Urlaub in Ise

Ich finde, den habe ich mir verdient..
Zwar hatte ich zwischen Weihnachten und Neujahr einen wundervollen Urlaub, aber dazwischen hat sich doch wieder einiges an Stress angesammelt.
Und als dann Lotte fragte, ob jemand mit nach Ise möchte..
Außerdem wollte Mamoru letztes Jahr schon mit mir dorthin, aber wir haben es nicht geschafft.

In Ise steht der heiligste Schrein der Japaner. Der Ise-Jingū.
Die Hauptgebäude im Naikū (内宮) und Gekū (外宮) werden alle 20 Jahre abgerissen. Schon Jahre vorher werden deshalb neue Gebäude angefangen zu bauen. Sie werden immer exakt gleich errichtet, weshalb hierdurch eine uralte Bautechnik erhalten bleibt. Da die Shōgū (正宮), die Hauptgebäude, immer aus unbehandeltem Zypressenholz errichtet werden, haben sie den Abriss nach 20 Jahren auch wirklich nötig.
Wir haben die alten Gebäude nämlich noch gesehen. Das war der Hauptgrund, weshalb wir zu dieser Zeit nach Ise gefahren sind.

Frühstück

Wir, das waren letztendlich Lotte, Caro, ihr Freund Yosuke und ich.
Caro hat dann zum Glück auch erst mal die halbe Planung an sich gebracht, was uns ein wunderbares Abendessen in ihrer Wohnung einbrachte, sowie eine sehr entspannte Autofahrt nach Ise und wunderbares Essen. Eigentlich sollte ich mich auf der Fahrt mit Yosuke abwechseln, wir sind ja schon um halb 4 Uhr morgens losgefahren, aber er fühlte sich so frisch, dass er einfach durchgefahren ist.
Um halb 10 Uhr kamen wir trotzdem etwas fertig (auf der Autofahrt konnten wir nicht sehr viel Schlaf nachholen), aber glücklich am Ziel an.
Wir fuhren zuerst zum Naikū, dem wichtigeren der beiden Hauptschreine. In ihm ist die Göttin Amaterasu eingeschreint.
Später lasen wir, dass man normalerweise erst den Gekū besucht..
Aber bevor wir das Schreingelände betraten, ging es zuerst durch eine historisch aussehende Straße (Okageyokochō) und es gab Frühstück in Form von Matcha und Akafuku bzw. Ichigodaifuku für Yosuke. Akafuku war die erste lokale Spezialität, die wir an diesem Wochenende gegessen haben. Es sollten noch viele weitere folgen..
Ein Angestellter der Teestube erzählte uns noch ein wenig über die alten Gegenstände, die sich in Haus und Garten fanden.
Im Garten erzählte er uns etwas zu einer besonderen Steinlaterne. Zu der Zeit, als das Christentum in Japan verfolgt wurde, hat ein Künstler die christlichen Symbole in einer Steinlaterne versteckt. Sie ist in Form eines Kreuzes gestaltet und am Fuß findet man eine Verzierung, die als Maria-Bildnis gesehen werden kann.
Recht langsam arbeiteten wir uns dann Richtung Schrein vor, denn es gab so viele interessante Geschäfte, die erkundet werden wollten. Je näher wir dem Schrein kamen, desto voller wurde es. Bis wir in einer Menschenmenge über die Uji-Brücke getragen wurden und auf der anderen Seite in der Mitte eines breiten Kiesweges landeten. Irgendwann, noch ziemlich rechtzeitig zum Glück, fiel uns auf, dass langsam alle Japaner aus der Mitte verschwanden.
Im Naikū geht man rechts! Der Weg in der Mitte bleibt den Göttern vorbehalten!
Im Gekū ist das übrigens umgekehrt, da geht man links.

