Heute war ein ziemlich einzigartiger Tag..

Da soll nochmal jemand sagen, Japaner seien nicht spontan..

Unten findet ihr ein Youtube Video. Wenn ihr möchtet, hört euch das Lied beim Lesen an. Irgendwie passt das Lied zum Feeling, dass ich an diesem Tag hatte. Vielleicht muß man aber auch den Film dazu kennen..

Eigentlich wollte ich heute mit einer japanischen Freundin Tandem machen. Also Japanisch beziehungsweise Deutsch lernen. Dazu kam es aber nicht. Im Endeffekt sind wir zu dritt nach Chiba gefahren. Das Ganze wurde mal eben innerhalb von 1-2 Stunden von einem gemeinsamen Freund organisiert. Also bin ich gegen halb 12 Uhr Richtung Tokyo aufgebrochen. Die Wegbeschreibung, die ich vorher per Facebook bekommen habe, war idiotensicher und im Bahnhof Ochanomizu habe ich mich mit meiner Freundin getroffen und wir sind zusammen zum Bahnhof von Chiba gefahren.
Die Fahrzeit haben wir für unser eigentliches Vorhaben, das Lernen, genutzt. In Chiba stieß dann unser Freund zu uns und gemeinsam haben wir die letzte Etappe in Angriff genommen. Hinaus aufs Land! Denn das war unser Ziel, eine Landschaft wie in „Mein Nachbar Totoro“ finden!
Wir sind in Ooami ausgestiegen, haben Zutaten für unser Mittagessen gekauft, und sind einfach der Nase nach drauf losgelaufen. Dabei haben wir wirklich schöne Natur gesehen, auch wenn die Reisfelder leider schon abgeerntet waren. So schön die Felder und alten Häuser auch waren, bis dahin fand ich die Etappe im Wald am Schönsten. Wir wurden dort zwar von den Mücken aufgefressen, aber dieses Mal war ich seltsamer Weise nicht ihr Primärziel. Normalerweise ziehe ich Mücken an wie ein Magnet..
Nach dem Wald kamen wir in ein kleines Dorf und mussten uns entscheiden: Laufen wir schon in Richtung des Bahnhofs von Toke oder suchen wir noch ein Torii, das unser Freund im Internet gefunden hatte. Wir beschlossen, oder ich?, das Tor zu suchen. Googlemaps sei Dank konnten wir wenigstens die Richtung ausmachen und uns passende Straßen suchen. Vor einem alten heruntergekommenen und verlassenen Hotel? haben wir dann endlich unser „Mittag“ zu uns genommen. Es gab selbstgemachte Sandwiches. Da das Hotel quasi auf einem Berg lag, konnte man von unserem Platz aus ziemlich weit gucken. Wir sahen auch die neu gebaute Brücke, bei der unser Abenteuer quasi begonnen hatte.

Schon nach dem „Mittag“ kam die Frage auf, wie wir zurück kommen sollten. Unter anderem fiel der Vorschlag, dass wir ja per Anhalter fahren könnten. Mit zwei Frauen sei das ja sicher kein Problem..
Bei der erstbesten Möglichkeit verließen wir die Schnellstraße, auf der wir seit einiger Zeit unterwegs waren und gingen wieder auf kleinen Straßen durch Reisfelder und kleine Dörfer. Um den Schrein mit dem roten Torii zu finden, mussten wir einige Leute fragen. Die Autos, denen wir gewunken haben, hielten auch tatsächlich an, woraufhin wir beschlossen, dass die Menschen in Chiba sehr freundlich sind. Wie freundlich sollten wir später noch feststellen..

Unser Weg führte uns erstmal über einen zugewucherten Feldweg und dann über eine Straße im Rohbau, auf der wir sicher nicht hätten spazieren dürfen.

