Wie ich zu meinem japanischen Führerschein kam oder: die Sache mit der Polizei..

Seit Wochen stand die Planung, wann ich meinen Führerschein in einen Japanischen umschreiben lassen wollte.
Laut Botschaft darf man mit dem deutschen Führerschein + Übersetzung nur 1 Jahr fahren und muss ihn auch innerhalb eines Jahres umschreiben lassen. Sonst kann es passieren, dass man doch eine Prüfung ablegen muss. Und das wollte ich vermeiden, weshalb ich einen Termin ein halbes Jahr vor Ablauf der Frist wählte. Außerdem befürchte ich, dass mein Leben wie dieses Jahr im Frühjahr auch, dann etwas turbulent wird. Frühjahr ist irgendwie immer etwas hektisch.
Man kann den Führerschein übrigens auch nur umschreiben lassen, wenn man mindestens noch 3 Monate im Land ist. Und gültig ist meiner jetzt zumindest erstmal nur für 3 Jahre, danach werden es 5 Jahre.
Ich wollte also die Prüfung vermeiden, denn die wäre ja auf Japanisch und ich habe ein wenig Angst davor sie nicht zu bestehen.
Der 26.11., mein ausgewähltes Datum, war Dienstag. Montag hatte ich noch einen Arbeitstag.
Der Arbeitsauftrag lautete: Mit zwei Autos und 4 Personen nach Sakado fahren, gemähtes Gras verbrennen und mit dem Freischneider das übrige Gelände mähen.
Zum Arbeiten kam ich aber nicht wirklich.. Erst kurz vor 10 Uhr kamen wir am Arbeitsplatz an, dann arbeiteten wir vielleicht 20 Minuten bevor mich eine kleine Polizeistreife auf einem Roller anhielt..
Meine beiden japanischen Kollegen und ich hatten mit Hilfe des Keitoras das etwas weiter entfernt liegende Gras eingesammelt und zum Feuerplatz gebracht. Die Strecke betrug vielleicht 100 Meter. Auf dem Rückweg waren meine Kollegen auf die Ladefläche gesprungen und ich fuhr sie die paar Meter zum verbleibenden Gras auf einer öffentlichen Straße.
Und das war der Fehler..
Der Polizist hielt uns an, sagte meinen Kollegen, dass das verboten sei, die sprangen grinsend vom Keitora und arbeiteten weiter.
Mich dagegen fragte der Polizist, ob ich einen japanischen Führerschein hätte.
Nein, hätte ich nicht, nur einen Deutschen mit Übersetzung.
Sah er sich nicht mal an, er meinte sofort, da wüsste er nicht bescheid und müsse nachfragen.
Das tat er dann indem er über Funk Verstärkung anforderte.
Mich ließ er eine halbe Stunde in der Kälte stehen während er abwechselnd etwas in sein Funkgerät murmelte oder in seinem Handbuch doch noch versuchte Verhaltensweisen für diesen Fall zu finden.
Irgendwann traf die Verstärkung aus Kawagoe ein. Angeblich sollte ein Polizist dabei sein, der sich mit Deutsch auskennt.
War natürlich nicht der Fall, hätte mich auch gewundert..
In dem Streifenwagen kamen zwei Polizisten, die einen Blick aus der Ferne auf meinen Führerschein und die Übersetzung warfen, meinten das sei doch in Ordnung und fast wieder umdrehten.
Bis der erste Polizist sie auf irgendetwas hinwies, was sie dazu veranlasste den Fall doch nicht als erledigt zu betrachten.
