jemand aus einem Second Hand Ladens in Kawagoe waren Podiumsgäste und zeigten moderne Coordinates für bestimmte Gelegenheiten (im Kimono zum Yakiniku beispielsweise) oder regten zum „Chara-Coordinate“(Character-Coordinate) an. Ein Kimono Coordinate passend zu Shogōki aus Evangelion? Kein Problem! Später gab es Tipps wie man durch kleine Alltagsassecoirs sein Kimono Coordinate aufpeppen kann.
Vor allem Ideen für den Winter nahmen wir mit.
Der Eintritt zum Seminar war übrigens interessant gestaltet..
Man zahlte 2500¥. Am Eingang bekam man einen Gutschein für Second Hand Shops im Wert von 2000¥, den man natürlich nicht direkt vor Ort einlösen konnte.. Und einen Getränkegutschein.
Alle Getränke, alkoholisch oder nicht, kosteten 500¥.
Kam man im Kimono, bekam man noch ein Tenugui geschenkt.
Wenn man also vorher wusste, dass man dort etwas trinken würde und in den Shops einkaufen will, zahlte man im Endeffet nur Gebühren für die Onlinebestellung.
Wir fanden das Seminar vom Inhalt her aber ein wenig mittelmäßig. Zu wenig richtige Innovationen für unseren Geschmack.

Im Dunkeln machten wir uns gemütlich auf den Weg zurück. Nein, eigentlich auf die Suche nach Pizza. Das ist Kimono Date Tradition.
Aber auf dem Weg fanden wir Sportwagen, die mich quietschen ließen, das Fleischfestival, das uns fast angelockt hätte, müsste man nicht zusätzlich zum teuren Essen noch Eintritt bezahlen und nochmal Ultra Japan. Wir wunderten uns schon weshalb uns so früh so viele Leute von dort entgegen kamen. War es etwa schon vorbei? Um 9 Uhr? Nein.. Da spielte noch Musik.
Wir blieben stehen und hörten noch etwas zu. Dann ein Knall und ein Leuchten. Feuerwerk! Jippie!!! Hatten wir beide dieses Jahr noch gar nicht gesehen! Was für ein Zufall und eine schöne Überraschung!!!
Danach kam die Ernüchterung jedoch schnell. Mit dem Feuerwerk war Ultra Japan beendet und die Massen strömten dem Ausgang entgegen. Wir waren ja schon draussen und erreichten vor der Menge den Italiener am Bahnhof, in den wir uns flüchteten und die Zeit abwarteten bis der Riesenansturm auf die Yurikamome vorbei war.
Hier trafen wir dann auch die geilsten Damen von allen. Sie trugen nichts außer mit Kristallen beklebte knappe BHs und Höschen.
Ja.. Die Mode für Ultra Japan war wirklich Bohème, wie uns das japanische Fernsehen später weis machen wollte.. Sowas kann man im Fernsehen ja nun auch wirklich nicht zeigen!

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6 Gedanken zu „Kimono Date Odaiba

  1. Sieht toll aus und ist sehr Interessant.
    Meine Japanischlehrerin konnte mir dies alles nicht erklären.
    Sie trug selbst zu selten einen und seit Sie in Deutschland ist überhaupt nicht mehr.
    Ich würde mir gerne einen Kimono für Männer kaufen die sehen richtig toll aus.
    Aber ob ich mich damit nach draußen trauen würde, weiß ich nicht :D.

    Weiter so.
    LG
    Roman

    • Hallo Roman :)
      Sehr viele Japaner(innen) haben absolut keinen Schimmer wie man Kimono trägt oder was dazu gehört. Oder soll ich eher sagen, die meisten?
      Umso mehr freuen sie sich, wenn Ausländer sich dafür begeistern und es lernen.

      In Deutschland gibt es sehr viele Kimonoclubs. Ich weiß von welchen im Ruhrgebiet, in Hamburg, und um München. Vielleicht gibt es ja auch einen bei dir in der Nähe.
      Da hat man dann zum einen Gelegenheit sich auszutauschen, aber auch gemeinsam etwas im Kimono zu unternehmen! :)

      • Hallo Anika,

        danke für die Info. Leider wohne ich nicht in der Nähe von Hamburg, München oder Berlin. Sondern im Aschaffenburger Raum. Da gibt’s es sowas leider nicht.
        Eine gute Yukata für Zuhause würde mir vorerst reichen :D.

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