Sonntagsausflug

Von meinem letzten freien Wochenende hatte ich ja nichts berichtet..

War auch einfach nur blöd. Dafür hatte ich dieses Mal einen sehr schönen Sonntag. Ausschlafen konnte ich zwar wie immer nicht richtig, aber so kam ich wenigstens früh los. Vorher hatte ich aber noch gefragt, ob eventuell mein Paket angekommen ist, weil ich mitbekommen hatte, dass zwei Paketboten da gewesen waren. Leider erklärte mir mein Gastvater, dass das Paket bei der Post liegt und er es erst Montag abholen würde, weil er nicht wüsste ob die Post am Sonntag geöffnet hat.

Also zog ich mich für warmes Wetter passend an, in Hotpants und Trägershirt. Ein Gang auf die Terrasse hat mich dann aber doch dazu bewogen ein T-Shirt anzuziehen. Es war bedeckt und regnete ganz leicht. Bei solchem Wetter laufen die Klimaanlagen aber trotzdem, weshalb man leicht friert.

Mein Fahrrad habe ich dieses Mal vor einem Conbini nahe des Bahnhofs abgestellt (bin zu geizig für die Bezahlparkplätze) und mir dort auch noch Frühstück gekauft.
Ich hatte geplant nach Harajuku zu fahren, um dort einen der größten 100¥ Shops von Tokyo anzusehen. Zum Glück war ich früh da, so dass die Einkaufsstraße nicht so überfüllt war wie nachmittags. Ich habe sogar noch erlebt, wie sich ein Taxi hindurch schlängelte. Nachmittags ist selbst für Fußgänger kaum ein Durchkommen..
Den 100¥ Shop habe ich auf Anhieb nicht gefunden, dafür dann aber andere Sachen geshoppt: Ohrringe und Schuhe.. Ich werde doch noch zu ner typischen Frau, zumindest was die Liebe zu Schuhen angeht.. Ich habe aber natürlich auch die passende Ausrede parat: Meine Chucks gehen langsam wirklich aus dem Leim und hier gab es nun das gleiche Design für 10€. Da muß man doch zugreifen, oder?
Armbänder mussten dann auch noch sein und am Ende der Straße (bzw. am Anfang, bin einmal hin und zurück gelaufen) habe ich sogar noch den 100¥ Shop gefunden und war sehr enttäuscht. Da finde ich den in Asaka über’m Maruetsu besser.. Nun noch beim Family Mart ein bisschen Mittag eingekauft und ab ging es in den Yoyogipark. Ich habe es mir unter einem Baum gemütlich gemacht und deshalb auch nichts von den gelegentlichen leichten Schauern mitbekommen. Seit länger Zeit habe ich endlich mal wieder etwas in meinem Buch geschmökert und dabei mein Mittag vertilgt.

Als ich gerade aufbrechen wollte, kam eine Gruppe Studenten auf mich zu und fragte mich ob ich einen Moment Zeit hätte. Natürlich stimmte ich zu und durfte ein paar Fragen beantworten. Das alles diente aber eigentlich nur dem Zweck, dass ich am Ende aufschreiben musste wie gut ihre Englischkenntnisse waren. War wohl eine Aufgabe für die Uni. Die ganze Zeit während ich unter meinem Baum saß, drang Musik an mein Ohr. Dem wollte ich jetzt nachgehen. Wurde allerdings noch von einer Tröte abgelenkt.. Hörte sich extrem nach dem Musikstil ala Schandmaul an, weshalb ich auch hier nochmal nachgucken musste, wer da spielte..
Bin also nach einem kleinen Umweg auf die andere Straßenseite um dort in den Earth Garden hineinzulaufen.

Das war eine Veranstaltung der „grünen Bewegung Tokyos“ wie ich sie jetzt einfach mal frech nenne. Das Ganze war eine Mischung aus Altonale (die Hamburger wissen was ich meine), Flohmarkt und Hippitreffen. Inklusive zweier alter VW Busse versteht sich! Ich war auf jeden Fall sehr begeistert und habe mir gemütlich die ganzen Klamottenstände, das Kunsthandwerk, die Bühnen die Fressstände und die Leute angesehen. Ein Stand hat mir besonders gut gefallen und ich bin ernsthaft am überlegen ob ich mir nach zig Jahren doch mal wieder eine Uhr anschaffe.. (Die 100¥ Uhr zählt nicht.)

Der Tag ging aber jetzt eigentlich erst richtig los (war zwischen 13h und 14h) und so hatte ich mit überlegt schonmal einen der Gärten anzusehen, die ich mir herausgesucht hatte. Der Garten des Nezubijutsukan lag relativ in der Nähe. Die Haltestelle Omotesando kam direkt nach Harajuku. Leider komme ich mit den japanischen Stadtplänen immer noch nicht so ganz zurecht (habe das Gefühl die machen alles viereckig/grade auch wenns eigentlich rund und in Schlangenlinien verläuft) und so verlief mein Versuch dort zu Fuß hinzulaufen nicht allzu gut.
Ich landete am Bahnhof von Shibuya ebenfalls nur eine Station von Omotesando entfernt und weil mir das alles zu doof wurde, fuhr ich nun U-Bahn.. Das Nezu-Museum war zum Glück auf dem Ausgangsplan der Haltestelle aufgeführt und so habe ich es gleich beim ersten Anlauf gefunden. Die Omotesando ist übrigens auch eine Straße, in der man ebenso teure Geschäfte wie auf der Ginza findet. So lief ich an interessanten Gebäuden von z.B Prada vorbei. Diese Gebäude zogen übrigens Architekturbegeisterte an.. Konnte ich verstehen, auch wenn ich nicht das Hauptgebäude fotografiert habe, sondern die Parkplatzumrandung..