Alt gegen Neu

Je weiter wir zum Hauptschrein kamen, desto aufgeregter wurden wir. Glücksbringer wurden aber trotzdem noch vorher gekauft. Es gab Besondere zu kaufen, angefertigt aus dem Holz des alten Schreins. Wie genau das funktionierte, weiß ich nicht, denn der alte Schrein steht ja noch.
Endlich am Hauptschrein angekommen, machten wir natürlich Beweisfotos, dass wir auch wirklich dort waren. Darin unterschieden wir uns nicht von den Japanern.
Lotte ist Japanologiestudentin und wollte wegen ihrer Studien den alten Schrein besuchen. Das ist nur eine kurze Zeit ihm Jahr möglich, nachdem die Gottheit in den neuen Schrein umgezogen ist.
Leider war der alte Schrein komplett abgeriegelt und als sie einen der Ordner fragte, meinte der nur, man könne den alten Schrein nicht besuchen.
So leicht wollten wir uns aber nicht geschlagen geben. Also wurde noch eine Reiseleiterin gefragt. Die Frau war sehr hilfsbereit und erklärte uns, dass nur der alte Schrein des Gekū geöffnet sei.
Also machten wir uns auf zum Gekū um mehr zu erfahren!
Vorher wurde aber noch Mittag gegessen. Ise-Udon und Matsusaka Beef. Zwei weitere Spezialitäten der Region.
Übrigens in einem Lokal mit zu wenig Angestellten. Eine Seltenheit in Japan.
Außerdem zog es an unserem Tisch furchtbar. Die Tür zum Vorraum stand nämlich leider immer offen und oft stand auch die Tür nach außen offen, weil sich da so viele Menschen drängten.
Das Beef war aber herrlich und entschädigte alles! Wir hatten genau ein Stückchen Nigiri-Sushi mit dem Fleisch, mehr konnten wir uns nicht leisten..
Im Gekū erfuhren wir wirklich was mehr davon was zu beachten war, konnten uns das Gesamtbild aber erst richtig zusammen reimen, nachdem Lotte vier unterschiedliche Leute gefragt hatte.
Heraus kam aber auf jeden Fall, dass es keine 100%ige Sicherheit gibt, ob man wirklich in den alten Schrein kommt.
Auf jeden Fall hatten wir keine passende Kleidung dabei.
Lotte war dieser Besuch jedoch sehr wichtig und so wollte sie sich am nächsten Tag etwas Passendes kaufen.
Jetzt ging es aber erst mal zum Hotel. Es lag doch ein wenig außerhalb, aber direkt am Meer und ganz in der Nähe der berühmten Felsen von Ise, 夫婦岩 – Meotoiwa, die ein Ehepaar symbolisieren.
Im Hotel erwartete uns eine kleine große Überraschung..
Wir wollten eigentlich gerne recht günstig übernachten. Allerdings erfuhren wir bei der Anmeldung, dass wir das Onsen im 3. Stock mit Aussicht aufs Meer und Freiluftbad extra bezahlen mussten.. Unsere sehr großen Zimmer verfügten weder über eine Toilette noch über ein Bad, so mussten wir das also auf jeden Fall bezahlen. Ich weiß aber gar nicht, ob man die Wahl gehabt hätte.. Und wir wollten ja ins Onsen!
Und noch ein Tipp: habt ihr bei der Reservierung die Wahl zwischen großen und kleinen Zimmern und es gibt keine nähere Beschreibung, wählt ein kleines Zimmer! Wir landeten nämlich in Partyräumen mit extrem schmutzigen Tatami und einem sehr schmutzigen Tisch.
Die Klos lagen auf der anderen Seite des Ganges und luden uns dazu ein nur im Einkaufszentrum auf Toilette zu gehen.
Bevor wir das Onsen erkunden gingen, wollten wir jedoch noch Abendessen. Außerdem hofften wir, dass die große Reisegruppe so spät schon mit dem Onsen fertig wäre.
Caro hat nämlich ein Tattoo und mit Tattoos darf man normalerweise nicht ins Onsen. Für sie gibt es also nur die Möglichkeit der Family (privat) Onsen-Räume – sowas gab es in dem Hotel aber nicht – oder es zu Zeiten zu besuchen, zu denen kaum jemand sonst baden geht.
Hier hatte sie ja auch echt keine Wahl, weil wir nur dieses Bad zum Duschen hatten.
Auf dem Weg zum Restaurant gingen wir noch zu den berühmten Felsen.
Wir erlebten sie im schönen Schummerlicht der Abenddämmerung.
Danach suchten wir verzweifelt nach einer Möglichkeit irgendwo einkehren zu können.
Die Gegend war total ausgestorben! Und es war noch lange vor 19 Uhr.
Kein Geschäft hatte geöffnet, kein Restaurant war zu sehen..
Bis auf eins! Aber das wies uns ab, sie seien ausgebucht und hätten keine Möglichkeit uns in den nächsten Stunden unterzubringen. Kein Wunder wenn man das einzige Restaurant in einer Gegend voller Hotels ist.
Also ging die Suche weiter.
Wir liefen an einem Konbini vorbei, aber Konbini-Essen wollten wir nicht. Nur als allerletzte Notlösung.
Yosuke entdeckte via Internet, das an diesem abgelegenen Ort extrem langsam war, eine Izakaya. Hoffnungsvoll machten wir und auf den Weg. Wir ließen sogar ein Hausmannskost-Restaurant links, bzw. rechts liegen, nur um dann festzustellen, dass die Izakaya ebenfalls geschlossen hatte..
Also wieder zurück zur Hausmannskost!
Zu allem Überfluss fing es jetzt auch noch an zu regnen! Und es war kalt..
Deshalb bangten wir auch sehr, als wir das Restaurant betraten, ob wir wieder abgewiesen würden.
