Bücher und Sumo

Schon letztes Jahr im November-Newsletter des Goethe-Instituts wurde ich auf die Ausstellung „World Book Design 2011-12“ im Printing Museum aufmerksam.
Da ich ja theoretisch ein Büchernarr bin, auch wenn ich sie momentan nur in Form von digitalen Daten über Auge und vor allem Ohr aufnehme, musste ich diese Ausstellung unbedingt besuchen.
Nun, einen halben Monat vor Ende, habe ich es endlich geschafft!

Um 13Uhr war ich mit D. im Foyer verabredet. Eigentlich hatte ich geplant dort noch etwa eine Stunde an einer Übersetzung arbeiten zu können, aber weil ich noch ein wenig durch die guten Wohngegenden um Edogawabashi herumstreifte, kam ich erst kurz vor halb 1 Uhr dort an. Und kurz nach halb trudelte auch schon D. ein.. Ein paar Kanji habe ich wenigstens geschafft.


Im Ausstellungsbereich durfte man leider nicht fotografieren, dafür brauchte man aber auch keinen Eintritt bezahlen.
Ausgestellt wurden vor allem Bücher aus Holland, der Schweiz, Canada, Deutschland und Japan.
Es gab wirklich einige sehr interessante Bücher zu sehen und ich hätte sicherlich noch viel längere Zeit dort verbringen können, aber D. schien nicht ganz so begeistert zu sein wie ich, weshalb ich Canada einfach mal unter den Tisch fallen ließ und auch China nur überflog.
Man konnte jedes ausgestellte Buch in die Hand nehmen und durchblättern. Es gab sogar Stühle, falls man sich ein Buch wirklich ausführlich ansehen wollte.
Ausgestellt wurden Romane, Bildungsbücher, Bilderbücher, Fotobände und noch einige Rubriken mehr. Die deutschen Bilderbücher habe ich auch schnell gelesen.
Eins hieß Polymeer und beschäftigte sich mit der Verschmutzung der Meere durch Plastik. Ich fand das Thema sehr schön dargestellt, aber die Bilder waren sehr düster, deshalb vielleicht nicht ganz als Kinderbuch geeignet. Von der Geschichte her aber schon.
Das andere sah von den Bildern her absolut nach Kinderbuch aus, aber die Geschichte.. An den genauen Titel erinnere ich mich nicht mehr, vielleicht „Als der Tod zu uns kam.“ Wenn dies der Versuch sein sollte Kinder mit dem Tod vertraut zu machen, dann würde ich ihn als gründlich gescheitert bezeichnen!
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was dieses Buch dort zu suchen hatte, ich fand weder die Zeichnungen ansprechend noch fand ich die Geschichte gut. Die fand ich ehrlich gesagt sogar ziemlich bescheuert.. Das beste am Buch war der Schlußsatz..

Aber genug von den Büchern, kommen wir zum 相撲 – Sumo, da gibt es sowieso noch mehr zu berichten!
Ich kannte Sumo bis jetzt ja nur aus kurzen Fernsehberichten über Japan und war auf die Live-Erfahrung sehr gespannt.
Bevor wir jedoch ins Stadion gingen, wurde noch eingekauft. Ohne Knabberkram geht nichts!


Es wurden zuerst für diesen Ort bekannte お菓子 – Okashi eingekauft. Arare mit Anko. Über Arare hatte ich ja hier kurz etwas geschrieben. Also salziges mit süßem. Sehr interessant und nicht schlecht!
Aus dem Konbini gab es dann noch Tortillachips und grünen Tee aus der PET-Flasche. Außerdem hat D. zwischendurch auch noch Yakitori gekauft. Yakitori und Sumo gehören zusammen.
Es gibt sogar eine eigene Yakitorifabrik unter dem Sumostadion!