Allerdings versicherten sie mir immer wieder, dass alles in Ordnung sei und ich mir keine Sorgen zu machen brauche.
Sehr höflich.
Einer der Neuen verschwand im Streifenwagen und versuchte dort über Funk irgendwas rauszufinden. Der andere las jetzt wirklich mal die Übersetzung meines Führerscheins.
Er fragte auch mal das eine oder andere nach um sich zu vergewissern, ob er es richtig verstanden hatte. Er wirkte wirklich sehr nett, während sein Kollege im Streifenwagen etwas grummlig wirkte.
Ich wette, die beiden spielen oft und gerne „guter Bulle, böser Bulle“.
Zwischendurch kamen noch vier weitere Polizisten um die Ecke, aus der Richtung meiner Kollegen.
Zuerst dachte ich noch, die wären wegen derselben Sache da. War aber doch nur wegen des Feuers.
Irgendwann fuhr noch mein Chef vorbei, sprach kurz mit den Polizisten, grinste mich an, sagte es sei alles in Ordnung und fuhr nach Hause. Als ich ihm später erzählte wie teuer der Spaß geworden ist, verging ihm das Grinsen.
Nach fast einer Stunde ging es dann endlich mit dem Strafzettelschreiben los, nachdem mir nochmal exakt erklärt wurde, was falsch gelaufen ist. Wenn eine Person den Keitora fährt, darf genau eine Person hinten auf der Ladefläche stehen und die Ladung festhalten!! Der Polizist meinte, auch wenn in Deutschland zwei Personen die Ladung sichern dürften, in Japan sei das verboten. Ich musste mich ganz stark zusammenreißen ihm nicht zu erzählen, dass es in Deutschland undenkbar wäre auf einer öffentlichen Straße jemanden auf der Ladefläche spazieren zu fahren..
Dann kam endlich mal wieder ein Kollege von mir vorbei und stellte sich dazu. Signalisierte der Polizei, dass ich Arme nichts dafür könne, er kenne es aus seiner Jugend noch so, dass zwei Personen die Ladung sichern dürfen. Dann versuchte er ein paar Scherze zu machen. Die Polizisten waren inzwischen aber so genervt, dass sie nicht drauf ansprangen und ich Angst hatte, sie würden ihn gleich noch wegen Beamtenbeleidigung oder dergleichen mitnehmen.
Als der erste Polizist dann noch Probleme hatte den Strafzettel richtig auszufüllen und ständig bei seinem Kollegen nachfragte und das auch noch nach dem dieser ihm das Handbuch vor die Nase geknallt hatte, explodierten beide. Ohne Vorwarnung begannen beide sich anzubrüllen. Ich dachte, ich sei bei der japanischen „Versteckten Kamera“ gelandet, mein Kollege begann zu lachen und versuchte die Streithähne zu trennen. Irgendwann beruhigten sie sich wieder, ich bekam meinen Strafzettel über 6000¥, mein Kollege den Zahlungsbescheid und dann durfte ich noch im Polizeiauto zum nächsten Konbini fahren, wo die Polizisten eine Kopie meines Führerscheins und der Übersetzung und eine Kopie der Gaijin Card machen wollten.
War eine sehr nette Fahrt und Beide wirkten wieder entspannt.
Jetzt ging aber die Panik los..
Am nächsten Tag wollte ich ja meinen Führerschein umschreiben lassen. Wenn die in der Führerscheinstelle nun von meinem Erlebnis am Vortag erführen, müsste ich dann doch noch eine Prüfung machen?