Das passierte allerdings nicht, es war zur Hälfte leer.
Und wir haben so unglaublich gut gegessen und getrunken und das Damen WC war ein echtes Highlight.
Es gab für mich übrigens Matsusaka Hamburg. Ja, ihr lest richtig.. ハンバーグ – Hanbāgu, eine Frikadelle mit Soße, schreiben Japaner in unserer Schrift Hamburg.
Warum man übrigens das gute Fleisch in Frikadellen verwandelt ist mir schleierhaft. Wahrscheinlich werden sie aus all den unappetitlichen Resten hergestellt, die sonst niemand essen würde. Aber sie schmeckte vorzüglich!
Jetzt ging es mit dem Taxi zurück zum Hotel. Den Luxus gönnten wir uns. War ja auch nicht so teuer, da wir durch 4 Personen teilen konnten.
Und dann ging es ab ins Onsen! Es war zwar nicht die Reisegruppe im Bad, aber leider immer noch viele Leute.
Trotzdem machten wir es uns bequem zwischen all den Damen und nutzen sowohl das richtige Onsen innen, als auch das einfache warme Wasser außen ausgiebig!
Als wir entspannt aus dem Bad kamen, führten wir Lottes und mein Zimmer seinem ursprünglichen Zweck wieder zu. Wir machten eine kleine Trinkparty. Eigentlich wollten wir in den hoteleigenen Karaokeraum, aber den hatten sie einfach mal ’ne Stunde vor offizieller Schließung dicht gemacht.
Wir hatten trotzdem einen netten Abend und es wurde sehr spät.. Im Endeffekt waren wir wohl 24 Stunden auf den Beinen.
Dementsprechend lange haben wir am nächsten Tag geschlafen.. Und trotzdem haben wir es irgendwie kurz nach 10 Uhr aus dem Hotel und in die nächste Mall geschafft.
Dort wurde bei Starbucks gefrühstückt, das Free-Wifi ist inzwischen auch außerhalb von Tōkyō etabliert, Lotte hat sich für den anstehenden Schreinbesuch neu eingekleidet, Caro und Yosuke haben beim billigen Gemüse aus dem Süden zugeschlagen und ich habe Kaffee bei Kaldi verköstigt und mir leckere Erdbeer-Donuts für 100¥ gegönnt. Außerdem hab ich Gatchapon Müll-Krähen gefunden und musste mir eine kaufen.
Um 13 Uhr ging es dann los zum Angriff auf den Gekū.
Lotte sollte alles alleine regeln, ohne dass wir anderen zu sehen waren. Also verzogen wir 3 uns Richtung Museum (Sengūkan), in dem Wissenswertes zu den Erneuerungszeremonien gezeigt wird und zum Teich. Das Museum besuchten wir nicht, wir beobachteten eher die Massen an Yakuza, die beschlossen hatten den Schrein auch an diesem Tag zu besuchen.
Da das irgendwann langweilig wurde, liefen wir in die nahe Einkaufsstraße. Eigentlich wollten Caro und ich den mobilen Starbucks fotografieren, aber er fuhr uns vor der Nase weg. Scheint nur bis mittags vor dem Schrein zu stehen..
Aber wir verköstigten noch Inari-Ise-Udon.
Die Udon befanden sich dabei in der Tofu-Tasche und das alles schwamm in der Ise-Brühe. Äußerst lecker!
Und dann kam auch schon die Nachricht von Lotte, sie war fertig und wir wollten uns jetzt auf dem Schreingelände wiedertreffen.
Für den Tag stand noch Ise-Ebi auf dem to-do Plan. Ise-Ebi ist denke ich eine Art Languste. Ich hatte auf ein Restaurant gehofft, in dem ich sie gegrillt oder als Karaage bekommen könnte, aber die Zeit machte mir einen Strich durch die Rechnung. Das Restaurant zu dem wir eigentlich wollten hatte Mittagspause. So fuhren wir zu einem abgelegenen, aber trotzdem sehr gut besuchten Lokal direkt am Meer. Die Aussicht war wunderschön!
Bei dem Lokal handelte es sich um ein Sashimi Restaurant. Die gemischten Angebote waren nichts für mich, weil ich viele Bestandteile nicht mochte. Auch rohe Ise-Ebi war nicht so meins und auf den Preis guckte ich auch. Also aß ich einfach Thunfisch und Lachs auf Reis und war damit sehr glücklich. Lotte gab mir noch etwas von ihrer mit Mayo gegrillten Ise-Ebi ab, aber ich schmeckte hauptsächlich nur Mayo.
Die anderen leisteten sich übrigens einen ganz besonderen Spaß. Sie bestellten sich Essen, das wieder aus der Schüssel sprang.
Lotte und Caro kamen allerdings doch nicht ganz damit klar und so musste Yosuke die Garnelen köpfen..
Bis das Essen vor uns stand, hatte ich gar nicht wirklich begriffen, dass die Viecher noch halb lebten und war umso glücklicher, dass ich meinen definitiv toten Lachs und Thunfisch hatte. Denn wenn ich etwas wirklich nicht mag, ist es lebender Fisch auf meinem Teller..
Nach diesem aufregenden Erlebnis gingen wir den Abend entspannt an. Vor allem auch, weil wir noch immer unter Schlafmangel litten.
So besuchten wir das Onsen und setzten uns im Zimmer nett zusammen. Fast ohne Alkohol. Gingen recht früh schlafen und standen früh auf. So früh, dass Lotte und ich sogar noch schnell das Onsen besuchen und so wirklich mal die wunderbare Aussicht aufs Meer genießen konnten. Am Abend war es ja immer schon dunkel.
Und dann ging es los nach Nagoya!

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