Viel Familie um Neujahr

So sehr ich japanisches Weihnachten hasse, so sehr mag ich japanisches Neujahr.
Es ist so schön ruhig. Eigentlich..
Nachdem wir 2013/2014 in Deutschland waren, verbrachten wir Neujahr 2014/15 wieder in Japan.
Zum einen freute ich mich drauf, zum anderen auch nicht.
Ich brauchte die freien Tage dringend!
Allerdings hatte ich schlussendlich nicht viel frei..

Natürlich fuhren wir über Neujahr nach Hamamatsu.
Es ist der einzige Urlaub im Jahr, den mein Mann hat, und so erledigten wir nun etwas, dass wir seit Monaten vor uns her schoben: Familienbesuche.
Seine Eltern kenne ich natürlich schon. Weil wir aber keine Hochzeitsfeier machen, stand nun das Grüßen sämtlicher Onkel und Tanten auf dem Programm. Und weil es Neujahr war, und man zu Neujahr zu seinen Eltern geht, waren natürlich auch sämtliche Cousins und Cousinen mit Kindern anwesend..
Ich hatte Spaß! Und gleichzeitig durfte ich die unterschiedlichsten Neujahrsfeiern erleben. Von ruhig-traditionell bis laut-traditionell!
Es war wunderbar!

Bei laut-traditionell floss natürlich auch der obligatorische Neujahrs Sake, der meinem Mann zwei neue Krawatten und mir uneingeschränkten Familienanschluß bescherte.
Ich darf jederzeit vorbeikommen, weil ich jetzt schließlich Familie bin!
Weiß aber nicht ob ich das möchte.. 4 kleine Kinder im Haus! O.o
Sylvester verbrachten wir übrigens vor dem Fernseher und sahen ganz traditionell Kohaku. Den „Rot gegen Weiß-Gesangswettbewerb“.
Wo ich vor zwei Jahren noch ganz unbeteiligt daneben saß, fand ich ihn dieses Jahr recht spannend, weil ich sehr viele der Künstler und Moderatoren inzwischen kannte.
Ins Bett ging es übrigens vor Mitternacht. Dort lauschten wir den Glockenschlägen im nahen Tempel und kurz nach 0 Uhr war ich auch schon eingeschlafen.

Ein kleines bisschen Zeit hatten wir aber noch für uns, weshalb wir eine winzige Wohnsiedlung besuchten, die vom selben Architekten (Sasaki Shigeyoshi) entworfen wurde wie das fast schon berühmte „Nukumori no mori“.
Diese kleine Wohnsiedlung ist im „Halloween / Hexenstil“ designt worden, kostet mindestens 2800€ Miete im Monat und ist nur für alleinstehende Frauen zu erwerben. Es liegt direkt an einer großen Straße neben einem Babygeschäft und einer Schule. Hm.. warum wohl noch alle Häuser leer stehen?
Nach Neujahr gibt es außerdem immer großen Schlußverkauf, weshalb wir abends, als es dunkel wurde und es sonst nichts zu tun gab, einkaufen gingen.
Endlich konnte ich die Jacke, die ich schon letztes Jahr Neujahr haben wollte, kaufen!