So ausgerüstet ging es dann ins Stadion. Alleine hätte ich meinen Platz übrigens nie gefunden. Erst nachdem D. ihn mir erklärt hatte, schien der Plan ganz logisch und eigentlich wie jeder deutsche Plan auch, gestaltet zu sein.
Wir saßen in der West-Ecke, Reihe 9 in der Mitte.
Man konnte wunderbar sehen, außer wenn Leute beschlossen in dem unter uns befindlichen Eingang stehen zu bleiben und von dort aus zu gucken. Dann sah man rein gar nichts mehr!
Das erste, das mir auffiel, waren die vielen Ausländer. Dabei handelte es sich aber selten um Touristen, sondern eher um Ausländer, die in Tokyo leben. Niemals hätte ich gedacht so viele ausgerechnet dort zu sehen..
Deshalb wunderte es mich auch etwas, dass der Junge, der schräg vor mir saß mich so interessiert musterte. Eigentlich hätte ich gar nicht auffallen dürfen.
Bei diesem Jungen muß ich mich übrigens bedanken. Wir haben die ersten Kämpfe verpasst und bei ihm konnte ich abgucken, wer diese gewonnen hatte. Denn, das ließ ich mir nicht nehmen, ich habe alle Gewinner fein säuberlich gekennzeichnet um nicht den Überblick zu verlieren. Natürlich bin ich später doch mit den Namen durcheinander gekommen aber im Endeffekt wussten wir immer wer als nächstes gegen wen kämpfen würde.

Letzten Sonntag fanden zwei Turniere statt. Eins davon haben wir gesehen. Es war kein „richtiges“ Turnier, denn hier war es erlaubt, dass auch zwei 力士 (rikishi) – Sumoringer – aus dem gleichen Stall (部屋 – heya) gegeneinander antreten durften. Bei den 6 Grand Sumo Tournaments (本場所 – honbasho) ist das verboten.
Bei diesem Turnier handelte es sich um das Makuuchi Division Tournament.

Beim Sumo gibt es verschiedene Ligen und in diesen Ligen noch verschiedene Ränge. Ich versuche das alles kurz und knapp darzustellen: jonokuchi (序の口) -> jonidan (序二段) -> sandanme (三段目) -> makushita ( 幕下) -> jūryō (十両) -> makuuchi (幕内). jūryō und makuuchi sind die beiden höchsten Ligen und wer hier dazugehört, hat den Durchbruch geschafft (er ist ein 関取 – sekitori). Da ich beim Makuuchi Division Tournament war, schreibe ich nur ein wenig über diese Liga. Sie ist in verschiedene Ränge unterteilt: maegashira (前頭) -> sanyaku (三役) (nochmals unterteilt in komusubi (小結), sekiwake (関脇) und ōzeki (大関)) -> yokozuna (横綱). Die maegashira-Kämpfer werden durchnummeriert und dabei noch nach „Ost“ und „West“ aufgeteilt. Es gibt also beispielsweise eine Nummer 1 im Osten und eine Nummer 1 im Westen. Osten ist dabei im Rang höher als der Westen. Die sanyaku sind Titelinhaber, beziehungsweise Champions, yokozuna werden diejenigen, die regelmäßig die wichtigsten Division Tournaments gewinnen.

Einige Kämpfer aus höheren Rängen mussten sich nicht erst qualifizieren, sie stiegen gleich in der zweiten Runde ein. Die Rangniedrigsten jedoch mussten eine Runde mehr bestreiten. Wir kamen etwa in der Mitte dieser ersten Runde ins Stadion.
Ab der zweiten Runde wurde es dann laut in den Rängen, denn jetzt kämpften auch berühmte Ringer wie Kotoōshū (琴欧洲), Hakuhō (白鵬) und Baruto (把瑠都). Hakuhō
wurde allerdings schon in seiner zweiten Runde von einem Rangniederen, Chiyotairyū (千代大龍) West-maegashira#8!!, besiegt, was für einige Entsetzensrufe im Publikum sorgte, D. dazu veranlasste sein Handy zu zücken und es sofort bei Facebook zu posten und Hakuhō selbst ein etwas ungläubiges Grinsen aufs Gesicht zauberte.
In den weiteren Runden verloren dann noch sämtliche andere beliebte und bekannte Sumoringer, leider auch all diejenigen, die ich mochte, und so gewann den Endkampf dann Kakuryū (鶴竜), der zugegebenermaßen einen sehr hohen Rang inne hatte (ōzeki), aber sein Gegner, Toyonoshima (豊ノ島), bekam deutliche mehr Zurufe.
Ich war wirklich fasziniert, dass mich Sumo so mitreißen konnte. Eigentlich hatte ich nur gedacht, dass es mal eine nette Erfahrung wäre, aber ich kann mir durchaus vorstellen Sumo hin und wieder live zu sehen. Ich glaube, wenn ich es im Fernsehen gucken würde, würde mir die Atmosphäre des Stadions fehlen..
Worauf man aber auf jeden Fall achten sollte ist, den Anfang eines Kampfes nicht zu verpassen. Die Kämpfe sind manchmal so schnell vorbei, dass man glatt das wichtige verpassen könnte. Mir ist das leider auch ab und zu passiert. Wenn ich doch nochmal schnell etwas auf meinem Zettel notieren oder eben nochmal in die Chipstüte langen wollte..
Vor dem eigentlichen Kampf stellen sich die beiden Ringer nämlich gegenüber, treten aber sehr oft wieder aus dem Ring um nochmals ein wenig Salz zu werfen und den Gegner aus der Ruhe zu bringen. In dieser Phase kann man sich zu leicht ablenken lassen und man verpasst dann doch den Start, der dann urplötzlich kommen kann.

