Konzertmarathon

Zumindest für mich..
Wenn man bedenkt, dass ich sonst meistens nur ein Konzert pro Jahr besucht habe, sind zwei direkt hintereinander schon viel..

Donnerstag war ich mit drei ehemaligen Musikstudenten bei einem klassischen Konzert in der 東京文化会館 (Tokyo Bunka Kaikan).
Gespielt wurde von Martinů Symphony No. 6, Fantasies Symphoniques
und von Berlioz die Symphonie Fantastique, Op. 14.
Das Hauptaugenmerk lag dabei auf Berlioz. Nicht nur von uns, sondern auch von vielen anderen Zuhörern.
Das merkte man daran, dass mir nicht nur gesagt wurde, es wäre nicht so schlimm wenn ich anfangs schlafen würde, sondern auch, dass tatsächlich viele im Publikum schliefen!
Zum Berlioz-Konzert waren sie aber alle wieder wach..

Für mich war das der erste Besuch eines klassischen Konzerts in Japan und eines Konzerts überhaupt.
Also habe ich versucht mir alles genau anzusehen.
An den Besuchern des Konzerts fiel mir auf, dass es total durchmischt war. Nicht jeder war hübsch angezogen. Manche erschienen in typischer Alltagskleidung, andere waren ganz nett hergerichtet aber nicht übertrieben. Das kleine Schwarze suchte man vergebens. Außerdem waren alle Altersgruppen vertreten. Mir lief auch eine Schülerin in Schuluniform über den Weg und auch andere Ausländer, sowohl ältere als auch jüngere, hatten den Weg in die Konzerthalle gefunden.
Im Eingangsbereich gab es einen kleinen Shop und einen Informationsteil zu verschiedenen kommenden Konzerten. Oft schon Werbung für Konzerte Ende April 2013!
Direkt hinter der Kartenkontrolle wurde ich höflich auf Englisch begrüßt. Hier hätte man noch die Möglichkeit gehabt sich in ein Café zu setzen, aber wie in Deutschland auch, ist es dort teurer als anderswo, weshalb es in der Pause auch warmen Kaffee aus der Jidohanbaiki gab. Ich liebe Jidohanbaiki, sie sind so praktisch!!
Vor dem Eingang zum Saal hing noch ein Übersichtsplan, auf dem man nachsehen konnte wo genau man sitzt. Zusätzlich standen aber auch noch überall freundliche? Einweiser, die bei der Platzsuche halfen. Der Service ist hier durchaus mit dem deutschen zu vergleichen. Allerdings zog unsere „Torwächterin“ immer eine etwas verdriesliche Miene. Ob das an uns lag?
Die Halle war innen sehr hübsch verziert und ich konnte wunderbar sehen. (1. Rang, nicht ganz mittig und der Platz in der hintersten Ecke. Ich glaube, nur zwei Kontrabassspieler hatte ich nicht im Blickfeld.)
Hier ein externer Link. Das war in etwa meine Sicht, wenn ich nicht auf die Bühne geguckt habe..
Aber, der Fußraum war sehr eng! Von Beinfreiheit keine Spur und es war kein Vergnügen sich immer an dem armen Mann, der ganz außen saß, vorbeidrängeln zu müssen. Er hatte sehr große Füße und ich musste immer sehr aufpassen nicht darauf zu treten.

Um 19h betraten dann die Musiker die Bühne. Der Dirigent wurde mit Applaus willkommen geheißen und dann ging es auch schon los.
Ich muß gestehen, dieses Stück von Martinů hat nicht unbedingt meinen Geschmack getroffen. Im zweiten Satz gab es ganz nette Elemente, aber im großen und Ganzen hörte es sich an, als hätte man aus einem sehr langen Stück Teile der Hauptthemen herausgeschnitten und wieder zusammengefügt. Sozusagen wie das „Best of“ einer Symphonie. Etwas seltsam..

Aber: ich habe auch absolut keine Ahnung von Musik!
Ich unterteile sie lediglich in:

  • Absolut genial
  • Gefällt mir
  • Nette Hintergrund-Geräuschkulisse
  • Mag ich nicht

Vielleicht gibt es noch einige Abstufungen mehr, aber im Großen und Ganzen war es das.

Berlioz kannte ich ja schon. Die CD habe ich mehrfach gehört. Trotzdem habe ich viele neue Stellen entdeckt, die mir gefallen haben. Allerdings waren im Konzertsaal auch die weniger spannenden Stellen auffälliger, so dass ich vor allem während des dritten Satzes mit der Müdigkeit kämpfen musste. Ich habe es aber geschafft wach zu bleiben. Ein bisschen stolz bin ich ja schon, bin ich vorher ja sowohl bei Beethovens 9. als auch bei den Taiko-Trommlern „Yamato“ eingeschlafen. Bei Schandmaul bisher wohl nur nicht, weil es dort keine Sitzplätze gibt.. So bald ich sitze, es etwas dunkler ist und eine schöne Geräuschkulisse herrscht, schlafe ich ein. Weshalb auch Filme in der Berufsschule eine reine Qual waren. Ich fand die Filme immer sehr interessant, konnte aber einfach die Augen nie offen halten -.-