Auf der anderen Seite des Berges begegneten wir dann den Arbeitern.. Anfangs wollten wir uns noch verstecken, aber wir wurden gesehen und so gingen wir einfach auf die normale Straße hinunter. Die Bauarbeiter sagten kein Wort. Wirklich nette Leute in Chiba.
Um uns nochmal des Weges zu versichern, fragten wir einen netten älteren Mann auf einem Roller, den wir nicht zum letzten Mal gesehen haben, nach dem Schrein. Glück gehabt, er lag am Ende der Straße. Vorher wollten wir aber noch auf Klo. In der Nähe schien es einen Tempel zu geben. Der fiel aber derart klein aus, dass wir keine Hoffnung auf eine Toilette hatten. Also ging meine Freundin zielstrebig auf ein Haus zu, vor dem sich zwei ältere Frauen unterhielten und fragte, ob wir in ihrem Haus auf Klo dürften.
Die Okusan guckte uns ein wenig skeptisch an, erlaubte es uns aber. Unser männlicher Begleiter war nicht mitgekommen, er blieb vor dem Haus zurück.

Als ich gerade meine Schuhe wieder angezogen hatte, musste ich feststellen, dass die Frau des Hauses keineswegs skeptisch war. Sie fragte mich erstmal munter aus und schenkte uns zum Abschied eine volle Tüte mit Goya. Sie können die eh nicht alle essen, sagte sie. Bevor wir zum Torii liefen, wollten wir noch ein Beweisfoto machen, dass wir wirklich dort angekommen waren. Dafür musste ich den Selbstauslöser meiner Kamera finden. Kein Problem, nur das Einstellen der Zeit erwies sich als zu kompliziert für den Augenblick und so schaffte ich es gerade eben bis zu den anderen zu laufen. Unser Gruppenfoto ist deshalb ausgesprochen lustig geworden.
Langsam aber sicher wurde es nun schon dunkel. Am Schrein war es schon ziemlich düster, da er zwischen Bäumen lag. Der Rückweg würde auch nicht allzu kurz ausfallen und so beschlossen wir, langsam aufzubrechen.


Wir trafen ungefähr zum vierten Mal den netten älteren Mann auf dem Roller und fragten ob wir einfach den Weg über den Berg Richtung Toke nehmen könnten. Nach einem kurzen Wortwechsel bot der Mann an uns mit dem Auto zum Bahnhof von Toke zu bringen. Da mussten wir nicht lange überlegen, wir stimmten zu. Zum Glück, denn der Weg bis nach Toke war viel viel länger als gedacht. Wir hätten mindestens zwei Stunden dafür gebraucht. Am Bahnhof wollten wir ein Ramen Restaurant suchen, das uns vielleicht auch unsere Goya zubereiten könnte. Das einzige Restaurant, das wir mit Hilfe einer jungen Frau fanden, war aber leider eins mit Automat, womit das Fragen nach unseren Goya irgendwie wegfiel.
Die Ramen waren sehr lecker, auch wenn mir nicht in den Kopf wollte, wieso die Portion mit 5 Stücken Fleisch einen komplett anderen Namen hat als die mit einem Stück Fleisch.. Zuerst dachte ich nicht, dass ich meine Portion schaffe, aber bis auf die Brühe habe ich doch alles aufessen können. Nach diesem für mich sehr abwechslungsreichen Abendessen ging es zurück zum Bahnhof.
Der nächste Zug Richtung Chiba sollte aber erst in über 20 Minuten fahren. Zum Glück stand in der Bahnhofshalle, wie für uns vorbereitet, ein hölzerner Picknicktisch, den wir erstmal in Beschlag nahmen um Karten zu spielen. Die erste Wahl fiel auf Uno, sehr zu meiner Freude. Ist das doch wenigstens ein Spiel, das ich kenne. Die erste Runde ging ziemlich schnell an mich. Meine beiden Begleiter haben dann so lange gebraucht um das Spiel zu beenden, dass wir nicht mehr zum Pokern gekommen sind. Mein Glück, denn Pokern habe ich nie gelernt. Naja, wahrscheinlich wird mir das auch noch beigebracht.. Auf der Rückfahrt von Chiba nach Tokyo wurde dann noch ein wenig gelernt bevor sich unsere Wege in der Tokyo Station trennten. Alles in allem war dies mal wieder ein herrlicher (Sommer-)Tag und ich bin sehr gespannt auf nächsten Samstag, wenn ich für die Beiden Chinesisch kochen muß. Ausgerechnet Chinesisch..
Jemand Vorschläge? Suppe und Gemüse ist schon vergeben, hab an Garnelenbällchen gedacht..


Kikujiros Sommer
Unbedingt zu empfehlen!

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