Um nochmal ein wenig näher auf den Ablauf bei Sumo einzugehen:

Ich bin mir nicht sicher ob ich alles richtig verstanden habe, aber habe versucht alles nochmals zu recherchieren.

Die Sumoringer, die als nächstes kämpfen werden, betreten 2 Kämpfe vor ihrem eigenen die Arena und setzen sich ihrem Rang entsprechend auf die Ost- oder Westseite.
Der Ring (土俵 – dohyō) besteht aus Sand/Lehm und der Kampfbereich ist durch eine Reisstrohrolle (俵 – tawara) abgegrenzt, die ihm auch seinen Namen gibt.
Der dohyō wird vor jedem Turnier vom Yobidashi (呼び出し) neu gebaut. Dieser ist auch während des Turniers dafür zuständig, dass der Ring in einem ordentlichen Zustand bleibt. Außerdem hat er noch eine andere Funktion, vor jedem Kampf singt er die Namen der nächsten Ringer auf der jeweiligen Seite, auf der dieser kämpfen wird.
Nun steigen beide Ringer auf den Ring und es folgen einige (Shinto-)Rituale. Je nach Liga und Rang kann es Abweichungen geben.
Zuerst verneigen sie sich vor dem Publikum und klatschen in die Hände. Danach machen sie den shiko (四股), also dieses typische Heben des Beins und das Aufstampfen. Dies soll Dämonen aus dem Ring vertreiben.
Nun werden noch einmal die Namen der Ringer vorgelesen, ebenso wie deren Herkunft und vielleicht auch der Name des Stalls.
Die beiden Ringer treten in ihre Ecken (Südost oder Südwest) und erhalten vom nächsten Kämpfer (ich habe allerdings auch gesehen, dass es vom vorigen Kämpfer ausgegeben wurde) eine Kelle voller Wasser (力水 – chikara-mizu). Hiermit wird der Mund ausgespült. Anschließend trocknen sie sich die Lippen mit dem 力紙 – chikara-gami, einem Papiertaschentuch. Daraufhin betreten beide Kontrahenten den Ring, stellen sich gegenüber auf, klatschen in die Hände und strecken danach die Arme mit offenen Händen von sich weg. Traditionell um zu zeigen, dass sie keine Waffen bei sich tragen.
Jetzt gehen sie zurück in ihre Ecken, in denen jeweils ein Behälter mit Salz steht.
Davon nehmen sie eine ordentliche Handvoll und werfen es in den Ring Richtung Norden. Es dient zur Säuberung des Rings.
Manche Ringer haben auch vorher ihre Füße damit bestreut. Und vor allem die Wurftechnik eines Kämpfers wurde von den Zuschauern bejubelt.
Jetzt endlich scheint es loszugehen! Die Sumoringer stellen sich an den 仕切り線 – shikiri-sen auf (zwei weiße Startlinien) und begeben sich in die typische Starthaltung: Breitbeinig, der Oberkörper nach vorne geneigt. Vielleicht schon eine Faust auf dem Boden. Sobald beide Fäuste beider Ringer den Boden berühren, geht der Kampf los. Jedoch versuchen Beide sich vorher nieder zu starren und es wird noch eine Menge Salz geworfen bis es wirklich losgeht. In den obersten Rängen kann dies bis zu 4 Minuten dauern.
Sollte es sich zu lange hinziehen, steht der 行司 – gyōji, ein Schiedsrichter in bunten Kleidern, im Ring. Er bedeutet mit seinem 軍配 – gunbai, einem Kampffächer, wann der Kampf beginnen kann und wer gesiegt hat. Der Sieger muß vor dem Fächer seinen Kopf neigen. Der gyōji ist außerdem während des Kampfes dafür zuständig die Ringer zum Weitermachen zu bewegen, wenn sie sich zu lange nicht bewegen, oder das Ende des Kampfes auszurufen.
Außen sitzen 5 weitere Schiedsrichter (審判 – shinpan) und außerdem gibt es noch 2 Männer, die dafür zuständig sind das Salz, das außerhalb des Kampfbereiches verstreut wurde, zu beseitigen. Sie reinigen auch die Schicht Sand außerhalb der tawara, die leicht zeigt, ob jemand über den Ring getreten ist oder nicht.
Denn wer den Kampf verliert ist derjenige, der mit einem Körperteil außer der Fußsohlen den Boden berührt, oder mit irgendeinem Teil der Füße oder des Körpers den Boden außerhalb des Rings berührt, beziehungsweise sich zu weit außerhalb des Rings befindet.
Gegen Ende des Turniers tauchen dann auch die Nummergirls in Form von männlichen Werbebannerträgern auf..

