Spontaner Ausflug nach Yamanashi

Als es an einem Mittwoch (vor meinem Urlaub in Deutschland) wieder stark regnete, fiel die Arbeit aus.
Zwei Kollegen waren gar nicht erst erschienen und ein weiterer wurde wieder nach Hause geschickt.
Die andere Praktikantin und mich bestellte der Chef um 9 Uhr zu seinem Auto.
Er wollte mit uns in den Tonogayato-teien nach Kokubunji fahren. Das ist ein Stadtteil von Tokyo und nicht allzu weit entfernt.
Der Tonogayato-teien war einer der ersten Gärten, die ich in Tokyo auf eigene Faust besuchte und ich mag ihn sehr.
Da er nun ja nicht weit entfernt lag, dachte ich mir, ich könnte danach eventuell noch Zeit in der Stadt verbringen und in einem Café ein wenig lernen.
Mal wieder habe ich die Rechnung ohne meinen Chef gemacht..
Kaum saßen wir im Auto, eröffnete er uns, dass wir in den Erin-ji nach Yamanashi fahren würden und danach zum Tonogayato-teien.
Ok, beide schon gesehen, aber was soll’s, Gärten besuche ich immer gerne. Auch gerne ein zweites Mal.
Yamanashi ist die Präfektur, die sich mit Shizuoka den Fuji-san teilt.
Beide wetteifern darum, von wo aus man den schönsten Blick auf diesen Berg hat.
Yamanashi bietet aber auch noch einige schöne Seen am Fuß des Fuji und ist außerdem für seine Weintrauben und Pfirsiche berühmt.
Und hierhin fuhren wir nun also. 130km entfernt. Nur um mal eben einen Garten anzusehen.
Die Autofahrt verlief sehr entspannt, wie der ganze Ausflug. Wie schon beim letzten Ausflug zum Rikugien/Furukawa-teien, war die Gastmutter nicht dabei.
Ich glaube, das trägt viel zur entspannten Atmosphäre bei.
Wir müssen nicht an jeder zweiten Autobahnraststätte anhalten, der Chef fährt schneller und wir haben in den Gärten genug Zeit uns alles in Ruhe anzusehen.
So habe ich dieses Mal auch mehr vom Erin-ji gesehen als vorher.
Ich konnte über den Nachtigallenboden laufen, uralte 杉 – Sugi bewundern und schönes Moos fotografieren.



Was ich wirklich nicht geglaubt hatte, wir schafften es tatsächlich noch zum Tonogayato-teien, bevor es dunkel wurde! Das tut es jetzt schon gegen halb 6.
Auf der Fahrt erzählte unser Chef einiges. Über das Kiefern-Sterben in Japan und über den Bau von neuen Häusern und Straßen.
Er erzählte uns, dass japanische Häuser ja aus Holz gebaut werden und sie deshalb oft alle 20-25 Jahre erneuert werden müssten.
Irgendwann gab es eine richtige Neubauwelle.
Er findet es schön.
Ich nicht unbedingt. Denn jetzt baut jeder billig und alle Häuser sehen absolut gleich aus.
Ich mag zwar die japanische Bauweise, aber es wirkt einfach nur trist, wenn man durch eine Gegend fährt, in der alle Häuser gleich aussehen.
Auch unser Gastvater hatte vor ca. 20 Jahren die Gelegenheit ergriffen das alte Familienhaus abzureißen und ein modernes Haus zu bauen.
Ich finde dieses Haus abgrundtief hässlich. Aber mir muss es ja auch nicht gefallen..
Allerdings frage ich mich, ob es nicht die Möglichkeit gibt neu, aber im traditionellen Design zu bauen. Wird das dann gleich so viel teurer?
Oder warum wird nicht gleich besser isoliert?
Ich will nicht wissen, wieviel Yen jedes Jahr durch die Nutzung der Klimaanlagen verloren geht. Vor allem wenn man in der Innenstadt wohnt, ist die Zeit, in der man sie nicht nutzen muß, sehr kurz. Im Winter heizt man mit ihr, im Sommer wird gekühlt..
Ich wohne schon fast auf dem Land. Diesen Sommer habe ich sie vielleicht nur 2-3 Wochen genutzt.
Im Winter wird das bei zwei Fenstern ganz anders aussehen..
Aber ich komme vom Thema ab..
Bevor ich jedoch zurückkehre, die Straßen in Japan sind wirklich in einem super Zustand. Ich denke das kommt daher, dass die Winter, zumindest ab Tokyo gen Süden, so mild sind. Es kommt kaum zu Schäden durch Frost.

Beim Tonogayato-teien kamen wir gegen 15h an. Wir hatten somit wirklich noch ausreichend Zeit bevor es dunkel wurde.
Erst hier stellte mein Gastvater erstaunt fest, dass ich sowohl den Tonogayato-teien, als ja auch den Erin-ji schon kannte. Er dachte, der Tonogayato-teien wäre für mich auch neu.
Allerdings hatte ich ihm gerade eine Woche vorher im Rikugien erzählt, dass ich den Tonogayato-teien schön finde, aber denke, dass er für den Besuch mit der Gastmutter problematisch wäre, weil es ein relativ tiefes Tal im Garten gibt.
Er ist halt nicht mehr der Jüngste..
Enttäuscht war er aber trotzdem ein wenig. Aber nicht vom Garten. Den fand er toll.
Er hatte sogar extra seine Digitalkamera dabei um der Gastmutter Fotos zeigen zu können.
Ich denke, ich kenne inzwischen mehr Gärten in und um Tokyo als mein Chef, der dort aufgewachsen ist. Nun ja.. Ist halt mein Hobby^^;;
Dennoch war nach dem Ausflug klar, sein Favorit bleibt der Rikugien. Deshalb wird auch im Normalfall mit Praktikanten nur dieser und der Korakuen besucht.
Denn das sind die berühmtesten (und somit auch schönsten?) Gärten Tokyos.
Ich bilde mir meine Meinung lieber selbst und suche weiter nach Gärten um den für mich schönsten Garten zu finden!



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