Wenn man einen Führerschein in einen japanischen Führerschein umschreiben lassen möchte, muss man dafür ins Führerschein-Zentralamt der Präfektur in der man wohnt.
Das nervte mich ziemlich, da es in Tokyo 3 Ämter gibt, alle mehr oder weniger gut zu erreichen, ich aber in Saitama nach Kōnosu musste.
Außerdem hat man da vormittags genau ein Zeitfenster von einer halben Stunde..
Aber der Reihe nach..
Zuerst wurde sich natürlich erkundigt, was für Unterlagen man braucht.
Das waren in meinem Fall: der deutsche Führerschein mit Übersetzung, meine Gaijin Card, eine Juminhyo (Meldebescheinigung), 2 Fotos (3cm x 2,4cm) und mein aktueller und mein alter Reisepass (die dienen als Nachweis, dass ich mindestens 3 Monate lang in Deutschland gelebt habe. Es müssen also Stempel vorhanden sein!). Ach ja.. Und natürlich Geld..
Um 9.15 Uhr war ich am Führerscheinamt und konnte mich schon in eine Schlange wartender Ausländer einreihen. Um Punkt halb 10 stellten wir uns in einer Reihe vor dem Bearbeitungszimmer auf und warteten darauf in eine Liste eingetragen zu werden.
Nummer 17Dann bekamen wir Nummern und mussten darauf warten aufgerufen zu werden.
Der Beamte meinte, an dem Tag sei es ungewöhnlich voll. Toll.. Ich bekam die Nummer 17.
Und nun begann das öde Warten..
Um halb 12 oder so war ich endlich an der Reihe.
Ich erinnere mich schon gar nicht mehr, was der Beamte alles erzählte und fragte, ich war ja total aufgeregt wegen meines Vergehen am Vortag. Nur, dass ich einen Zettel ausfüllen musste weiß ich noch. Angaben ob ich schon einen Unfall gehabt hätte oder ob mir der Führerschein entzogen worden sei. Außerdem Fragen zu meiner Gesundheit, die darauf abzielten ob ich narkoleptische Anfälle hätte. Habe ich nicht. Außer, man setzt mich in ein Klassenzimmer oder ein Büro ohne Computer oder sinnvolle Arbeit.
Und dann kam die Frage Nummer 5.. Irgendwas seltsam Formuliertes, ob ich schon ein Vergehen im Straßenverkehr gehabt hätte (ach ja.. der Fragebogen war auf Englisch). Der Beamte sah natürlich wo ich zögerte und meinte, ich sei ja noch nicht in Japan gefahren, kann ja also nicht der Fall sein. „Ähm doch.. Ich fahre seit einem halben Jahr fast täglich..“ „Ja, aber der Führerschein sei mir ja noch nicht abgenommen worden?“ „Nein, das nicht..“
„Ja was ist denn dann passiert?“ „Zu viele Personen mitgenommen..“
„Ach so. Dann bei der Frage ein „x“ machen, alles in Ordnung.“
Kam es also doch heraus, aber zum Glück ohne Folgen!
Der Beamte sprach übrigens Japanisch. Da er mich nicht mal auf Englisch begrüßt hatte, gehe ich mal davon aus, dass er kein Englisch spricht.
Es wurde ein Haufen Papiere ausgefüllt, meine zwei Fotos aufgeklebt, Farbkopien gemacht und dann sollte ich zum Bezahlen.
Weil ich sowohl Auto als auch Motorrad eingetragen haben wollte, kostete mich der Spaß über 7000¥.
Bezahlt wurde vor der Tür. Auf zwei unterschiedliche Papiere wurden hierfür bunte Briefmarken geklebt, als Beweis, dass ich bezahlt habe.
Weil ich aber so viel bezahlen musste, reichte der Platz nicht aus, was die Dame fast zur Verzweiflung brachte. Hochkant ging ja auch nicht.. (Thema Flexibilität von Japanern..)
Nun hieß es Zeit bis 13 Uhr rumkriegen und Nummern ausdenken, die auf den Führerschein kommen? Den Sinn dahinter habe ich nicht verstanden. Ich hatte gefragt ob ich mich an sie erinnern können muss. Aber das war nicht der Fall. Ich bräuchte sie nicht wieder. Warum also musste ICH sie mir ausdenken?
Kurz in der Kantine Mittag gegessen. Das Curry war ok, aber die Portion zu klein. Also noch zum Konbini. Es war ein 7 eleven, ich bekam 100¥ Kaffee und war glücklich. Worüber ich nicht glücklich war, war der Ausländer.. Als ich den Konbini betrat, verließ er ihn und sagte mir im Vorbeigehen, dass ich so schön sei.. Ähhh ja.. Ansichtssache.. Vor allem weil meine Haare an dem Tag mal wieder einem explodierten Wischmop ähnelten.. Das widerliche war aber, dass er wohl auf dem Parkplatz gewartet hatte bis ich wieder raus kam..
Das war total gruselig!
IMG_8376Im Foyer des Centers blieb immer noch eine Viertelstunde Zeit bis der Schalter öffnete. Um Punkt 1h wurden wir Ausländer aber allesamt hinter die Schalter geleitet und innerhalb von 10 Minuten waren wir alle (über 10 Personen) für’s Erste abgefertigt. Also Dokumente abgegeben, Zahlung und Vollständigkeit überprüft und Sehtest abgenommen. Das nenne ich mal effizient!
Danach wurden wir in zwei Grüppchen geteilt. Die, die einen Test machen mussten, (hier erfuhr ich, dass es den auch in Englisch gibt) und die, die keinen machen brauchten.. Das waren nur ein Asiate und ich. Nur zwei Personen bedeutete aber nicht unbedingt schneller. Irgendwann wurden wir abgeholt und zusammen mit einem Rollifahrer in den 1. Stock gebracht, wo wir warten sollten bis wir aufgerufen wurden. Das dauerte und dauerte.. Und ich musste inzwischen auf die Toilette und habe mich nicht getraut zu gehen.
Dann endlich wurde ich in den Fotoraum gebeten. Die Fotos, die ich abgegeben hatte, sind nämlich nur dafür da die Dokumente zu schmücken, nicht den Führerschein.. Dafür wird noch ein Foto extra gemacht.
Nach dem Foto musste ich wieder warten bis ich endlich meinen Führerschein ausgehändigt bekam. Mit der Anmerkung, dass ich keine Anfänger-Schilder brauche! KeiYeah! Allerdings wird das eine Schild wohl noch eine Weile die Motorhaube meines Keis schmücken, denn ich finde, das steht ihm außerordentlich gut!
Nach insgesamt 6 Stunden war die Prozedur dann vorüber und ich konnte den Rückweg von über einer Stunde antreten!