Ganz am Ende, nach der Preisverleihung und dem Interview, stellten sich dann einige schwarz gekleidete Herren um den Ring auf. Wohl um zu verhindern, dass eventuell Besucher hinaufsteigen.
Einer dieser Herren in Schwarz war ein Sumoringer, der letztes Jahr aufgehört hat. Er war sehr bekannt und so bildete sich sofort eine Menschentraube um ihn um Fotos zu schießen.
D. und ich gingen auch irgendwann nach vorne an die Balustrade, aber gerade als ich meine Kamera zücken wollte, verschwand der Promi auf die Nordseite. Das nenne ich mal Pech..

Von Ryōgoku aus ging es dann nach Ikebukuro zum Abendessen. Eigentlich sollte es Okonomiyaki geben, aber das Restaurant war voll und so ging es doch zur anderen Option, Butadon!
Wir hatten uns die Karte vorher schon einmal angesehen und so wusste ich sehr schnell was ich essen wollte. Spezial! Das war ein Donburi mit Schweine- und Rindfleisch.
Zuerst waren wir etwas skeptisch, weil das Lokal leer war. In Japan ist es sehr wichtig, dass zumindest ein paar Gäste da sind, sonst ist das Lokal nicht gut. Aber irgendwer muss ja immer der erste sein.. Und nach uns kamen dann immer mehr Leute.
Als ich mein Essen erhielt, musste ich lachen. Meine お鉢, meine Schüssel, war schon wieder mit einem Löffel garniert! Genau wie letztes Mal als wir Butadon gegessen haben.. Warum bekomme ich nur bei diesem Essen Ausländer-Besteck ohne gefragt zu werden? Sehr seltsam..
Anders als bei der Buta-Daigaku aber, war hier nur der halbe Reis mit Fleisch bedeckt. Immerhin konnte man aber, wenn man wollte, noch Extra-Fleisch für 200¥ mehr bestellen.
Mir hat das Fleisch übrigens wirklich gut geschmeckt. Vor allem die eine Sorte Rindfleisch. Das Gewürz von Butadon ist wirklich etwas für mich und ich sollte mir ein Stammlokal zulegen. Absolut mein Fall! Aber vielleicht nächstes Mal doch für 1100¥ statt 900¥..

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2 Gedanken zu “Bücher und Sumo

  1. Sumo ist schon faszinierend, vor allem die Ausbildung (Ich las darüber.) mag uns Europäern kurios erscheinen. Übrigens, es gibt auch Frauen, die sich diesem Sport verschrieben haben. Eine mehrfache Sumo-Weltmeisterin und Olympiasiegerin wohnt nur 20 km Luftlinie von hier entfernt … Sandra Köppen-Zuckschwerdt … (Bei Wikipedia zu finden.).

    • Über die Ausbildung habe ich für meinen kleinen Bericht nichts recherchiert. Nur ein wenig überflogen, dass die Regeln in den Heyas sehr sehr streng sein sollen.
      Über Frauensumo habe ich allerdings schon einiges gehört und auf der Wikipediaseite von Frau Köppen-Zuckschwerdt war ich daher auch schon. Ich habe an dem Abend sehr viel gegessen, und so wurde selbstverständlich gewitzelt, dass ich bald am Frauensumo teilnehmen könnte. Da ließ ich es mir nicht nehmen ein wenig darüber zu lesen.. ^_-

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