Aber ich schweife (mal wieder) ab..
Zurück zu Berlioz..
Auch der Dirigent schien von ihm begeisterter zu sein, denn plötzlich war er voller Elan. Ich finde es ja immer toll Dirigenten zuzusehen, wenn sie in der Musik aufgehen. Sich also zum Beispiel ganz klein machen, wenn leise gespielt werden soll, oder wie Herr Hrůša beim Höhepunkt im 2.? Satz sehr weit ausholte um den Spielern den Einsatz zu zeigen.
So verging die Zeit bis 21Uhr wie im Fluge..
Nach dem Konzert waren wir noch mit dem einen Bass-Posaunisten aus dem Orchester in einer Bar in der Ueno Station.
Es wurde ein sehr schöner Abend, der mir viel Spaß gemacht hat. Um 23Uhr war er zu Ende und ich fiel um 24Uhr erschöpft ins Bett.

Das zweite Konzert, einen Tag später, ließ mich etwas sprachlos zurück..
Ich glaube, um es zu erklären, brauche ich viele Worte. Ich werde aber trotzdem versuchen mich möglichst kurz zu fassen.
Ich war auf einem Konzert von Lonski & Claßen. Das sind zwei junge Berliner, die elektronische Musik mit leichter Endzeitstimmung machen, weshalb das Datum ja auch gut passte.
Ausgerichtet wurde das ganze in erster Linie vom Goethe Institut (genePro doitsu), aber auch der DAAD und die JDG haben ihre Finger mit im Spiel gehabt.
Ich war natürlich über die JDG dort. Eigentlich war Stammtisch, aber ehrlich gesagt.. Viele bekannte Gesichter habe ich nicht gesehen. Ich kenne noch kaum Leute von der JDG >.<
Am Anfang habe ich sowieso nur junge deutsche Frauen gesehen o.O Praktikantinnen vom Goethe Institut? Ich glaube jemand meinte so etwas..
Das Konzert begann etwas verspätet, weil die Hälfte der Gäste zu spät oder gar nicht aufgetaucht ist. Außerdem wurde noch auf den Caterer gewartet, mit dem es ein kleines Missverständnis bezüglich der Zeit gab.

Bevor es aber richtig mit dem Konzert losging, wurde noch abgestimmt in welcher Sprache gesprochen werden sollte. Es wurde Englisch..
Lonski wirkte hier schon etwas fahrig und später habe ich kaum verstanden was er von uns wollte. Erstens ist sein Englisch nicht das beste (so wie meins), dann hat er aber auch noch genuschelt und leise gesprochen. Nicht die besten Voraussetzungen um das Publikum zu begeistern..
Die Musik hat mir aber gut gefallen. Ich hatte vorher probeweise etwas auf ihrer Homepage gehört und mich danach sofort zum Event angemeldet.
Einzig die Enden einiger Stücke waren etwas ermüdend. Lonski hatte so ein nettes Gerät neben sich stehen, mit dem er Gesang aufnehmen und in Endlosschleife abspielen konnte. Das hat er gerne und ausgiebig genutzt. Und zwar nicht immer um währenddessen die Gitarre anders zu stimmen..


Irgendwann in der Mitte des Konzerts sagte dann mal Classen ein Lied an, wurde aber sofort von Lonski abgeblockt, der von da an die Trackliste änderte. Am Ende verließ er sogar früher die Bühne und ließ Classen alleine am Schlagzeug zurück. Das alles brachte mich dazu Classen deutlich sympathischer zu finden. Außerdem schaffte er es das Publikum zum Lachen zu bringen. Zwischendurch ist er sogar mal durch die Sitzreihen gelaufen und hat sich auf einen freien Stuhl gesetzt. Das kam gut an.

Da er öfter über das Verhalten von Lonski „scherzte“, frage ich mich, ob die gemeinsame Woche in Japan den beiden so gut tat..
Vielleicht hatte Lonski aber auch nur schlechte Laune, weil er zu Anfang kein Wasser bereitgestellt bekommen hatte (erst nach einem verbalen Seitenhieb von ihm), und das Publikum auf seine Sprüche nicht eingegangen ist.
Allerdings fand ich es auch komisch, dass er nach Liedwünschen gefragt hatte. Ich würde ja nicht davon ausgehen, dass das Publikum in Japan alle Lieder von ihnen kennt.. Die meisten dort waren eh nur auf das Buffett und ein kostenloses Event mit netter Musik aus.

Eigentlich wollte ich noch mehr Positives schreiben.. aber irgendwie fällt mir nichts weiter ein als zu sagen: Hört euch ihre Musik mal an. Sie ist wirklich nicht schlecht und vielleicht ist Lonski in Deutschland auch besser drauf. Ich würde auf jeden Fall nochmal ein „richtiges“ Konzert von ihnen besuchen!
Ach ja.. sie waren übrigens die Vorgruppe für Yann Tiersen.

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