Die war aber auch äußerst spannend angelegt, leider spielte das Moos wohl nicht so mit wie gedacht..
Auf dem Weg zum Museum hatte ich noch die leise Hoffnung, dass man den Garten auch so ansehen könnte, ohne in das Museum hinein zu müssen. Leider war dem nicht so. Also zahlte ich gesalzene 10€ Eintritt (für Gärten liegt der Preis normalerweise bei knapp 3€) und lief schnell durch die Ausstellungen. Ich bin ja nun wirklich kein Museumsmensch, aber die Teeutensilien waren teilweise schon ganz nett und ich bin sogar vor der ein oder anderen Tafel stehen geblieben um etwas zu lesen. Hat mich ein wenig an mein Lieblingsseminar zu Unizeiten erinnert.. Trotzdem weiß ich bis jetzt nicht auf was genau das Nezu Museum sich spezialisiert hat.. So gab es halt Teegeschirr, alte chinesische Bronzen und Buddastatuen..
Was mir noch auffiel, ich stach ganz schön aus dem sonstigen Publikum heraus.. Irgendwie wunderte es mich doch, dass sie mich überhaupt hinein gelassen haben. Aber ich war ja auch ganz brav, hab meine dicke Tasche weggeschlossen und bin dann nur mit dem Fotoapparat bewaffnet in den Garten gegangen, der viel riesiger war als ich zuerst dachte. Der Garten war dann auch nicht einfach nur ein normaler Garten, sondern überall versteckten sich noch Figuren, so dass man ihn eher als einen erweiterten Ausstellungsraum betrachten konnte.




Auch jetzt noch nieselte es immer wieder zwischendurch, aber davon ließ ich mich nicht stören. Als ich jeden Pfad mindestens einmal entlang gegangen war (für 10€ wollte ich wirklich alles sehen!), machte ich mich auf den Weg zurück. In Harajuku, wo ich in die Yamanotelinie umsteigen musste, überlegte ich kurz ob ich nochmal nach den Cosplayern gucken sollte, entschied mich aber dagegen, weil nicht nur meine Füße inzwischen weh taten, sondern auch meine Schulter. Diese Entscheidung habe ich nicht bereut, weil es auf dem Weg nach Ikebukuro, meinem nächsten Umsteigebahnhof, richtig anfing zu regnen.

Zurück in Asaka stellte ich dann beglückt fest, dass mein Fahrrad noch da war, ohne Klebezettel, dass es im Parkverbot stand, lediglich mit dem Lenker zur Straße und nicht wie ich es hingestellt hatte mit dem Lenker zum Conbini.
Nun noch schnell einkaufen und total überladen nach Hause. Es ist ziemlich schwer mit einem prallgefüllten Fahrradkorb (am Lenker), Regenschirm in der einen Hand und nicht so wirklich guten Bremsen nen ziemlich steilen Berg hinunter zu fahren.. Ich kam auf jeden Fall klitschnaß an (der Regenschirm ist zu klein >.>) und konnte Ken-chan noch auf Wiedersehen sagen. Die wollten nämlich grade los als ich ankam.

Im Flur wartete dann eine im wahrsten Sinne des Wortes große Überraschung auf mich, mein Paket aus Deutschland!!! Es fehlte sogar nichts, selbst verbotene Wurst und Käse waren noch drin, obwohl der Zoll wohl alles genau in Augenschein genommen hatte. Auf jeden Fall war alles in einem neuen Karton und neu verpackt.
Jetzt habe ich endlich wieder Röcke und Stiefel und bin sehr glücklich!

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6 Gedanken zu „Sonntagsausflug

  1. Ich lese mich gerade chronologisch durch dein Blog. Jetzt wo ich hier angekommen bin, muss ich dir doch mal ein grosses Lob fuer die interessanten Einblicke und (sogar bzw. gerade fuer) „locals“ wirklich guten Geheimtipps zum Thema Gaerten aussprechen! Der Garten des 根津美術館 scheint ja wirklich ein sehr gut verstecktes Kleinod zu sein! Danke und bitte mehr davon!

    • Ich freue mich, wenn ich in meinem Blog auch mal den ein oder anderen netten Tip geben kann. Ob das so bleibt, weiß ich natürlich nicht, da ich im Prinzip keine Ahnung habe, was ich mir eigentlich ansehe..
      Der Garten vom Nezu-Museum war wirklich schön, wenn auch teuer, aber der heutige Garten hat mir sogar noch besser gefallen!
      Lg

  2. Pingback: Urlaub!!! | Ginkgoleafs

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