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8 Gedanken zu “Wie ich zu meinem japanischen Führerschein kam oder: die Sache mit der Polizei..

  1. Ojee, das klingt ja gut. Ich finde es auch immer wieder total klasse, dass die im Ausländeramt (zumindest in Chiba) kein Wort Englisch sprechen…

    • Ich frage mich auch immer, wie gewisse Dinge ablaufen sollen, wenn keiner den anderen versteht..
      Beim Führerschein würde ich ja glatt mal behaupten, man sollte schon ein wenig die Sprache verstehen und sprechen. Falls man mal von der Polizei angehalten wird.. Oder damit man ein gewisses Grundverständnis für Verkehrsschilder hat.
      Aber im Ausländeramt…
      Nee… Ich glaube, wenn ich so gar kein Japanisch könnte, würde ich hier nicht glücklich werden.

  2. Du hast nen Mopedschein? Du wirst mir ja noch richtig symphatisch! Welchen? Oogata, also unbegrenzt? Mittlerweile kann man den unbegrenzten deutschen Motorradschein ja auch einfach umschreiben lassen. Ich musste damals noch einen praktischen Test hinlegen. Und das zu einer Zeit als ich noch kein Japanisch verstand. Nu ja, für die Polizisten war es lustig. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt auf der Strecke…….

    • War ich das bis jetzt etwa nicht? Tststs…. ^_-
      Ich hab ’nen Mopedschein. Wurde gleich mitgemacht als ich 18 war, darf also schon lange offen fahren und konnte es einfach mit umschreiben lassen.
      Aber…. Ich bin schon ewig kein Motorrad mehr gefahren >.< Würde mir aber zu gerne hier für die Stadt entweder so ein Winzmotorrad oder 'nen ollen Roller zulegen. Aber.. kein Geld *seufz*

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