Am 2.1. hatten wir dann tatsächlich den ganzen Tag für uns, schafften aber trotzdem nichts..
Denn, weil wir es mal konnten, schliefen wir ordentlich aus.
Dann machten wir uns auf den Weg zum Hatta-san „法多山“.
Das ist kein Berg, wie Japanischkundige unter euch vielleicht vermuten würden, sondern ein Tempel, den man ausnahmsweise beim Bergnamen nennt.
Mein Mann hat dieses Jahr ein schlechtes Jahr (und ich habe es nächstes Jahr, also ist dieses auch schon etwas schlecht) und der Hattasan soll gut sein im Abwenden des Schlechten.
Hoffen wir mal, denn für mich war der Besuch selbst nicht gerade toll.
Das hatte allerdings nichts mit dem Zwei-Stunden-Stau lange vor dem Tempel zu tun, sondern eher damit, dass ich vor dem Geldkasten verzweifelt mein Portemonnaie suchte und nicht fand.
In der total überfüllten Souveniershopgasse meinte Mamoru noch zu mir, ich solle meine Tasche zumachen, was ich dann auch tat. Hatte man mir vorher mein Portemonnaie gestohlen? War es rausgefallen als ich meine Kamera aus der Tasche zog oder hatte ich es einfach nur im Auto vergessen?
Natürlich konnte ich nun den Tempelbesuch nicht entspannt fortsetzen.
Wir kauften nur schnell die für den Hattasan berühmten Dango und machten uns auf den Rückweg zum Auto, wo mein Portemonnaie vorne auf dem Amaturenbrett lag. Nicht unbedingt der perfekte Ort um es zu vergessen, aber glücklicherweise sind wir ja in Japan, wo man Sitzplätze im Café mit dem neusten iPhone „reserviert“ und der Parkplatz wurde außerdem von den Gebühreneintreibern im Auge behalten.


Seht ihr den Fuji?

Obwohl wir ein bisschen zum Auto zurück gehetzt waren, schafften wir es nicht mehr rechtzeitig zu einem anderen Tempel mit Kobori Enshū Garten. Er war geschlossen.. Über einen Zaun hinweg konnte ich aber immerhin einen kleinen Blick erhaschen.
Naja.. Nächstes Mal gibt es ne Kobori Enshū Tour, das steht schon fest!

Am nächsten Tag sollte unsere Neujahrsreise auch schon vorbei sein. Mit kleinem Zwischenstopp in Shizuoka allerdings.
Mamorus Eltern mussten an diesem Tag schon wieder arbeiten und so sahen wir seine Mutter nur kurz zum Frühstück und sein Vater brachte uns vor seiner Schicht zur Bahn.
Vom Bummelzug nach Hamamatsu konnte man dann wunderbar den Fuji sehen! Von Hamamatsu aus ging es mit der Regionalbahn weiter nach Shizuoka. Das dauerte etwas mehr als doppelt so lang wie mit dem Shinkansen, war aber auch um einiges billiger.
Am Bahnhof wurden wir von Mamorus Onkel und Cousin abgeholt.
Von ihrem Haus aus hat man einen bezaubernden Blick auf den Fuji und vom Wohnzimmer aus sieht man die Berge, den Fluss, das Meer und die Izu-Halbinsel. Wunderbar!
Wie bei allen Familienteilen zuvor auch, konnten hier alle Englisch. Der Cousin wohnt auch im Moment in Manhatten.
Trotzdem sprachen wir auf Japanisch, für alle Beteiligten doch am Einfachsten.
Nach den obligatorischen zwei Stunden, mit selbstgebackenem Blaubeerkuchen, pseudo-deutschen Süßigkeiten (aber immerhin stand der Name auf Deutsch drauf) und schwarzem Tee, fuhr uns Mamorus Onkel zurück zum Bahnhof und der Kampf um den Shinkansen begann.
Tatsächlich schafften wir es erst in den 3. der kam! Und mussten auch fast die ganze Fahrt stehen. Und das einen Tag vor Ende der Ferien.. Absolut ungewöhnlich!
Am nächsten Tag wurde selbstverständlich gefaulenzt bevor am 5.1.die Arbeit wieder losging..

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2 Gedanken zu “Viel Familie um Neujahr

  1. Die Schulferien sind je nach Wohnort etwas länger, in Tokyo gingen sie bis zum 7.. Ihr seid also volle Kanne in den U-Turn Rush geraten ^^“

    • Aber grade wenn sie länger dauern, sollten die Leute doch erst später zurückfahren :(
      Mein Mann ist immer 1-2 Tage vor offiziellem Urlaubende (für die arbeitende Bevölkerung) zurückgefahren und hatte nie Probleme bisher..
      Aber ich muss auch gestehen, wir haben die beschissenste Tür erwischt.. Weiter vorne war alles leer, bei uns standen sie schon im Gang.. Aber wechseln ging dann auch schlecht..

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