Mukōjima Hyakkaen

Den Mukōjima Hyakkaen besuchte ich nun zum zweiten Mal.
Beim ersten Mal war ich gerade erst in Japan angekommen und wenig von ihm begeistert.
Für mein Buch habe ich dann ein bisschen recherchiert und einiges über ihn gelernt. Zum Beispiel, dass er der einzige erhalten gebliebene Blumengarten aus der Edozeit ist.
Und das wiederum macht ihn doch interessant!
Als Japan-Frischling hatte ich nur die typischen Japanischen Gärten im Kopf. Also Wandelgärten, Teegärten und Zengärten. Blumengärten waren für mich keine typischen Japanischen Gärten.
Aber diese Einzigartigkeit finde ich nun eben doch faszinierend! Und es ist auch nicht der einzige Blumengarten, den ich bisher besucht habe. Letztes Jahr war ich im Zuisen-ji in Kamakura, dem sogenannten Blumentempel.

Jetzt wollte ich also dem Hyakkaen, was „100 Blumen“ bedeutet, eine neue Chance geben.
Mit anderen Augen betrachtet und mehr Hintergrundwissen, machte er tatsächlich einen ganz anderen Eindruck.
Es war schön mal wieder viele unterschiedliche Blütenpflanzen in einem wilden Beet zusammengewürfelt zu sehen. Das erinnert mich an den Garten meiner Großmutter.
Dazwischen überall Pflaumenbäume, die noch aus den Anfangszeiten des Gartens stammten.
Zu Beginn war er ein Pflaumengarten mit etwa 360 Pflaumenbäumen.
Wenn ich übrigens von Pflaumenbäumen schreibe, meine ich Prunus mume, was botanisch korrekt als Japanische Aprikose/Pflaume bezeichnet werden müsste. Allerdings wird „Ume“, wie dieser Baum auf Japanisch heißt, normalerweise mit Pflaume übersetzt, wobei nicht die uns bekannten Pflaumen gemeint sind.

Der Garten gehörte Sahara Kikuu, einem wohlhabenden Antiquitätenhändler.
Zwischen 1804 und 1830 eröffnete er zusammen mit Freunden (Künstler, Literaten, Kunstliebhaber) den Hyakkaen einfach nur als Garten um sich an Blüten zu erfreuen.
Sie sammelten über die Jahre alle Pflanzen, die in japanischen und chinesischen Klassikern wie dem Manyo-shu (万葉集) oder dem Shikyo (詩経) erwähnt werden. Schließlich konnte man zu jeder Jahreszeit Blüten betrachten.
Ein längerer Name für den Hyakkaen ist deshalb 四季百花の咲く園 – Garten, in dem zu allen vier Jahreszeiten 100 Blumen blühen.

1938 wurde der Garten der Stadt Tōkyō geschenkt, und ab 1939 konnte eine gewisse Anzahl an Besuchern ihn gegen eine Gebühr besuchen.
Nach dem Krieg restaurierte die Stadt den Hyakkaen und von nun an konnte jeder ihn besuchen.
Seit 1978 ist er als Ort für besondere landschaftliche Schönheit mit historischer Bedeutung ausgezeichnet.

Dieser Blumengarten ist sehr klein und etwas abgelegen, weshalb er nicht von Menschen überlaufen und kaum von Touristen besucht wird.
In ihm befindet sich ein kleiner See mit vielen Wasser- und Sumpfpflanzen. Auch einen kleinen Bereich für Iris gibt es.
Besonders schön anzusehen ist die kleine geschwungene, bewachsene Brücke über einen Teil des Sees.
Dahinter befinden sich viele Steintafeln mit Gedichten über den Garten oder Pflanzen. Außerdem gibt es hier einen der wenigen Bambushaine mit Moso-Bambus. Einen anderen findet man im Tonogayato-teien.
Im Eingangsbereich befinden sich viele Blumenbeete und Pergola mit unterschiedlichen Bepflanzungen.
Ein besonderes Highlight ist die Ausstellung der 7 Kräuter des Frühlings und der Besuch des Fukurokuju Schreins im Januar. Die 7 Kräuter des Frühlings, die ein langes Leben verheißen und Unglück abwenden, werden der Kaiserfamilie jedes Jahr zum Geschenk gemacht. Fukurokuju ist einer der 7 Glücksgötter und entlang des Sumidaflusses findet man auch die anderen 6, zu denen jedes Jahr im Frühjahr viele Menschen pilgern um Glück zu erbitten.

Unser Highlight war die einzelne Lotus-Blüte in einem Wasserkübel.
Es war die erste Lotusblüte, die ich aus der Nähe fotografieren konnte.

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