Japans Unterschriftkultur

Vorsicht! Dieser Beitrag basiert auf gefährlichem Halbwissen!

Viele von euch wissen sicherlich, dass in Japan die Unterschrift mit einem Hanko (はんこ) bzw. Inkan (印鑑) gestempelt wird (laut meines Mannes sind die Begriffe austauschbar. Oder mir den Unterschied zu erklären war er zu faul..)
Hanko gibt es in vielen Variationen. Von den billigen Teilen, wie man sie im 100 Yen Shop bekommt, bis zu Handgeschnitzten höherer Qualität.
Meistens besitzt ein Japaner mehrere Hanko. Man stempelt zum Beispiel nicht mit dem gleichen Hanko Bankunterlagen und Post, die einen erreicht. Für ersteres würde man einen etwas hochwertigeren nehmen, für letzteres reicht die 100 Yen Version.
Post kann man auch einfach mit Kugelschreiber und Gekritzel unterschreiben.
Wird man sonst übrigens aufgefordert etwas mit der Hand zu unterschreiben, erwarten Japaner normalerweise den vollen Namen leserlich!

Mein alter! Hanko. Mein Name hat sich geändert ^_-

Mein alter Hanko.

Ich habe mir damals einen Hanko für 300 Yen im Hanko Laden am Bahnhof machen lassen. Das dauerte nicht ganz 10 Minuten und schon hatte ich meinen Katakana-Hanko, mit dem ich mich bei der Arbeit einstempelte.
Dafür hatten meine Kollegen auch alle einen eigenen Hanko. Keinen umständlichen wie ich, bei dem man ein Stempelkissen benötigt, sondern einen mit eingebauter „Tinte“, die man nur ab und zu nachfüllen muss.
Diese „falschen“ Hanko benutzt man zum Beispiel auch nicht für die Bank.
Meine Kollegen ließen den Hanko für die Arbeit auch immer auf dem Tisch im Aufenthaltsraum liegen.
Mein Konto konnte ich auch mit dem 300 Yen Hanko eröffnen, es liegt also wohl eher an jedem einzelnen, wie hochwertig er einen Hanko für den jeweiligen Zweck gern hätte.

Jetzt gibt es aber noch eine coolere Version! Den Smart-Hanko!
Das sind Aufkleber in Hankodesign. Später sieht man, wie beim Hanko, nur noch den Namen in rot und den Kreis drumherum. Dass es sich dabei ursprünglich um einen Aufkleber handelt, erkennt man nur dadurch, dass alle Stempel gleichmäßig sind. Kein Verschmieren mehr, kein nur halbsichtbarer Stempel. Wie praktisch!

Einige werden sich fragen, wie man das mit einer Unterschrift vergleichen will. Denn während handgeschnitzte Hanko doch noch irgendwie individuell sind, sind es maschinengefertigte und vor allem jetzt die Smart-Hankos nun wirklich nicht mehr.
Stimmt.. Aber das ist hier nicht wirklich wichtig..
Und man kann schließlich auch in Deutschland nur mit drei Kreuzen unterschreiben. Zumindest wenn man es nicht rechtsgültig braucht. Ansonsten funktionieren die Kreuze wenn sie beglaubigt sind auch..

Jitsuin von Hankoya

Und für die ganz, ganz wichtigen Unterschriften gibt es ja noch den offiziell registrierten Hanko mit Vor- und Nachname, den man immer gut versteckt hält.
Der nennt sich „Jitsuin“ – Wahrheitsstempel (実印). Ach ich liebe Kanji! Natürlich ist die richtige Übersetzung „amtlich registriertes Siegel“. Muss man ihn benutzen, braucht man auch die Bescheinigung vom Amt, dass es das registrierte Siegel ist.
Überall wo ihr nur das Kanji 印 mit einem Kreis drum herum im Unterschriftenfeld seht, reicht der normale Hanko aus.
Den Jitsuin braucht man zum Beispiel für die Heirats.. ach nein.. für die Heiratsunterlagen ja nicht.. Was war es noch gleich? Ach ja! Für den Mietvertrag zum Beispiel!
Der ist ja auch viel wichtiger als Heirat und Bankgeschäfte, nicht wahr? ^_-

Zum Thema Hanko und ausländische Namen, lest doch auch diesen alten Beitrag über Weg mit Geb: klick

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